Weihnachten ist nicht nur das Fest der Liebe, es ist auch das Fest der Geschenke. Kinder können deshalb kaum erwarten, dass das Christkind kommt, die Erwachsenen wiederum können kaum erwarten, dass nach dem ganzen Vorbereitungsstress endlich Ruhe einkehrt. Und so ist Weihnachten eben auch ein Fest des ungeduldigen Wartens. Zu dumm, dass Zeit gerade dann besonders langsam vergeht, wenn man wartet. Mark Kleber findet aber, dass Warten völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf hat und versucht es mal mit einem Plädoyer für die Wartezeit.
Ich verstehe jeden, der Wartezeit eine harte Zeit findet. Niemand käme je auf einen Liedtext wie "Süßer die Uhren nie ticken als in der Weihnachtszeit". Oder? Tja, warten hat eben einen echt schlechten Ruf. Warten, das verbindet man mit Wartezimmer, Warteschlange, Warteschleife. Alles Dinge, bei denen man sich mit jeder Sekunde fragt: Wie lange denn noch?
Warten ist so etwas wie der kleine Bruder von Stillstand. Und Stillstand mag keiner. Da tut sich nichts, ist langweilig, pure Zeitverschwendung. Aber genau das ist der Punkt. Ich meine: Jede Zeit, die ich verbringe, ist doch erst mal meine Zeit. Und ich habe nicht so viel davon, dass ich sie verschwenden könnte.
Gut, als kleiner Junge hatte ich noch alle Zeit der Welt, inzwischen habe ich das Gefühl, jedes Jahr ist kürzer als das davor. Also denke ich mir: Ich warte nicht, bis die Wartezeit vorbei ist. Ich nutze sie. Und wofür? Nein, möglichst nicht, um alle paar Sekunden auf mein Smartphone zu schauen, da schreibt mir dann sowieso nur jemand, dass er gerade nichts zu tun hat, weil er auf etwas wartet.
Das wirklich Nervige am Warten ist doch, dass ich es nicht in der Hand habe, sonst würde ich ja gar nicht warten. Mein Warten bestimmen immer andere. Ob Verwaltung, Lieferschwierigkeiten oder die Bahn. Wenn man nur wartet, bis das Warten vorbei ist, wird die Geduld auf eine harte Probe gestellt. Ich selbst lasse natürlich nie jemanden warten. Es sei denn, der Müll muss runtergetragen werden, dann sagt meine Frau schon mal - aber das ist eine andere Geschichte.
Zu meinen schönsten Erinnerungen gehört ein Abend, an dem ich ganz gezielt gar nicht gewartet habe. Ich habe einfach nur geschaut und gelauscht, wie es langsam dunkel wurde. Tolles Erlebnis. Und seitdem mache ich das immer mal wieder, wenn ich gerade warte. Ich schaue mich um und entdecke dann Dinge, die mir sonst entgangen wären. Zugegeben, Weihnachtsstress und Warten, das sind nicht die besten Kumpel, aber hey, manchmal kann einem das Warten auch zu Weihnachten etwas Zeit schenken. Und was könnte kostbarer sein?