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Anne Reischmann: So war es, als Schwangere den Ironman Hawaii zu absolvieren

Anne Reischmann nahm am Ironman Hawaii in der 13. Schwangerschaftswoche teil - und landete auf Platz 31. Bei SWR Sport sprach sie über die Entscheidungsfindung, "Exit-Strategien" und Sport in der Schwangerschaft.

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Von Autor/in Johann Schicklinski

Einen Ironman, sprich eine Triathlon-Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen) zu bewältigen, ist schon eine herausfordernde und extreme körperliche Leistung. Wenn man diesen Ironman auf Hawaii macht und damit am wohl renommiertesten Triathlon-Wettbewerb überhaupt teilnimmt, muss man neben den Distanzen die härtesten klimatischen Bedingungen bewältigen: Temperaturen von über 30 Grad, extrem hohe Luftfeuchtigkeit, wenig Schatten auf der Strecke, starker Wind und ein herausfordernder Wellengang beim Schwimmen im Pazifik machen den Ironman Hawaii zu einer der schwierigsten sportlichen Prüfungen überhaupt.

Anne Reischmann hat all diese Strapazen Anfang Oktober bewältigt - unter noch einmal verschärften Bedingungen. Die Profi-Triathletin aus Ravensburg absolvierte die Ironman-Weltmeisterschaft in Hawaii nämlich, als sie bereits in ihrer 13. Schwangerschaftswoche war. Und wie: Mit einer Gesamtzeit von 9:30:30 Stunden landete die 33-Jährige vom VfBLC Friedrichshafen auf Platz 31.

Anne Reischmann: "Immer wieder aufs Neue geschaut, wie es mir geht"

Ein Riesenerfolg für Reischmann, die gemeinsam mit ihrem Team vorher überlegt hatte, ob es machbar und sinnvoll ist, als Schwangere an den Start zu gehen. "Es war keine Entscheidung, die an einem Tag getroffen wurde", erzählte die Triathletin als Studiogast in der TV-Sendung SWR Sport. "Es war ein Prozess, der sich über Wochen hingestreckt hat. Wir haben immer wieder aufs Neue geschaut: Wie geht es mir? Kann ich das Training überhaupt machen? Oder mache ich gar nichts, weil ich müder bin als sonst. Schlussendlich standen wir vor der Entscheidung: Nehmen wir das Rad mit nach Hawaii oder machen wir da nur Urlaub?", so Reischmann, die sich mit ihrem Sieg beim Ironman Südafrika für die WM qualifiziert hatte.

"Auf Hawaii hatte ich dann so ein positives Gefühl"

Das Rad kam mit, denn sie habe sich in den Wochen vor Hawaii gut gefühlt, so Reichmann weiter: "Die Müdigkeit war viel geringer als normalerweise. Einen Großteil der Vorbereitung hatte ich auch schon hinter mir. Mein Fitnesszustand war also auch schon ganz gut", blickte die 33-Jährige zurück. "Auf Hawaii selbst hatte ich dann so ein positives Gefühl und so eine Sicherheit, dass es für mich richtig war zu starten. Ich habe dann gar nicht mehr gezweifelt."

Es habe aber immer auch eine "Exit-Strategie" gegeben, erklärte Reischmann weiter: "Ich habe mir zugetraut, im Wettkampf klar zu erkennen, wann es einfach genug ist, wann ich aufhören muss und wie weit ich gehen kann." Es habe auch Pläne gegeben, "wann ich auch aufhören kann. Mein Mann war etwa auf der Laufstrecke in sehr regelmäßigen Abständen mit dem Auto da", so die 33-Jährige. Sie hätte also beim abschließenden Marathon jederzeit aussteigen können, wenn nichts mehr gegangen wäre, führte sie aus.

"Ich hatte die Körperkerntemperatur immer im Blick"

Sie sei aber mit den Bedingungen gut klargekommen, meinte Reischmann: "Allgemein struggle ich nicht so sehr mit der Hitze. Ich habe schon viele Hitze-Rennen gemacht und habe das Glück, dass ich damit nicht so große Schwierigkeiten hatte. Gleichzeitig habe ich auch Maßnahmen ergriffen und hatte die Körperkerntemperatur immer im Blick. So wusste ich immer, wie hoch ich gehen kann."

Sie habe zudem ihre ganze eigenen Strategien gehabt, um mit den Strapazen umzugehen, so Reischmann weiter. "Ich habe in dem Rennen so viel kommuniziert wie sonst nie. Das zeigt, mit welcher Intensität ich da unterwegs war. Ich habe das mehr als Erlebnis oder Event gesehen. Die Wochen vorher habe ich auch nicht von einem Rennen oder einem Wettkampf gesprochen, sondern von einem Event, an dem ich gerne teilnehmen möchte."

Das alles hat geholfen und zu Reischmanns Erfolg beigetragen. Wie stolz sie auf ihre Leistung war, sah man auf Hawaii bereits bei ihrem Zieleinlauf. Dieser war eine besonders emotionale Angelegenheit - mit den Händen vorm Gesicht rang sie damals um Fassung. Direkt im Ziel erhielt sie dann ein besonderes Geschenk: einen Babystrampler.

Ravensburg

Ironman Hawaii auf Hawaii Anne Reischmann startet schwanger bei der Ironman-WM auf Hawaii und wird 31.

Kurz vor der Ironman-WM teilte Anne Reischmann mit, dass sie in der 13. Schwangerschaftswoche ist. Sie trat dennoch in Hawaii an und schaffte es ins Ziel, wo eine besondere Überraschung wartete.

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"Möchte nicht alle Schwangeren überzeugen, einen Ironman zu machen"

Im Nachgang habe sie jede Menge Zuspruch erhalten, erzählte Reischmann nun. "Wahrscheinlich waren davon 90 bis 95 Prozent positiv. Ich habe mich natürlich riesig gefreut, dass sich so viele Menschen mit uns freuen, dass wir eine Familie gründen und mich auch bestärken, auf mein Körpergefühl zu hören und darauf zu vertrauen", sagte die Triathletin, die auch zugab: "Andere Meinungen gibt es natürlich immer. Das ist ein sehr emotionales und persönliches Thema, wo auch viele Erfahrungen reinspielen, die die Leute selber gemacht haben."

Deswegen war es Reischmann wichtig zu sagen: "Ich möchte nicht alle Schwangeren davon überzeugen, einen Ironman zu machen. Um Gottes Willen. Sondern einfach, dass man seinem Körpergefühl vertrauen kann."

Anne Reischmann: "Gesa Krause hatte eine ganz arg wichtige Vorreiterrolle"

Ein Vorbild für sie sei Gesa Krause gewesen, so Reischmann weiter. Die Athletin von Silvesterlauf Trier hatte im April 2023 eine Tochter geboren - und hatte bis kurz davor und zeitnah danach Leistungssport betrieben. "Gesa oder auch andere Frauen, die das schon gemacht haben, geben einem auf jeden Fall den Mut, dass man jetzt nichts Verrücktes macht. Da hatte Gesa Krause eine ganz arg wichtige Vorreiterrolle - im Leistungssport. Da habe ich mir ganz viel abgeguckt", sagte Reischmann.

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Mittlerweile ist die Triathletin in der 18. Schwangerschaftswoche. Natürlich ist sie weiter aktiv, aber: "Ohne Trainingsplan und eher nach Lust und Laune." Spaß habe sie trotzdem, so Reischmann weiter: "Mir tut ein wenig Abstand vom Leistungssport auch irgendwie mal gut." Der dürfte in naher Zukunft noch größer werden - aber ihr großes Ziel, den Ironman auf Hawaii zu finishen, hat Anne Reischmann ja bereits erreicht.

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Johann Schicklinski