Wirtschaftsweise Monika Schnitzer

Warum das Rentenpaket falsch ist - und wir allen mehr zumuten müssen

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Von Autor/in Lissy Kaufmann ARD-Hauptstadtkorrespondentin

Das Rentenpaket soll unverändert kommen. Falsch, findet die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer. Im Interview der Woche spricht sie von Belastungen für die junge Generation. Ein Gespräch darüber, was in Sachen Rente auf uns zukommt, warum wir allen mehr zumuten müssen.

Stoppt dieses Paket! So ähnlich haben es Anfang der Woche viele namhafte Wirtschaftswissenschaftler des Landes formuliert, unter ihnen die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer. Gemeint war das umstrittene Rentenpaket, das die Bundesregierung jetzt unverändert auf den Weg bringen will.
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer bleibt bei ihrer Haltung: "Es wäre besser gewesen, das Rentenpaket zu stoppen – und das Ganze nochmal im Lichte von möglichen Reformvorschlägen zu diskutieren." Jetzt zementiere man den Anstieg der Rente für die nächsten fünf Jahre – eine Belastung für die junge Generation, die man danach wieder einfangen müsse.
Das Rentenpaket sieht vor, das Rentenniveau bis 2031 stabil zu halten. Auch danach sollen die Renten weiter steigen – und zwar mehr als bislang vorgesehen. Zu weiteren Reformen soll eine Kommission aus Politikern und Experten bis Mitte nächsten Jahres Vorschläge erarbeiten. Monika Schnitzer hält mehr Mut für nötig. Die Zeiten hätten sich geändert. "Wir müssen allen ein bisschen was zumuten. Die einen müssen ein bisschen länger arbeiten, den anderen nimmt man einen Feiertag weg, die jungen Leute werden in Zukunft Wehrpflicht haben." Das werde über kurz oder lang kommen.

Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise und Lissy Kaufmann, ARD-Hauptstadtkorrespondentin
Monika Schnitzer, Wirtschaftsweise und Lissy Kaufmann, ARD-Hauptstadtkorrespondentin

Im Interview der Woche kritisiert die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer auch die Haltung der Bundesregierung zum Verbrenner-Aus nach 2035. Bundeskanzler Friedrich Merz will die EU-Kommission darum bitten, auch nach 2035 noch Hybrid-Fahrzeuge und "hocheffiziente Verbrenner" zuzulassen. "Ich halte das nicht für den richtigen Weg", so Schnitzer. Man habe das Verbrenner-Verbot eingeführt, um eine klare Richtung vorzugeben. "Wir brauchen in Zukunft Elektromobilität, die Unternehmen sollen sich darauf einstellen, diese Autos zu produzieren. Es sollen Ladesäulen installiert werden. Dafür braucht es eine klare Ansage." Die fehle jetzt. Sie selbst wohne in München und fahre einen alten Ford, erzählt Schnitzer. Als der gekauft wurde, habe es noch keine E-Autos geben. Noch sei sie nicht umgestiegen, weil dafür ausreichend Ladesäulen fehlten. "Insofern ist es das falsche Signal, jetzt zu sagen, man rudert wieder zurück. Denn die Zukunft ist ganz klar die Elektromobilität und andere Länder sind uns da weit voraus."

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Lissy Kaufmann ARD-Hauptstadtkorrespondentin