"Ach du Scheiße, Alter!", schrie Raimund und hüpfte völlig entfesselt durch den Schnee im Stadio del salto Giuseppe Dal Ben. Nach seinem Flug zu den Sternen riss Philipp Raimund völlig überwältigt die Arme in den Nachthimmel. Der Sonnyboy aus Göppingen, der für den SC Oberstdorf startet, hat an einem märchenhaften Abend das "Wunder von Predazzo" vollbracht und Gold im Wettkampf von der Normalschanze geholt. Der erste Sieg in der Karriere des 25-Jährigen war sogleich der größtmögliche. "Ich war so verdammt nervös. Ich weiß nicht, wie ich es gemacht habe. Aber ich bin so stolz, ich bin Olympiasieger, das ist einfach wunderschön."
Philipp Raimund ist der fünfte Deutsche mit Olympia-Gold
Die Medaille in Händen konnte es Phillipp Raimund immer noch kaum glauben: "Megageil! Mit dem Podium realisiert man es erstmals so wirklich. Es ist unbeschreiblich", sagte er im Interview mit SWR Sport. Der obligatorische Biss in die Medaille durfte entgegen des zahnärztlichen Rates trotzdem nicht fehlen: "Das ist ziemlich egal. Wenn ich mir einen Zinken abbreche, dann ist es halt so." Mit Flügen auf 102,0 und 106,5 Meter wurde Raimund fast auf den Tag genau acht Jahre nach dem Triumph von Andreas Wellinger in Pyeongchang zum fünften deutschen Olympiasieger im Skispringen. Zuvor hatten die DDR-Springer Helmut Recknagel (1960), Hans-Georg Aschenbach (1976), Jens Weißflog (1984 und 1994) und Carina Voigt 2014 in Sotschi triumphiert.
Zur Gold-Party nach dem Olympia-Sieg von Philipp Raimund hatte Bundestrainer Stefan Horngacher jedoch klare Vorstellungen. Denn allzu viel Alkohol durfte auf Raimunds Olympia-Party nicht ausgeschenkt werden: "Die Trainer zwei, die Athleten eins", sagte der Skisprung-Coach mit einem Augenzwinkern. Denn Sensations-Champion Raimund ist am Dienstag gleich wieder gefordert. Der 25-Jährige will auch das Mixed-Team im italienischen Predazzo zu einer Medaille führen (18.45 Uhr/ZDF). "Da schaue ich auch, dass wir da auch nochmal mit-performen können", sagte Raimund. Erst danach ist Zeit, um die Party-Bremse ein wenig zu lockern. "Nach morgen ist mal kurz ne Pause und da werde ich mir nicht nur ein Bier gönnen", erklärte Raimund.
Nächste Olympia-Medaille mit dem Mixed-Team?
Das Mixed-Team, das Raimund mit Felix Hoffmann, Selina Freitag und Agnes Reisch bestreitet, ist im italienischen Predazzo der letzte Winterspiele-Wettkampf auf der Normalschanze. Auf der Großschanze geht es dann erst am 14. Februar weiter. "Da ist er auch schon Dritter gewesen im Sommer. Die kann er auch", sagte Horngacher.
Für den 56-Jährigen, der nach der Saison als Bundestrainer aufhört, hat Raimunds Olympiasieg nach einer bisher ganz schwierigen Saison des deutschen Teams eine besondere Bedeutung. "Für mich zum Abschied als Bundestrainer eins der schönsten Geschenke, was der Philipp mir gemacht hat", sagte Horngacher.
Horngacher über Raimund: "Habe auch lernen müssen mit ihm umzugehen"
Der Österreicher beschrieb seinen Top-Athleten als "athletisch extrem gut. Er hat eine Wahnsinns-Technik, die ganz wenige springen können". Horngacher erklärte zudem, dass Raimunds spezielle und emotionale Art ihn auch schon vor Herausforderungen gestellt habe. "Ich habe auch lernen müssen, mit ihm umzugehen. Aber ich kann jetzt richtig gut mit ihm", sagte er. "Wir haben auch schon ein richtiges Streitgespräch gehabt. Da hat's richtig gescheppert. Aber das war auch gut. Das war wichtig."
Mittlerweile hätten er und Raimund einen guten Draht zueinander. "Er ist ganz ein feiner Typ, ganz ein feiner Mensch", sagte Horngacher, "und ein wahnsinniger Sportler". Das soll den deutschen Springern bei Olympia noch zu weiteren Erfolgen führen. "Es sind jetzt noch drei Wettkämpfe. Vielleicht kommt ja noch was dazu", sagte Horngacher. "Aber jetzt ist das Erste mal getan und das gibt Auftrieb für die ganze Skisprung-Welt in Deutschland. Das ist wichtig."