Nur noch wenige Tage, dann ist Weihnachten – das heißt Geschenke-mäßig müsste ich da langsam aktiver werden. Aber kein Stress. Angeblich bring die ja sowie so der Weihnachtsmann. Apropos Weihnachtsmann. Dazu unsere Teenager-Tochter: Moment mal, wer sagt denn, dass das ein weißer Mann ist und dass er so alt ist und auch das mit dem Bart – das könnte ja auch ein schwarzer Mann sein und überhaupt, warum eigentlich ein Mann und so weiter. Und wie soll so ein dicker alter Mann überhaupt durch den Schornstein klettern, wo jetzt viele sowieso eine Wärmepumpe haben und dann auch noch mit einem Sack voller Geschenke? Da lässt sich schwer gegen argumentieren und sie hat ja recht.
Keiner weiß, wie der Weihnachtsmann wirklich aussieht, obwohl das christliche Weihnachtsfest in verschiedenen Gestalten und je nach Region schon seit etwa Ende des 4. Jahrhunderts nach Christi gefeiert wird. Und den Brauch mit dem Weihnachtsbaum gibt es in Deutschland vermutlich ab dem 16. Jahrhundert. Auch hier ist die Quellenlage nicht ganz eindeutig. Wir müssen uns also sehr aufs Hörensagen verlassen. Aber ich habe da so einen Verdacht, bzw. ich bin mir sogar ziemlich sicher: der Weihnachtsmann ist ein Spanier.
Seit einigen Tagen bekomme ich Nachrichten vom ihm auf mein Handy. Da nennt er sich „der Dicke“ - „El Gordo“ und verteilt kurz vor Weihnachten insgesamt 2,8 Milliarden Euro unter den Menschen. Gut, zunächst will er, dass ich einen Ablassbrief kaufe, also ein Los, bevor ich am Tanz ums Goldene Kalb teilnehmen darf. Aber die Aussicht auf die vielen Millionen erhöht die Motivation in Sachen Geschenke. Da sollte ich langsam doch noch aktiv werden.
Sie wissen ja, wir Männer neigen in der Regel dazu die Geschenke auf den letzte Drücker zu besorgen – Weihnachten kommt ja auch immer so überraschend. Aber es ist ja noch genug Zeit. Und dann lass ich`s für die ganze Familie krachen. Das Ganze wird dann über den Gordo-Gewinn refinanziert. Gut- vielleicht sollte ich erstmal gewinnen und dann Geschenke kaufen gehen. Aber dann wird`s wirklich knapp. Und außerdem: man muss ja auch nicht übertreiben mit den Geschenken.
Zumal: feiern wir ja nicht den Weihnachtsmann, sondern die Geburt von Jesus Christus. Was mich wiederum zu meinen Lieblings-Gedanken rund um wichtige christliche Termine und Bräuche bringt: Was würde Jesus zu all dem sagen? Dass die Städte zu seinen Ehren weihnachtlich erleuchtet werden, das könnte ihm vielleicht ja noch gefallen. Aber das mit den abgesägten Bäumen im Wohnzimmer? – irritiertes Kopfschütteln! Und die ganzen Pakete voll Elektroschrott und China-Plastik unter dem Baum? Noch mehr irritiertes Kopfschütteln! Was hat das alles mit mir zu tun, würde er sich vielleicht fragen. Abgesehen von dem Wahnsinn in den Fußgängerzonen.
Für viele ist auch der Einkaufsrausch mit Glücksgefühlen verbunden. Und damit wären wir wieder bei „el Gordo“ . Der Geldregen versetzt in kollektiven Freudentaumel. Sozusagen Weihnachten im Quadrat. Aber Vielleicht ist es ja auch gut so, dass man in Deutschland auf legalem Weg nicht so einfach am Gordo teilnehmen darf. Dann muss ich auch nicht so viel Geld ausgeben - dann gibt’s halt keine Luxus-Geschenke. Pfeiff auf den „Dicken“. Immerhin: Zwei, drei Tage hab ich ja noch.