1965 – Meilensteine

Otis Redding – "Otis Blue/Otis Redding Sings Soul"

"Otis Blue/Otis Redding Sings Soul" (1965) ist das dritte Studioalbum des amerikanischen Soulsängers Otis Redding. Es besteht hauptsächlich aus Coverversionen zeitgenössischer R&B-Hits und hat bis heute einen festen Platz unter den wichtigsten Alben der Musikgeschichte.

Teilen

Stand

"Otis Blue/Otis Redding Sings Soul" entstand an einem Tag

"Otis Blue/Otis Redding Sings Soul" erschien am 15. September 1965 und verkaufte sich mehr als 250.000 Mal. Entstanden ist das Album in den legendären Stax-Studios in Memphis – und das in gerade einmal 24 Stunden.

Das Indie-Label Stax Records war neben Motown Records eines der wichtigsten Labels für Soulmusik und prägte den typischen "Memphis-Soul". Die Stax-Hausband Booker T. & The MG's war auch maßgeblich an der Produktion von "Otis Blue" beteiligt.

Das Album und die Bürgerrechtsbewegung

In einigen Songs des Albums zeigt sich ein deutlicher Bezug zur amerikanischen Bürgerrechtsbewegung Mitte der 1960er Jahre. Ein Beispiel dafür ist der Song "Ole Man Trouble", in dem Otis Redding musikalische Brücken schlägt. Er verknüpft Elemente des als "weiß" wahrgenommenen Country mit den afroamerikanischen Traditionen der Soul- und Bluesmusik.

Gerade in den Jahren des Höhepunkts der Bürgerrechtsbewegung war diese musikalische Verbindung mehr als ein Stilmittel. Sie wurde zur künstlerischen Aussage gegen Trennung und Ausgrenzung.

Otis Redding beim "Monterey Pop"-Festival in Kalifornien, USA im Juni 1967 | Otis Redding – "Otis BlueOtis Redding Sings Soul"
Otis Redding im Juni 1967 beim "Monterey Pop"-Festival in Kalifornien, USA. picture alliance / ASSOCIATED PRESS | BRUCE FLEMING

"Change Gonna Come" wird zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung

Ein weiterer Song, der in diesem Zusammenhang genannt werden muss, ist "Change Gonna Come". Dabei handelt es sich um eine Coverversion des Songs "A Change Is Gonna Come" von Sam Cooke. Cooke, ein wichtiges Vorbild für Redding, hatte den Song nach einer eigenen rassistischen Erfahrung geschrieben.

Zusätzlich zum Schreiben inspiriert wurde er, als er Bob Dylans "Blowin' In The Wind" hörte – ein Moment, der ihn dazu brachte, selbst ein Lied über die Ungerechtigkeiten gegenüber Afroamerikanern zu verfassen, diesmal aber aus der Sicht eines schwarzen Musikers.

Während Dylan der Dichter ist, (...) der, der was vorträgt, ist Otis oder auch Sam Cook (...) der Prediger. Das ist der, der es lebt.

Nach Cookes frühem Tod im Jahr 1964 führte Otis Redding dieses Erbe weiter. Er kürzte den Titel zu "Change Gonna Come" und machte den Song endgültig zu einer Hymne der Bürgerrechtsbewegung, die heute sozusagen als amerikanisches Kulturerbe gilt.

A Change Is Gonna Come (2008 Remaster)

Die Stimme von Otis Redding war voller Emotionen

Otis Redding hatte die ganz besondere Gabe, mit seiner Stimme pure Emotion zu transportieren und sein Publikum vom ersten Ton an in den Bann zu ziehen. Genau das ist es, was Soulmusik so besonders macht. Anders als im Blues, der oft von Schmerz und Leid geprägt ist, schwingt im Soul stets eine Spur Hoffnung mit.

Unser Meilensteine-Gast Rolf Stahlhofen, selbst Sänger und früheres Mitglied der Söhne Mannheims, weiß, wie dieser Effekt entsteht: Man darf nicht nachdenken, sondern muss ganz im Moment sein. Und man muss das fühlen, was man singen möchte.

Das ist, wenn du das Gehirn ausschaltest. Wenn du nicht denkst, sondern nur bist.

Auch Weggefährten beschrieben Redding immer wieder als einen herzensguten, positiven und mitreißenden Menschen, der seine Leidenschaft für die Musik in jeder Note spürbar machte.

Otis Redding, Aretha Franklin und die Rolling Stones

Die Songs "Respect" und "Satisfaction" kennen wir nicht nur von Otis Redding, sondern auch von anderen berühmten Musikerinnen und Musikern. Aretha Franklin machte 1967 aus Reddings "Respect" eine Hymne für Emanzipation und Bürgerrechte, während Otis Redding selbst den bekannten Song "(I Can't Get No) Satisfaction" von den Rolling Stones in eine mitreißende Soul- und R&B-Version verwandelte. Mehr darüber erfahrt ihr in dieser Episode der Meilensteine.

Shownotes

Über diese Songs vom Album "Otis Blue/Otis Redding Sings Soul" sprechen wir im Podcast

  • (16:12) – "Ole Man Trouble"
  • (23:42) – "Respect"
  • (32:23) – "Change Gonna Come"
  • (49:15) – "I've Been Loving You Too Long"
  • (54:58) – "Satisfaction"

Über diese Songs sprechen wir außerdem im Podcast

  • (07:40) – "These Arms Of Mine" von Otis Redding
  • (10:50) – "Green Onion" von Booker T. & The MG's
  • (11:33) – "In The Midnight Hour" von Booker T. & The MG's
  • (12:39) – "My Girl" von The Temptations
  • (17:06) – "(Sittin' On) The Dock Of The Bay" von Otis Redding
  • (19:33) – "King Of The Road" von Roger Miller
  • (23:42) – "Respect" von Aretha Franklin
  • (29:53) – "A Change Is Gonna Come" von Sam Cooke
  • (39:09) – "Blowin' In The Wind" von Bob Dylan
  • (43:43) – "Wenn Dir die Liebe fehlt" von Rolf Stahlhofen
  • (48:33) – "Mr. Pitiful" von Otis Redding
  • (53:48) – "I've Been Loving You Too Long" von den Rolling Stones
  • (59:30) – "Thirty Days" von Chuck Berry

Meilensteine Doku – 50 Jahre Loreley Flirt mit den Red Hot Chili Peppers

Diese Folge blickt zurück auf die großen "Rockpalast"-Jahre mit Künstlern, die die Loreley zu einer internationalen Bühne machten. Darunter auch die Red Hot Chili Peppers.

Meilensteine Doku – 50 Jahre Loreley Deutschrock und Heimatgefühle

Künstler wie BAP, Peter Maffay, Udo Lindenberg und Die Fantastischen Vier prägen eine neue Generation von Konzerten auf der Loreley.

Meilensteine Doku – 50 Jahre Loreley Der Fels rockt – Dire Straits

In den 80er-Jahren wächst die Loreley zu einer Größe der internationalen Rockszene heran. Mit John Illsley von Dire Straits reisen wir in eine Zeit musikalischer Veränderungen.

Erstmals publiziert am
Stand
Moderator/in
Frank König
Frank König
Redakteur/in
Katharina Heinius
Gespräch mit
Rolf Stahlhofen, Musiker
Onlinefassung
Anna Brautmeier