Computerspielmesse "Gamescom" in Köln

Game Design Professorin: "Jedes Computerspiel hat einen Lerneffekt"

In Köln findet jährlich die "Gamescom" statt. Game Design Professorin Linda Breitlauch aus Trier erzählt im SWR1 Interview, dass mittlerweile fast alle Altergruppen "zocken".

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Stand

SWR1: Erste Job-Voraussetzung als Professorin für Game Design ist doch viel Zocken, oder?

Linda Breitlauch: Das stimmt! Ich könnte ja auch keine Literatur-Professorin sein, ohne jemals ein Buch gelesen zu haben.

SWR1: Heißt das im Prinzip: Im Studiengang Game Design spielen die Studierenden die ganze Zeit?

Breitlauch: Das gehört natürlich auch ein Stück weit zum Studium dazu. Denn man muss natürlich ein bisschen Spiel-Erfahrung haben. Aber an der Hochschule unterrichten wir das Erstellen von Computerspielen. Das heißt: Wir unterrichten alles, was zum Entwicklungsprozess für ein Computerspiel dazugehört.

Im Game Design Studium werden Brettspiele gespielt

Im ersten Semester entwickeln wir Brettspiele. Da spielen wir auch tatsächlich im Unterricht mal an einem Tag einige Brettspiele. Und dann analysieren wir sie aber auch.

SWR1: Früher gab es diese Vorurteile: Leute, die am PC spielen oder an der Konsole, sitzen den ganzen Tag im Dunkeln zu Hause. Das hat sich aber mittlerweile gewandelt …

Breitlauch: Ja, man könnte wirklich sagen: Computerspiel-Konsolen sind in den Wohnzimmern der Menschen angekommen.

Mittlerweile "zockt" jede Altersklasse

SWR1: Erstaunlich ist ja auch: Die Spiele sprechen im Prinzip mittlerweile jede Altersklasse an …

Linda Breitlauch: Das durchschnittliche Alter von Gamerinnen ist inzwischen bei 37 und 38 Jahren. Das hängt auch damit zusammen, dass die Generation, die damals angefangen hat mit den Computerspielen, langsam älter wird.

Es ist nicht mehr so wie vor ein paar Jahren. Da hieß es: Es spielen nur die Kids. Heute spielen tatsächlich auch die Senioren.

Jedes Computerspiel hat einen Lerneffekt

SWR1: Videospiele sind Zeitvertreib und für einige auch so eine Art Hobby. Aber es gibt natürlich auch Videospiele mit Lerneffekt…

Breitlauch: Ja, natürlich haben alle Spiele einen Lerneffekt. Ich muss ja erstmal lernen, wie ein Spiel gespielt wird. Die Frage ist dann nur: Kann ich den Lerneffekt auch übertragen?

SWR1: Ich sag’ mal so: Bei Mario Kart kann ich danach auch nicht besser Autofahren …

Breitlauch: Nein! In den ersten ein, zwei Stunden nach dem Spielen sogar schlechter, haben Studien gezeigt. Aber was sie durchaus lernen, ist Hand-Augen-Koordination. Das gilt für alle schnellen Actionspiele.

Schnelle Actionspiele sind gut für Chirurgen

Sollten sie zum Beispiel mal umschulen und Chirurg werden, kann ihnen das tatsächlich helfen. In vielen Studien hat man festgestellt, dass die Hand-Augen-Koordination sehr gut für Chirurgen und die Feinmotorik ist.

SWR1: Das sind die guten Seiten bei Videospielen. Aber wenn man jetzt merkt: Kinder oder der Partner hängen sehr oft und lange am PC oder am Smartphone. Ab wann ist Zocken dann kein gutes Hobby mehr? Ab wann wird es gefährlich? 

Computerspiele sind okay - in Maßen

Breitlauch: Es ist wie mit allem, was man tut. Es sollte ein gewisses Maß haben. Wenn ich Bücher lese, dann wäre es auch ganz gut, wenn ich sie irgendwann mal weglege und dann Sport mache. Man sollte sich vor allem anschauen, was gespielt wird und mit wem.

Am anderen Ende des Computers sitzen auch Menschen, verteilt in der ganzen Welt. Da entstehen soziale Gefüge. Die können auch einen gewissen Einfluss auf das Spielverhalten nehmen. Das kann mal gut sein, das kann aber auch zu viel werden. Dann sollte man sich schon zurücknehmen und vielleicht auch mal was anderes tun.

Das Interview führten Steffi Stronczyk und Michael Lueg

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