2026 wird ein gutes Jahr, nicht, weil uns der Bundeskanzler das nahegelegt hat in seiner Neujahrsansprache, sondern, weil KI den Durchbruch in der deutschen Wirtschaft geschafft hat. Das hat der zuständige Branchenverband Bitkom erklärt. Und egal ob Spülmaschine einräumen, Rentensystem reformieren oder Stuttgart 21 noch im 21. Jahrhundert fertigbauen: Jeder weiß inzwischen, es braucht dringend mehr Intelligenz und da gilt ab diesem Jahr: Besser künstliche als gar keine!
Bei KI ist die Rede vom Durchbruch, beim Kanzler ist die Rede vom Aufbruch. Und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ist vorgeprescht, sogar noch vor Jahresfrist, mit der von seinem Parteichef geforderten Kombi aus Mut und Tatkraft. Der Mann hatte Weihnachten offenbar ein bisschen geschenkte Zeit unterm Baum und ist ins Träumen gekommen: Dem Minister schwebt ein gemeinsames Gepäck-Transfersystem von Bahn und deutschen Fluggesellschaften vor. Das ist definitiv mutig, das hat Potential, da wird jede KI neidisch.
Und der Minister ist auch selbst ganz begeistert: Eine hervorragende Idee und eine wunderbare Aufgabe sei das, die die Bahn angehen sollte, sagt nicht Chat GPT, sagt Schnieder selbst. Dem nicht KI-gesteuerten Individuum, also dem durchschnittlichen Bahnkunden dagegen stockt der Atem: Die Koffer, sagt Herr Schnieder, sozusagen in die Atempause rein, die Koffer könnten schon am Bahnhof eingecheckt und anschließend ohne Aufwand für die Passagiere zum Flughafen gebracht werden.
Die Koffer vieler Bahnkunden, die gerade über die Feiertage, den Jahreswechsel oder in den Ferien mit der Bahn gefahren sind, die Koffer waren wahrlich das geringste Problem ihrer Besitzer, angesichts von unter- oder unbesetzten Stellwerken, Umleitungen, umgekehrter Wagenreihung, verringerter Geschwindigkeit oder Schienenersatzverkehr.
Und wenn ein Zug ausfällt, ein Anschlusszug verpasst oder der Zug bei Hamm geteilt wird, braucht es vermutlich sehr viel KI, damit das richtige Gepäck an den jeweils richtigen Flughafen kommt, zur richtigen Zeit womöglich noch. Aber Patrick Schnieder kommt aus dem Träumen gar nicht mehr raus: Es sei äußerst bequem, sein Gepäck in der Stadt aufzugeben und erst am Zielort wieder in Empfang zu nehmen. Nun ja, möchte man einwenden, ohne schon zum Jahresanfang gleich destruktiv zu wirken, es wäre schon auch immens bequem, überhaupt in einem gewissen zeitlichen Rahmen am Zielort einzutreffen. So als Mensch, nicht als Koffer. Im Jahr 2026. Egal ob mit oder ohne KI.