Annett Kaufmann ist spätestens seit den Olympischen Sommerspielen von Paris im letzten Jahr das Gesicht des deutschen Tischtennis-Sports. In der Weltrangliste hat die 19-Jährige momentan mit Platz 44 ihren Karrierebestwert erreicht. Begonnen hat ihre Tischtennis-Karriere in Bietigheim-Bissingen, führte über den SV Böblingen zum SV DJK Kolbermoor, für den Annett aktuell in der Bundesliga spielt. Mittelfristig steht der Gewinn einer Medaille bei den Spielen von Los Angeles 2028 ganz oben in ihrer Lebensplanung: "Ich versuche, bei LA 2028 anzugreifen," sagt Kaufmann gegenüber SWR Sport.
Annett Kaufmann ist ein "Swiftie"
Außerhalb der Turnhalle nimmt die Musik von US-Superstar Taylor Swift einen großen Raum in ihrer Freizeit ein. Letztes Jahr hat sie mit ihrer Schwester ein Konzert in München besucht. In der Turnhalle ist Kaufmann der Fixstern, nach dem sich alle ausrichten. Das Gleiche gilt auch für die Nationalmannschaft: "Die Mannschaft muss sich daran gewöhnen: Alles dreht sich um Annett, Annett, Annett. Aber das funktioniert bis jetzt ganz gut", erklärte zuletzt Bundestrainerin Tamara Boros.
Ihr Bekanntheitsgrad ist mittlerweile enorm, in der Tischtenniswelt kennt sie sowieso jeder: "Wenn ich spiele, bin ich in meinem Tunnel. Klar ist es schön, wenn kleine Kinder zu mir kommen und mich nach einem Bild fragen", so Kaufmann. Dass der Druck und die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit aber sukzessive steigen, nimmt die 19-Jährige mit dem spektakulären Spiel schon wahr: "Manchmal würde ich mir wünschen, dass ich unbekannter wäre, weil von Außen schon viel Druck kommt." Aber eigentlich könne sie mit ihrem Image schon sehr gut leben, schiebt sie selbstbewusst nach.
Annett Kaufmann nimmt kein Blatt vor den Mund
Diesen gewissen Extraschuss an Selbstbewusstsein hat ihr möglicherweise Papa Andrej mitgegeben. Der war selbst Eishockeyprofi. "Wir ähneln uns sehr, was unsere Methodiken angeht, wenn wir im Spiel sind." Ihre selbstbewusste Ausstrahlung und ihre spektakuläre Art Tischtennis zu zelebrieren, verfehlen zuweilen nicht ihre Wirkung.
In einem Playoff-Spiel Anfang diesen Jahres mit ihrem bayerischen Bundesligaklub SV DJK Kolbermoor beim TTC Eastside Berlin lieferte sie sich mit Berlins Manager Andreas Hain während eines Matches ein Wortgefecht. Der ehemalige Präsident des Deutschen Tischtennis-Bunds hatte ihr Spielverzögerung und Arroganz vorgeworfen. Die schlagfertige Linkshänderin konterte trocken: "Ruhe auf den billigen Plätzen!" Timo Boll schaffte es mit einer gehörigen Portion Demut zum Weltstar. Das ist sicher nicht der Weg, den Annette Kaufmann geht - muss ja auch nicht.