Wieder einmal hatte Darja Varfolomeev die größte aller Drucksituationen eindrucksvoll gemeistert. Doch als sie in der Arena Carioca 1 im Olympiapark von Rio de Janeiro mit ihrer Goldmedaille um den Hals auf dem Siegerpodest stand, war auch sie auf einmal völlig ratlos. Statt der deutschen wurde die georgische Hymne eingespielt - ein Ärgernis, über das die 18-Jährige nach der erfolgreichen Titelverteidigung ihres Mehrkampftitels in der Rhythmischen Sportgymnastik etwas zerknirscht hinwegsehen konnte. "Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei einer WM passiert", sagte sie, "aber jetzt ist es sowieso nicht mehr zu ändern."
Gewiss, die Ausnahme-Gymnastin aus Fellbach-Schmiden hätte etwas anderes verdient gehabt nach ihrem abermaligen Weltklasse-Auftritt in Rio, mit dem sie sich erneut zur Königin ihrer Sportart kürte.
Varfolomeev steigert sich mit Artistik und Ausführung
Varfolomeev startete mit dem Ball und der Choreographie zur Musik von "In The Closet", einem Hit von Michael Jackson. Zuletzt hatte die 18-Jährige ihre Übungen intensiv verfeinert, einige Elemente noch schwieriger gemacht und an manchen Stellen mehr Sicherheit eingebaut. Ein stabiler Start, das war das Ziel und das gelang Varfolomeev. Der Schwierigkeitswert war 0,9 Punkte geringer als in der Qualifikation, die Ausführung und die Artistik dagegen höher als vor zwei Tagen.
Nach der überragenden Performance bisher in der brasilianischen Metropole war der Erwartungsdruck natürlich hoch, im Speziellen mit den Keulen. Nach den fantastischen Übungen in der Qualifikation setzte die Sportlerin des Jahres noch eins drauf, bekam sogar 0,5 Punkte mehr. Am Ende waren es sagenhafte 31,950 Punkte - die Tageshöchstwertung.
Darja Varfolomeev begeistert Publikum und Kampfrichterinnen
Wie immer schaute sich Varfolomeev ihre Wertungen während des gesamten Wettkampfs nicht an. Stattdessen volle Konzentration auf die dritte Übung, das Band. Damit das Sechs-Meter lange Handgerät nicht vom Winde verweht wird, wurde in der Halle grundsätzlich die Klimaanlage ausgemacht. Alle hohen Würfe meisterte sie ganz sicher, ihre Drehungen, Stände und Sprünge waren exzellent. Das Publikum im olympischen Park und die Kampfrichterinnen zeigten sich begeistert. 30,000 Punkte - damit stellte auch die dritte Übung nochmals eine Verbesserung zum Vortag dar.
FAQ zur Weltmeisterschaft Alle Infos zur WM der Rhythmischen Sportgymnastik 2025 in Rio
Ab Mittwoch kämpfen Rhythmische Sportgymnastinnen im Olympic Park von Rio de Janeiro um Medaillen. Neun Jahre nach Olympia kehrt die Sportart zurück in die brasilianische Metropole.
Jetzt nur noch die Übung mit dem Reifen, eine komplett neue Choreographie im Vergleich zu den Olympischen Spielen in Paris. Die 90 Sekunden an die neuen Wertungsvorschriften angepasst. Die Artistik wurde in den Vordergrund gerückt und da brillierte Varfolomeev, wie keine andere der 18 Gymnastinnen, in diesem WM-Mehrkampffinale. 30,100 Punkte zückten die Kampfrichterinnen.
Chance auf Einzeltitel am Sonntag
Mit insgesamt 121,900 Punkten ist Darja Varfolomeev damit die Mehrkampf-Weltmeisterin von Rio de Janeiro und natürlich auch die Top-Favoritin in allen vier Gerätefinales am Sonntag. "Ich bin froh, dass ich vier Geräte ohne Verluste absolviert habe. Darauf bin ich sehr stolz", bilanzierte Varfolomeev im Interview mit SWR Sport. In den Finals am Sonntag könnte sie wiederum Historisches schaffen und nach der WM 2023 in Valencia wieder alle fünf Einzeltitel einer Weltmeisterschaft gewinnen.
Auch die zweite deutsche Gymnastin in diesem WM-Mehrkampffinale - Anastasia Simakova - zeigte eine starke Leistung. Die 20-Jährige vom TSV Schmiden verbesserte sich in jedem einzelnen Handgerät im Vergleich zur Qualifikation und belegte am Ende Rang sechs.