Als Daniela Maier an diesem Tag bei dem olympischen Finale im Livigno Snow Park als Erste über die Ziellinie rast, jubelt dort das ganze deutsche Team, ebenso wie die Familie und viele Freunde, die extra mit nach Italien gereist sind. Auch beim Public Viewing in Vöhrenbach-Urach (Schwarzwald-Baar-Kreis) wird es im Dorfgemeinschaftshaus richtig laut: der Olympiasieg von ihrer Dani - einfach genial!
Daniela Maier schwelgt immer noch im Freuden-Taumel
Wenn Daniela Maier sich diese Bilder von dem Rennen, die Bilder vom Public Viewing anguckt, kommen jede Menge Emotionen hoch, inklusive der Glückstränen. Denn dieser Triumph ist auch eine Belohnung - für Daniela, für ihre Familie, für das ganze Team, mit dem sie seit Beginn ihrer Skicross-Karriere eng zusammen arbeitet. "Skicross ist einfach pure Action", sagt die 30-Jährige. "Man muss so der Unbekannten auch vertrauen. Es ist riskant, aber gleichzeitig total spielerisch, eine absolute Leidenschaft von mir."
In der Saison 2013/2014 wechselt sie von den Alpinen zu den Freestylern. Sie will ein bisschen mehr Action, ein bisschen mehr Kampf auf der Piste. Nachdem sie am Ski-Internat Furtwangen das Abitur ablegt, gelingt ihr am 10. Dezember 2016 der erster Podestplatz im Weltcup - ihr Ehrgeiz ist richtig geweckt. Doch ausgerechnet beim Abschluss-Training zum Heimweltcup am Feldberg stürzt sie schwer, zieht sich eine gravierende Knieverletzung zu – nicht die einzige, sie muss ein ganze Saison komplett aussetzen.
Verletzungen ließen Daniela Maier zweifeln
Daniela Maier hatte in ihrer Karriere schon viele Verletzungen gehabt: "Ich habe zwei Knorpelschäden gehabt, einmal im rechten, einmal im linken Knie, einen Kreuzbandriss und ich habe mir die Syndesmose im Fußgelenk gerissen, den vorderen Ausläufer. Das sind so meine schweren Verletzungen und so ein paar kleine Blessuren kommen auch immer wieder dazu."
Sie habe immer wieder Phasen, in denen sie zweifelt, ob Ski-Cross überhaupt das richtige für sie ist, ob sie aufgeben soll. Doch das ganze Team um sie herum, ist immer für sie da, stellt neue Pläne auf, motiviert sie und kann sie davon überzeugen, "dass es sich lohnt weiterzumachen und die Belohnung irgendwann kommt".
Daniela Maier erfüllt sich nach Bronze auch den Gold-Traum
Die erste Belohnung: die olympische Bronze-Medaille 2022 in Peking- Allerdings mit kompliziertem Hintergrund: Daniela Maier kommt als Vierte ins Ziel, kurz darauf wird die drittplatzierte Schweizerin Smith wegen Behinderung einen Rang nach hinten geschoben. Also Bronze für Maier, doch das wird auch wieder geändert. Nach acht Monaten entscheidet der Internationale Sportgerichtshof: beide Sportlerinnen bekommen Bronze.
Die Olympischen Spiele in Mailand und Cortina liefen für Daniela Maier natürlich perfekt. "Dass ich diesen Erfolg einfahren konnte, genieße ich in vollen Zügen." Vor allem, weil Daniela Maier direkt in Livigno gemeinsam mit Trainern, Teamkollegen, Freunden und der Familie feiern kann. Besondere Dani-Plakate und spezielle Bollenhüte wurden weltweit bewundert.. "Ich bin überglücklich. Es ist schon gigantisch, dass ich Geschichte geschrieben habe. Es bedeutet nicht nur für mich unheimlich viel, sondern auch für den Ski-Cross in Deutschland."
Daniela Maier zwischen Olympia-Rummel und Alltagsstress
Ob sich die Goldmedaille auch finanziell auswirken wird, darum kümmert sich ihr Manager. Für sie selber sei am allerwichtigsten, dass Freude und Spaß an diesem Sport so bleiben, wie bisher. Immerhin hat sie sich jetzt von den 30.000 Euro Gold-Prämie der Sporthilfe ein bisschen was gegönnt: ein Business-Flug-Ticket zum Weltcup nach Canada. "In den Bergen ganz oben zu sein, ist das total befreiend. Für mich ist das wirklich ein entspannendes und befreiendes Gefühl zu sehen, wie man den ganzen Stress, den Alltagsstress einfach unten im Tal lassen kann."
Der Olympia-Rummel mit Empfängen, Einladungen und Ehrungen sei richtig schön, aber sie genieße auch einen Wander-Ausflug in ihrer Wahlheimat Marquartstein (Landkreis Traunstein). Einfach die schöne klare Luft atmen, den Vögeln zuhören und wieder einen freien Kopf bekommen. Auch, dass bis Ende März noch Weltcup-Rennen anstehen, ist ganz nach Daniela Maiers Geschmack. "Es ist ein Vorteil, weil man einfach wieder in die normale Weltcup-Routine reinkommt. Man fällt nicht in ein Loch nach Olympia, wenn man das absolute Peak hat und dann auf einmal nichts mehr da ist."
Daniela Maiers nächstes Ziel: Gesamtweltcup
Außerdem habe sie auch als Olympiasiegerin noch weitere sportliche Ziele und Träume: Noch ist sie zweite im Gesamtweltcup, da möchte sie irgendwann mal den Sprung ganz oben auf das Podest schaffen. Außerdem wäre es in der kommenden Saison einfach genial, sich auch bei der Weltmeisterschaft mit Gold schmücken zu können.