Wo sonst Motoren hochdrehen und ein lauter Lärmteppich über dem Nürburgring liegt, herrscht am Sonntag Stille. Auf dem Asphalt stehen die Teammitglieder von Juha Miettinen. Jeder Fahrer, einer nach dem anderen geht die Reihe entlang, kondoliert. Danach hält Pfarrer und Seelsorger Klaus Kohnz eine kurze Andacht und zitiert einen Post von Max Verstappen.
Der vierfache Formel-1-Weltmeister, der dieses Jahr in der Langstreckenserie mitfährt, hatte gestern geschrieben: „Motorsport ist etwas, das wir alle lieben, aber in Zeiten wie diesen werden wir daran erinnert, wie gefährlich er sein kann.“ Kohnz erinnert daran, dass "der Vorhang zwischen dem Leben hier und dem Leben in der Vollendung hauchdünn ist".
"Wenn man mit Angst fährt, sollte man es lassen"
Alex Fielenbach aus Lohmar steht vor seinem 425 PS starken Rennwagen und bittet um Verständnis, dass sich einer seiner Teamkollegen gerade eben abgewendet hat und keine Fragen beantworten wollte, "weil er den verunglückten Fahrer sehr gut kannte". Die Rennen seien immer sicherer geworden sagt Fielenbach, "aber eine 100-prozentige Sicherheit, die gibt es nicht." Die ersten Rennfahrer ziehen ihren Helm an, steigen in ihr Auto, das nächste Rennen beginnt gleich. Und der tödliche Unfall vom Samstag? Man müsse versuchen es ausblenden, ansonsten funktioniere das Ganze nicht, sagt Rennfahrer Alex Fielenbach: "Wenn man mit Angst fährt, sollte man es lassen".
Ölspur als Unfallursache
Die Aufwärmrunde zum Rennen am Sonntag läuft schon. Michael Kramp steht auf dem Dach der Boxengasse. Im Gespräch mit SWR Sport sagt der Pressesprecher des 24-Stunden-Rennens zum Unfallhergang, ein Fahrzeug sei "auf einer Ölspur ausgerutscht, insgesamt sieben Fahrzeuge waren verwickelt". Wie alle anderen verletzten Fahrer sei Miettinen im Medical Center behandelt worden, doch die Versuche, den 66-Jährigen zu reanimieren "mussten leider eingestellt werden." Es sei ein Unfall gewesen, so sagt Pressesprecher Kramp, der auf jeder Strecke passieren könne.
Kontrolle über Auto verloren Touristenfahrt auf Nürburgring: 24-Jähriger stirbt
Bei einer Touristenfahrt auf dem Nürburgring ist am Samstag ein 24-Jähriger ums Leben gekommen. Der Mann aus NRW verlor im Abschnitt Schwedenkreuz die Kontrolle über sein Auto.
Die empfindlichste Stelle bei einem Rennfahrzeug sei wie im Straßenverkehr die Seitentür, "da wo der Fahrer ist und wenn da ein Teil eindringt, eine Leitplanke eindringt, ein Fahrzeug eindringt, dann ist es da einfach besonders gefährlich". Und genau das sei gestern passiert, als sich das Fahrzeug gedreht habe und von einem anderen Fahrzeug getroffen wurde. Man habe sich direkt nach dem Unfall die Daten sehr genau angeschaut, auch die vorliegenden Filmaufnahmen. Demnach gab es "keinen außergewöhnlichen Auslöser". Die Ölspur sei es gewesen.
Moment der Stille
Als im Hintergrund die Motoren hochdrehen und sich der Lärmteppich wieder über die Rennstrecke legt, spricht Pressesprecher Kramp noch über die Andacht vor dem Rennen: "Ich glaube, das Team und auch die Menschen brauchen insgesamt ein Ventil, wenn so etwas passiert. Und das macht natürlich jeder für sich individuell. Wir haben versucht, das mit einer Schweigeminute, einen Moment zu finden, wo wirklich alle zusammenkommen können und des Toten gedenken."
Das habe tatsächlich auch wirklich gut funktioniert, "dass alles still war, alle Menschen konzentriert waren". Bevor das Rennen dann los geht sagt Kramp noch: "Ich glaube, genau darum geht es, dass man einen Moment innehält. Und da waren wir sehr froh, dass dem alle gefolgt sind."
Legendäre 24 Stunden-Rennen im Mai auf der Nordschleife
Die 24h-Nürburgring-Qualifiers dienen Rennställen und Rennfahrern als Test für das legendäre 24-Stunden-Rennen, welches vom 14.- 17. Mai 2026 stattfindet.