12. März 2026

Patricia Kopatchinskaja und Tito Muñoz

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Stand

INHALT

Konzerttermin
Programm
Kurzinfos zum Konzert
Werkeinführungstext
Künstlerbiografien
Orchesterbesetzung
Konzertvorschau
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KONZERTTERMIN

Do 12. März 2026, 20 Uhr
Freiburg, Konzerthaus

Kostenlose Einführung eine Stunde vor Konzertbeginn

PROGRAMM

Richard Wagner
(1813 – 1883)
Vorspiel und "Isoldes Liebestod"
aus dem Musikdrama "Tristan und Isolde" WWV 90
ca. 17‘

Béla Bartók
(1881 – 1945)
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 Sz 36
Andante sostenuto
Allegro giocoso
ca. 24‘

Pause

Leoš Janáček
(1854 – 1928)
Streichquartett Nr. 1 "Kreutzersonate" (Fassung für Streichorchester)
Adagio – Con moto
Con moto
Con moto – Vivace – Andante
Con moto – Adagio – Più mosso
ca. 19‘

Sergej Prokofjew
(1891 – 1953)
Auszüge aus der Ballettmusik "Romeo und Julia" op. 64
"Die Montagues und Capulets" (Zweite Suite, Nr. 1)
"Julia als junges Mädchen" (Zweite Suite, Nr. 2)
"Pater Lorenzo" (Zweite Suite, Nr. 3)
"Ein Maskenspiel" (Erste Suite, Nr. 5)
"Romeo und Julia vor dem Abschied" (Zweite Suite, Nr. 5)
"Tybalts Tod" (Erste Suite, Nr. 7)
ca. 22‘

Mitwirkende
Patricia Kopatchinskaja, Violine
SWR Symphonieorchester
Tito Muñoz, Dirigent

Live-Videostream · Donnerstag, 12. März 2026 ab 20 Uhr auf SWR.de/so
Radiosendung · Freitag, 13. März 2026 ab 20.03 Uhr in SWR Kultur
Konzerteinführungen · Lydia Jeschke

KURZINFOS ZUM KONZERT

WERKEINFÜHRUNGSTEXT

Harmonien der Sehnsucht:
Vorspiel und "Liebestod" aus Richard Wagners "Tristan und Isolde"

Tristan und Isolde – die Geschichte des tragischen Liebespaars ist uralt und in vielen Ländern Europas und des Orients bekannt. Sie faszinierte Leser und Hörer verschiedener Kulturkreise, weil sie ein universelles Thema auf den Punkt bringt: die Liebe als Elementarmacht, die sich nicht von Gesetz und Moral einschränken lässt. Richard Wagner bezog sich in seiner Adaption des Stoffs auf den um 1210 entstandenen Versroman Gottfrieds von Straßburg, doch dessen überreiche äußere Handlung reduzierte er radikal. Im Grunde geht es nur noch um das Gefühlsleben der beiden Hauptpersonen – um Sehnsucht, die unerfüllt bleibt und deshalb zur Todessehnsucht wird. Zwischen 1857 und 1859 entstanden, wurde das vollständige, etwa vier Stunden dauernde Musikdrama erst 1865 in München uraufgeführt. Das Vorspiel dagegen stellte Wagner bereits im März 1859 in Prag der Öffentlichkeit vor. Und bei einem St. Petersburger Konzert im Februar 1863 begründete er die Tradition, das Vorspiel mit der Schlussszene zu koppeln. Als Konzentrat der Oper sind die beiden Sätze in gewissem Sinne "Programmmusik" – Musik, die mit rein instrumentalen Mitteln Außermusikalisches darstellt. Und Wagner gab ihnen, wohl um sich vor Fehldeutungen seiner revolutionär neuen Klänge zu schützen, tatsächlich programmatische Erläuterungen mit auf den Weg.

Richard Wagner, 1871
Richard Wagner, 1871

So hören wir, nach seinen Worten, im Vorspiel das "unersättliche Verlangen anschwellen, von dem schüchternsten Bekenntnis, der zartesten Hingezogenheit an, durch banges Seufzen, Hoffen und Zagen, Klagen und Wünschen, Wonnen und Qualen, bis zum mächtigsten Andrang, zur gewaltsamsten Mühe, den Durchbruch zu finden, der dem grenzenlos begehrlichen Herzen den Weg in das Meer unendlicher Liebeswonne eröffne. Umsonst! Ohnmächtig sinkt das Herz zurück, um in Sehnsucht zu verschmachten." Wagners unaufgelöste Dissonanzen – unter ihnen der berühmte, harmonisch äußerst vieldeutige "Tristan-Akkord" des zweiten Takts – stellen also das Drama der beiden Liebenden dar, denen die Erfüllung im Leben versagt bleibt. Diesen Dissonanzen stehen in der Schlussszene ekstatische, jedoch harmonisch stabilere Klänge gegenüber. Wagner selbst bezeichnete den sogenannten "Liebestod" lieber als "Isoldes Verklärung". Dazu bemerkte er: "Was das Schicksal trennte, lebt nun verklärt im Tode auf; die Pforte der Vereinigung ist geöffnet. Über Tristans Leiche gewahrt die sterbende Isolde die seligste Erfüllung des glühenden Sehnens, ewige Vereinigung in ungemessenen Räumen, ohne Schranken, ohne Banden, unzertrennbar!"

Eine unglückliche Liebesgeschichte:
Béla Bartóks Violinkonzert Nr. 1

Mit unglücklichen Liebesgeschichten geht es weiter – die nächste handelt von Béla Bartók und Stefi Geyer. Der 26-jährige Komponist hatte sich bis über beide Ohren in die sieben Jahre jüngere Geigenvirtuosin verliebt und schüttete ihr in zahlreichen Briefen vom Herbst und Winter 1907/1908 sein Herz aus – das sie ihm wenig später brach, indem sie die Beziehung beendete. Diese kurze Episode wäre heute sicher vergessen, hätte Stefi nicht eines der bedeutendsten frühen Werke Bartóks inspiriert: sein erstes Violinkonzert. Stefi Geyer war schon um die Jahrhundertwende als Wunderkind durch die Konzertsäle der Welt gezogen und studierte nun bei dem berühmten Pädagogen Jenő Hubay an der Budapester Musikakademie, wo Bartók gerade eine Stelle als Klavierprofessor angetreten hatte. Er war von ihrer Schönheit, ihrer Persönlichkeit und ihrem Spiel so beeindruckt, dass er beschloss, sie in einem Konzert zu "porträtieren": Der erste Satz, so erfahren wir aus seinen Briefen, war für ihn „das musikalische Bild der idealisierten Stefi Geyer, überirdisch und innig“, der zweite eine Darstellung der "fröhlichen, geistreichen, amüsanten" Virtuosin. In beiden Sätzen spielt ein Vierton-Motiv, das Bartók als "Stefi Geyers Leitmotiv" bezeichnete, eine wichtige Rolle. Es erklingt gleich zu Beginn des ersten Satzes in der Solovioline – eine Folge aufsteigender Terzen. Auch im zweiten Satz hört man das Motiv häufig – anfangs mit vertauschten und leicht verschobenen Tönen, später auch in seiner Originalform. Möglicherweise ahnte Bartók allerdings schon, dass seine Liebe unglücklich enden würde. Darauf lassen mehrere Anspielungen auf den Beginn von Wagners "Tristan und Isolde" schließen – die deutlichste hört man im zweiten Satz nach etwa 20 Sekunden.

Béla Bartók
Béla Bartók

Leitmotiv und Tristan-Akkord – diese Elemente lassen schon erkennen, an welchen Vorbildern sich der junge Bartók orientierte. Es waren Wagner, Liszt und Richard Strauss, deren neuartige Formkonzepte und fortgeschrittene Harmonik ihm helfen sollten, den konservativen Musikgeschmack seiner Umgebung zu überwinden. Dagegen machten sich Einflüsse der Volksmusik, für die Bartók bereits schwärmte, noch kaum bemerkbar – es sei denn, man wollte eine kurze Episode gegen Ende des zweiten Satzes darunter fassen: Hier intonieren zwei Flöten ein munteres Kinderlied. Bartók vermerkte in seiner Partitur zu dieser Melodie: Jászberény, 28. Juni 1907. Das Datum markiert Stefi Geyers 19. Geburtstag, und die Geigerin erinnerte sich später, dass Bartók ihr das Lied bei einem Ausflug in das östlich von Budapest gelegene Städtchen vorgesungen hatte. Diese glückliche Zeit war für ihn allerdings bald vorbei. Schon in einem Brief vom November 1907 heißt es, ein geplanter dritter Satz müsse eigentlich eine "gleichgültige, kühle und stumme Stefi Geyer" porträtieren – es wäre eine "hassenswerte Musik" geworden, auf die Bartók letztlich verzichtete. Am 5. Februar 1908 vollendete er das Konzert, und am gleichen Tag erreichte ihn Stefis letzter Brief, mit dem sie den Kontakt abbrach. Das Manuskript des Konzerts erbat sie sich dennoch – er schickte es ihr, zusammen mit einer Gedichtzeile von Béla Balázs: "Zwei Sterne können nicht weiter voneinander entfernt sein als zwei menschliche Seelen." Stefi Geyer führte das Konzert nie auf, und auch Bartók wollte es in der vorliegenden Form nicht publizieren.

Stationen eines Eifersuchtsdramas:
Leoš Janáčeks Streichquartett Nr. 1 "Kreutzersonate"

Nur zwei von drei Streichquartetten Leoš Janáčeks sind erhalten geblieben. Dass ein Werk aus seiner Studienzeit verloren ging, lässt sich aber verschmerzen: Schließlich fand der tschechische Komponist ungewöhnlich spät zu einem eigenen Stil. Die Stücke, die ihm weltweiten Ruhm verschafften, entstanden alle erst in seinen Sechzigern und Siebzigern.

Das erste Streichquartett aus dem Jahr 1923 trägt den Titel "Kreutzersonate". Janáček bezieht sich mit dem Titel nur indirekt auf Ludwig van Beethovens bekanntes Werk für Violine und Klavier, nämlich vermittelt durch Leo Tolstois gleichnamige Erzählung. In ihr berichtet der russische Dichter von dem Grundbesitzer Posdnyschew, der sein ausschweifendes Junggesellenleben beenden will und daher heiratet. Doch schon bald schlägt die Liebe zu seiner Frau in Gleichgültigkeit und Hass um. Als sie einen jungen Geiger kennenlernt und mit ihm Beethovens leidenschaftliche "Kreutzersonate" spielt, ermordet Posdnyschew die vermeintliche Ehebrecherin. Während Tolstois Augenmerk vor allem der bohrenden Selbsterforschung des Ehemanns galt, erklärte Janáček: "Ich hatte die arme, gequälte, geschlagene, zu Tode geplagte Frau im Sinn." Ob er Tolstois Absicht überhaupt verstand, scheint fraglich, doch mitgetragen hätte er sie kaum – schließlich diente Beethovens Sonate dem puritanisch denkenden Dichter als Symbol für die verderbliche Wirkung der Musik auf die Sitten.

Leoš Janáček
Leoš Janáček

Janáček fiel jedenfalls nach der Lektüre das Werk in kürzester Zeit "Note für Note glühend in die Feder". Leider verschwieg er der Nachwelt, ob sein Quartett nur die allgemeine Stimmung der Vorlage aufnimmt, oder ob die vier Sätze Stationen des Dramas programmatisch beleuchten. Falls letzteres zutrifft, könnten die heimlichen Satzüberschriften so lauten: "Porträt der gequälten Frau" – "Begegnung der Frau mit dem Geiger" – "Krise" – "Katastrophe und Katharsis". Wie in vielen seiner reifen Werke setzt Janáček auch im ersten Streichquartett auf kleine, emotional aufgeladene Motive, die er immer neu gruppiert und miteinander verschränkt. Vor allem das eingangs gespielte Quart-Sekund-Motiv ist von großer Bedeutung; es taucht im zweiten und vierten Satz wieder auf und kann daher als Motto-Thema angesehen werden. Im dritten Satz zitiert Janáček das innige zweite Thema aus dem Kopfsatz von Beethovens "Kreutzersonate". Die verzerrte und fast schon besessene Wiederholung dieses Themas könnte bedeuten, dass wir es mit den Ohren des eifersüchtigen Gatten hören.

Triumph einer "untanzbaren" Ballettmusik:
Sergej Prokofjews "Romeo und Julia"

"Jedem das Seine: Dem einen ist es gegeben, von der Liebe Romeos und Julias zu singen, dem anderen, vom wahnsinnigen Kreischen und den komischen Kapriolen der Affen." Der russische Kritiker, der 1916 mit diesen Worten Sergej Prokofjews "Skythische Suite" verriss, konnte nicht ahnen, dass der Komponist dieses "barbarischen" Werks knapp 20 Jahre später auch Shakespeares Tragödie zur Grundlage einer Ballettmusik machen würde. Und er wäre kaum erfreut gewesen, das Ergebnis zu hören. Denn "Romeo und Julia" bietet mehr als nur zartes Liebesgesäusel, strahlt vielmehr in mancher Passage die gleiche motorische Energie aus, die auch die frühe Ballettsuite prägte. So wie ja umgekehrt die "Skythische Suite" nicht nur Dissonanzen und verquere Rhythmen, sondern ebenso ihre lyrischen Abschnitte enthielt. Beiden Werken allerdings – so sehr sich auch in der Zwischenzeit das politisch-kulturelle Umfeld gewandelt hatte – begegneten konservative Hörer mit der gleichen Abneigung. Prokofjew hatte 1918 das revolutionäre Russland verlassen und zunächst in den USA, dann in Frankreich gelebt. 1936 kehrte er nach längerem Pendeln endgültig in die Sowjetunion zurück, doch auch hier verlief seine Karriere nicht problemlos. "Romeo und Julia" etwa wurde zunächst für "untanzbar" erklärt: Die Musik, so hieß es, sei zu spärlich instrumentiert und durch den Mangel an typisch tänzerischen Stücken unattraktiv.

Sergej Prokofjew
Sergej Prokofjew

Um das 1935 fertiggestellte Ballett dennoch durchzusetzen, versuchte Prokofjew zunächst, es wenigstens aufs Konzertpodium zu bringen. Zu diesem Zweck schrieb er drei sinfonische Suiten und eine Klavierfassung. Erst nach dem großen Erfolg der Suiten konnte das Ballett 1940 doch noch in St. Petersburg aufgeführt werden – die Kritik feierte es als Triumph der sowjetischen Kunst. Die Beliebtheit des Balletts ist bis heute ungebrochen, doch mittlerweile hat es sich eingebürgert, dass Dirigenten ihre eigenen Kombinationen aus Suitensätzen erarbeiten. Die von Tito Muñoz getroffene Auswahl vermittelt einen guten Eindruck von der Schlagkraft der Themen und der Vielfalt des Ausdrucks im ganzen Werk. Sie beginnt mit der berühmtesten Melodie des Balletts: In "Die Montagues und Capulets" eröffnen die Ritter mit ihrem Tanz den Ball. Treffender als in dem weit ausgreifenden, pompös punktierten Moll-Thema ließen sich Hass und Hochmut der verfeindeten Familien wohl kaum darstellen. Es folgt ein Porträt, das die junge Julia teils von ihrer quirlig-lebenslustigen Seite zeigt, teils auch ernsthaft und nachdenklich. Wenige Striche genügen Prokofjew dagegen, um den weisen, bedächtigen Pater Lorenzo zu porträtieren. Ihm schließt sich "Ein Maskenspiel" an: Romeo, Mercutio und Benvolio, die jungen Männer der Familie Montague, erscheinen verkleidet auf dem Fest ihrer Feinde – eine halb amüsante, halb bedrohliche Szene. Den Schluss bilden zwei mehrteilig angelegte Sätze: In "Romeo und Julia vor dem Abschied" bietet Prokofjew eine ganze Serie kurzer Themen auf, die jedoch nie die melancholische Stimmung durchbrechen. Einen schroffen Kontrast dazu bildet "Tybalts Tod", ein motorisches Stück mit wichtigen Aufgaben für Blechbläser und Schlagzeug. Geschildert wird zunächst der Kampf Tybalts mit Mercutio, der mit Mercutios Tod endet, dann Romeos Rache an dem streitsüchtigen Vetter Julias und schließlich Tybalts Begräbnisprozession.

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Jürgen Ostmann • in Ludwigshafen am Rhein geboren, studierte Orchestermusik (Violoncello) in Würzburg sowie Musikwissenschaft, Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaft in Saarbrücken. Er lebt als freier Musikjournalist und Dramaturg in Köln. Neben Rundfunk- und Magazinbeiträgen verfasst er Werkkommentare für Musikfestivals, Konzerthäuser, Rundfunkanstalten, Orchester und Plattenfirmen.

KÜNSTLERBIOGRAFIEN

Patricia Kopatchinskaja, Violine

Mit einer Kombination aus Tiefe, Brillanz und Humor bringt Patricia Kopatchinskaja eine unnachahmliche Theatralik in ihre Auftritte. Ob mit einem traditionellen Violinkonzert oder einem originellen szenischen Projekt, ihr unverwechselbarer Ansatz vermittelt immer den Kern des Werks. Als Grenzgängerin stellt sie sich gerne der Herausforderung musikalischer Experimente. Sie führte zahlreiche Werke von zeitgenössischen Komponisten auf, darunter Aureliano Cattaneo, Francisco Coll, Luca Francesconi, Stefano Gervasoni, Michael Hersch, Márton Illés, György Kurtág und Esa-Pekka Salonen. Die Violinistin arbeite weltweit mit führenden Orchestern und Dirigent:innen zusammen und tritt regelmäßig bei Festivals wie dem Lucerne Festival, dem Ojai Music Festival und den Salzburger Festspielen auf. Ihre Diskografie umfasst mehr als 30 Aufnahmen, darunter viele preisgekrönte Einspielungen. Patricia Kopatchinskaja ist humanitäre Botschafterin für "terre des hommes" und wurde 2017 mit dem Schweizer "Grand Prix Musik" ausgezeichnet. Seit der Saison 2024/2025 ist sie "Artistic Partner" des SWR Symphonieorchesters, mit dem sie zahlreiche Programme realisiert. Zudem war sie "Associated Artist" des SWR Experimentalstudios und "Artist in Residence" beim Klarafestival 2025 und in der Saison 2020/2021 "Artist in Residence" beim SWR Symphonieorchester. Weitere Highlights der Saison beinhalteten eine USA-Tournee mit dem London Philharmonic Orchestra, ihre Rückkehr zur Camerata Bern, Auftritte mit den New Yorker Philharmonikern, dem Orchestre Philharmonique de Radio France, bei der Biennale von Venedig und dem Lucerne Festival. Zu Ehren von Schönbergs 150. Geburtstag hatte sie dessen Violinkonzert und Pierrot lunaire auf das Programm gesetzt; mit dem Ensemble Resonanz und Claire Chase führte sie das neue Doppelkonzert von Dai Fujikura auf.

Patricia Kopatchinskaja
Patricia Kopatchinskaja

2023/2024 war sie "Artist in Residence" am Londoner Southbank Centre, dem Wiener Konzerthaus und der Philharmonie Essen und kuratierte das Festival Golden Decade. Konventionen interessieren Patricia Kopatchinskaja nicht. Die 1977 in Chișinău, der heutigen Hauptstadt der Republik Moldau, geborene Geigerin emigrierte 1989 mit ihrer Familie nach Wien, wo sie auch ihr Musikstudium begann, das sie im Jahr 2000 am Konservatorium in Bern mit Auszeichnung abschloss. Als Solistin ist die freidenkende Musikerin und Komponistin mit den führenden Sinfonieorchestern Europas, Japans und Russlands aufgetreten, darunter die Berliner und Wiener Philharmoniker. Zudem arbeitet sie regelmäßig mit Dirigenten wie Teodor Currentzis, Kirill Petrenko und Sir Simon Rattle zusammen. Außerdem pflegt sie die Zusammenarbeit mit Originalklangensembles und leitet bei ihren Soloauftritten immer wieder auch selbst das Orchester. Seit September 2018 ist sie die künstlerische Leiterin der Camerata Bern. Als "Artistic Partner" des SWr Symphonieorchesters lässt sie sich nicht bloß als international bekannte Spitzengeigerin hören, sondern wird zugleich mit eigenen Formaten als kreativer Kopf und ungewöhnliche Programmmacherin ein aktiver Teil der künstlerischen Planungen des SWR Symphonieorchesters sein. Besonders am Herzen liegen ihr künstlerische Ideen mit engen Bezügen zum Hier und Jetzt unserer Welt. "Mit den Musikerinnen und Musikern des SWR Symphonieorchesters möchte ich gerne neue Räume, seelische Zustände kennenlernen und dabei Fragen aufwerfen – auf eine spielerische, nachdenkliche wie experimentelle Art. Ich kenne sie alle schon seit Langem und weiß, dass sie mit offenen Augen, Ohren und Herzen im besten Sinne neugierig sind", sagt Patricia Kopatchinskaja zu dieser neu aufgelegten künstlerischen Partnerschaft. Mehrere Konzertformate hat sie im Rahmen dieser Partnerschaft bereits programmatisch gestaltet und als Geigerin zur Aufführung gebracht. Im November 2025 war sie in Freiburg und Stuttgart mit dem Programm "Schuberts Tod und das Mädchen" zu hören, in dem sie Schuberts berühmtes Streichquartett "Der Tod und das Mädchen" mit ihren eignen Kompositionen "Danses macabres" und "Der Ursprung der Welt" kombiniert hat. In den Abonnementkonzerten im Februar 2025 war sie mit Dmitrij Schostakowitschs erstem Violinkonzert und György Ligetis "Mysteries of the Macabre" zu erleben – zwei hochexpressive, doppelbödige Werke voll abgründigen Humors, die sie auf völlig eigene Weise interpretiert hat. Für die Reihe "Linie 2" hatte Patricia Kopatchinskaja bereits im November 2024 ein Projekt mit dem Titel "Im Namen des Friedens" entworfen, in dem die traditionellen Grenzen zwischen Bühne und Publikum verschwanden und das Konzert zu einer klingend inszenierten Realität wurde. Orchestermusiker, Sänger, das SWR Experimentalstudio, ein Pianist, die Künstlerin selbst – zusammen haben sie mit einem Kaleidoskop aus barocker und moderner Musik eine zutiefst berührende, menschliche Geschichte erzählt. Der Mitschnitt von "Im Namen des Friedens" steht kostenlos in der Mediathek von "arte Concert" online bereit zum Nachhören und -schauen.

Tito Muñoz, Dirigent

Tito Muñoz gilt international als einer der begabtesten Dirigenten seiner Generation und wird für seine Vielseitigkeit, technische Brillanz und sein tiefes musikalisches Verständnis anerkannt. Nach seiner zehnjährigen Amtszeit als "Virginia G. Piper Music Director" des Phoenix Symphony Orchestra, die in der Saison 2023/2024 endete, setzt er seine Verbindung zum Orchester als Künstlerischer Partner fort. In der Saison 2025/2026 übernahm er zudem die Position des Interims-Chefdirigenten am Cleveland Institute of Music und wird dort als Gastdozent im Bereich Orchesterstudien tätig sein. Zuvor war Tito Muñoz Musikdirektor der Opéra National de Lorraine in Frankreich und bekleidete davor Positionen als Assistenzdirigent beim Cleveland Orchestra, dem Cincinnati Symphony Orchestra und dem Aspen Music Festival. Er trat bereits mit vielen führenden Orchestern Nordamerikas auf, darunter die Orchester von Atlanta, Baltimore, Cincinnati, Cleveland, Dallas, Detroit, Houston, Indianapolis, Milwaukee, Minnesota, New York und Utah sowie das Saint Paul Chamber Orchestra, das National Symphony Orchestra und das Orchestra of St. Luke’s. Mit letzterem gab er im Februar 2024 sein Debüt in der Carnegie Hall in einer ausverkauften Aufführung von Orffs "Carmina Burana". Tito Muñoz ist international ein gefragter Dirigent und arbeitete unter anderem mit dem hr-Sinfonieorchester, dem SWR Symphonieorchester, der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, dem Mahler Chamber Orchestra, dem Orchestre National d’Île de France, dem Lucerne Festival Contemporary Orchestra, dem Lausanner Kammerorchester, dem Orchestre Philharmonique de Strasbourg, dem BBC Symphony Orchestra, dem BBC Scottish Symphony Orchestra, dem Royal Philharmonic Orchestra, dem Ulster Orchestra, dem Dänischen Nationalen Kammerorchester, der Luxemburger Philharmonie, dem Orchestra of the Music Makers Singapore, der Auckland Philharmonia, dem Sydney Symphony Orchestra, dem Adelaide Symphony Orchestra, dem São Paulo State Symphony Orchestra, dem Opéra Orchester National Montpellier, der Opéra de Montpellier und der Opéra de Rennes zusammen.

Tito Munoz
Tito Munoz

Die Saison 2025/2026 umfasst Debüts beim New Jersey Symphony Orchestra, Nashville Symphony Orchestra, Antwerpener Symphoniker, der Jenaer Philharmonie, den Nürnberger Symphonikern und der Komischen Oper Berlin sowie Rückkehrer zum SWR Symphonieorchester und den New Yorker Philharmonikern. Als engagierter Förderer zeitgenössischer Musik setzt sich Tito Muñoz mit Kompositionsaufträgen, Uraufführungen und Einspielungen für Komponisten unserer Zeit ein. Er dirigierte bedeutende Uraufführungen von Werken von Christopher Cerrone, Kenneth Fuchs, Dai Fujikura, Michael Hersch, Adam Schönberg, Mauricio Sotelo und Francisco Coll. Seine enge Zusammenarbeit mit Hersch umfasste die Weltpremieren von "On the Threshold of Winter", des Violinkonzerts mit Patricia Kopatchinskaja und dem Saint Paul Chamber Orchestra, "I hope we get a chance to visit soon", "the script of storms" und "And We, each". Im März 2025 dirigierte Tito das American Composers Orchestra bei Uraufführungen von Werken von Tomàs Peire Serrate, Clarice Assad und Edmar Castañeda in der Carnegie Hall und erhielt begeisterte Kritiken. Als leidenschaftlicher Pädagoge ist Tito Muñoz regelmäßiger Gast an vielen der führenden Bildungseinrichtungen, Sommerfestivals und Jugendorchester Nordamerikas. Er dirigierte Konzerte an der Eastman School of Music, beim Aspen Music Festival, am Boston University Tanglewood Institute, am Cleveland Institute of Music, an der Indiana University, beim Kent/Blossom Music Festival, an der Music Academy of the West, am New England Conservatory, mit der New World Symphony, am Oberlin Conservatory, am Royal Conservatory of Music (Toronto), an der University of Texas in Austin und mit dem National Repertory Orchestra sowie eine Tournee durch neun Städte mit dem St. Olaf College Orchestra. Geboren in Queens, New York, begann Tito Muñoz seine musikalische Ausbildung als Geiger. Später studierte er an der LaGuardia High School of the Performing Arts, im Music Advancement Program der Juilliard School und an der Pre-College Division der Manhattan School of Music. Er setzte sein Violinstudium bei Daniel Phillips am Queens College fort, bevor er sich dem Dirigieren zuwandte und an der American Academy of Conducting in Aspen mit David Zinman und Murry Sidlin zusammenarbeitete. Er gewann 2005 den Robert J. Harth Conductor Prize und 2006 den Aspen Conducting Prize des Aspen Music Festivals. 2007 war er Assistenzdirigent des Festivals und kehrte später als Gastdirigent dorthin zurück. Tito Muñoz gab 2006 sein professionelles Dirigierdebüt mit dem National Symphony Orchestra im Kennedy Center, wohin ihn Leonard Slatkin als Teilnehmer des National Conducting Institute eingeladen hatte. Im selben Jahr debütierte er beim Blossom Music Festival mit dem Cleveland Orchestra. 2009 erhielt er das Mendelssohn-Stipendium, das von Kurt Masur und der Felix Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung in Leipzig gestiftet wurde, und gewann 2010 einen Preis beim Internationalen Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti in Frankfurt am Main.

SWR Symphonieorchester

Das SWR Symphonieorchester hat in der Liederhalle Stuttgart und im Konzerthaus Freiburg sein künstlerisches Zuhause. Im September 2016 aus der Zusammenführung des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR und des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg hervorgegangen, zählen Interpretationsansätze aus der historisch informierten Aufführungspraxis, das klassisch-romantische Kernrepertoire sowie Musik der Gegenwart gleichermaßen zu seinem künstlerischen Profil. Seit September 2025 ist François-Xavier Roth Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des SWR Symphonieorchesters. Er folgt damit auf Teodor Currentzis, der von 2018 bis 2024 an der Spitze des Orchesters stand. Zu den jährlichen Fixpunkten im Konzertkalender des SWR Symphonieorchesters zählen die SWR eigenen Konzertreihen in Stuttgart, Freiburg und Mannheim sowie Auftritte bei den Donaueschinger Musiktagen und den Schwetzinger SWR Festspielen. Seit 2020 ist das SWR Symphonieorchester das Residenzorchester der Pfingstfestspiele im Festspielhaus Baden-Baden.

Keine freien Plätze im Freiburger Konzerthaus
Das SWR Symphonieorchester im Freiburger Konzerthaus

Einladungen führen das Orchester regelmäßig zu den Salzburger Festspielen, in die Elbphilharmonie Hamburg, nach Berlin, Köln, Frankfurt, Dortmund, Essen, Wien, Edinburgh, London, Barcelona, Madrid und Warschau. International gefragte Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Peter Eötvös, Christoph Eschenbach, Pablo Heras-Casado, Manfred Honeck, Jakub Hrůša, Eliahu Inbal, Ingo Metzmacher, Kent Nagano, Sir Roger Norrington, Jonathan Nott, Andrés Orozco-Estrada, Petr Popelka, Michael Sanderling und Giedrė Šlekytė haben mit dem SWR Symphonieorchester zusammengearbeitet. Unter den hochkarätigen Solisten finden sich Leif Ove Andsnes, Yulianna Avdeeva, Renaud Capuçon, Sol Gabetta, Martin Grubinger, Isabelle Faust, Vilde Frang, Hilary Hahn, Janine Jansen, Alexandre Kantorow, Sabine Meyer, Emmanuel Pahud, Fazil Say, Gil Shaham, Antoine Tamestit und Christian Tetzlaff. Seit September 2024 steht die Geigerin Patricia Kopatchinskaja dem SWR Symphonieorchester als Artistic Partner für zwei Spielzeiten zur Seite. Mit seinem umfangreichen Musikvermittlungsangebot erreicht das Orchester jährlich etwa 15.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Sendegebiet des SWR. Zahlreiche Live-Übertragungen auf SWR Kultur und Konzertstreams auf SWR.de/so ermöglichen vielen Musikfreunden in der ganzen Welt, an den Konzerten des Symphonieorchesters teilzuhaben. Seit 2024 ist das SWR Symphonieorchester offizieller Partner von "La Maestra", dem international bedeutendsten Wettbewerb für Nachwuchsdirigentinnen.

ORCHESTERBESETZUNG

KONZERTVORSCHAU

Freiburg

SWR Symphonieorchester | Freiburg Eva Ollikainen dirigiert Werke von Sibelius und Bruckner

Werke von Jean Sibelius und Anton Bruckner. Mit Inmo Yang (Violine) und dem SWR Symphonieorchester unter der Leitung von Eva Ollikainen

Alle weiteren Konzerte finden Sie auch in unserem Konzertkalender.

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Sonstige Informationen
Wir weisen freundlich darauf hin, dass unautorisierte Bild- und Tonaufnahmen jeglicher Art bei dieser Veranstaltung untersagt sind.

Impressum
Sabrina Haane, Gesamtleitung SWR Symphonieorchester
Séverine Peter, Künstlerische Planung (interimistisch)
Tabea Dupree, Redaktion SWR Kultur
Henrik Hoffmann, Redaktion Programmheft
Matthias Claudi, Leitung Kommunikation SWR Ensembles und Festivals
Sämtliche Texte sind Originalbeiträge für dieses Programmheft.