Russia

Mit "America" war die erste, verschiedenen Ländern zugedachte CD des Vokalensembles betitelt. Was liegt näher, als auf Amerika Russland folgen zu lassen. Mit Kompositionen von Glinka bis Gubaidulina macht "Russia" die Tradition orthodoxer Kirchenmusik auf vielfältige und klangprächtige Weise hörbar.

Teilen

Stand

Die Besonderheiten russischer Chorkompositionen stechen sofort ins Auge: Da erst in den 1880er Jahren eine Druckerlaubnis für geistliche Musik vorlag, entwickelte sich Moskau zu einem Zentrum des Chorgesangs, und zahlreiche Komponisten konnten mit ihren Werken auch international Erfolge feiern.

Die CD bietet eine breite Palette russischer Komponisten, die in der Tradition orthodoxer Kirchenmusik komponierten. Sie reicht von Michail Glinka, Peter Tschaikowsky, Sergej Tanejew und Sergej Rachmaninoff bis zu Alfred Schnittke und Sofia Gubaidulina, von romantisch-expressiven Vertonungen bis zu den expressiven Klängen der beiden neueren Komponisten.

Titel-Liste

Drei geistliche Gesänge (Alfred Schnittke)
» Reinhören

O Theodokos, immer wachend im Gebet (Sergej Rachmaninow)
» Reinhören

Hommage an Marina Zwetajewa (Sofia Gubaidulina)
» Reinhören

Aus: Chöre nach Jakov Polonski op. 27 (Sergej Tanejew)
» Reinhören

Cherubim-Hymnus (Michail Glinka)
» Reinhören

Cherubim-Hymnus (Peter Tschaikowsky)
» Reinhören

Die russische Kirchenmusik kennt von jeher auch mehrstimmige Chormusik; anders als die katholische Kirche aber hat die Orthodoxie Instrumentalbegleitung oder gar reine Instrumentalmusik bis auf den heutigen Tag aus ihren Kirchen verbannt. Stilistisch beharrte sie auf einem Reinheitsideal, das in einer Edition russisch-orthodoxer Kirchengesänge, herausgegeben von Dmitry Bortnjansky (1751-1825), verkörpert war und bis ins späte 19. Jahrhundert verbindlich blieb. Deshalb schrieben Komponisten von Rang im 19. Jahrhundert kaum Kirchenmusik.

Das änderte sich erst, als der Verleger Peter Jürgenson die Druckerlaubnis geistlicher Musik gegen die orthodoxe Kirche vor Gericht erkämpfte, diesen Rechtsstreit 1880 gewann und damit den Weg frei machte für neue geistliche Kompositionen. Hinzu kommen die Aktivitäten der Moskauer Synodalschule, die seit den 1880er Jahren neu aufblühte und sich zu einem Zentrum des Chorgesangs, der wissenschaftlichen Erforschung der alten Kirchenmusik und der Erstellung praktischer Ausgaben entwickelte. Aus ihr gingen zahlreiche Komponisten hervor, unter ihnen Alexander Kastalsky, Nikolaj Tscherepnin, Pavel Tschesnokow, Alexander Gretschaninow, mit deren Werken der Synodalchor auch international Erfolge feierte. Die Oktoberrevolution setzte der Glanzzeit der Synodalschule ein jähes Ende.

[Aus dem Programmheft, von Dorothea Redepenning]

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR