Ich hab neulich in einem sozialen Medium gelesen: Menschen heute bekommen an einem einzigen Tag so viele Nachrichten wie ein Bauer im Mittelalter in seinem ganzen Leben. Das ist schon Wahnsinn, wie sich die Sache in den letzten Jahren entwickelt hat – und erst recht seit dem Mittelalter.
Top-Infos damals dürften eher praktisch gewesen sein, also zum Beispiel Achtung, die rot-weißen Pilze unbedingt vermeiden, die mit dem braunen Kopf gehen. Oder: Huhn wird deutlich leckerer, wenn man vorher die Federn rupft. Oder auch: Bald ist wieder Erntezeit. Das wird anstrengend, aber danach haben wir alle wieder was Leckeres zu essen. Vielleicht sogar: Topnews: Erde könnte eine Kugel sein, Kirche prüft aber noch.
KEINE Topthemen waren: Updates, was der Spahn wieder für Blödsinn verzapft hat, Verspätungen bei der Bahn, oder Umfragen zum Thema Weihnachtsbaum oder Geschenke. Alles einfach noch nicht erfunden, genauso wie die Sonntagsfrage. Auch schön: Keinerlei Nachrichten aus den USA. Die gab’s einfach noch nicht. Statt sich also über das Getröte von Trump zu ärgern, hätten sich die Leute wahrscheinlich gefreut, dass die Kreuzzüge jetzt vorbei sind, und vielleicht hätten sie sich auch gewundert, dass sie bis eben gar nicht wussten, dass die Kreuzzüge überhaupt losgegangen sind – und dann hätten sie sich einfach hingesetzt und sich auf die Ernte gefreut, weil das zwar immer anstrengend war, aber danach gab es immer was leckeres zu Essen.
Weniger Nachrichten bedeutet auch: Weniger Aufregung, weniger Stress – und für die jüngeren von uns: Weniger FOMO, also weniger Fear of missing out – diese Angst, was Tolles zu verpassen, was die anderen in sozialen Medien posten. Statt FOMO gabs damals halt VADE – Vorfreude auf die Ernte und was Leckeres zu essen.
Ich glaube, zwischen den Jahren probier ich auch mal diese Mittelalter-Entschleunigung.