"Und wenn sie nicht gestorben sind, …" - Was uns an Märchen so fasziniert

Generationen von Menschen sind mit ihnen groß geworden: mit Märchen. Und noch immer faszinieren uns die Geschichten um Prinzessinnen, böse Stiefmütter, verzauberte Tiere und Hexen. Zu Ihnen zählt auch Dr. Angelika Hirsch. Sie ist die Präsidentin der Europäischen Märchengesellschaft. In Bad Kissingen findet gerade ein Kongress statt, der sich mit Märchen und dem Menschsein im Märchen beschäftigt.

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Märchen sind zeitlos, sagt Hirsch im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex. "Besonders die Märchensprache ist nach wie vor so beliebt, weil sie so poetisch ist." Kinder würden durch Märchen eigentlich ihre eigene Welt entdecken. Diese werde in dem Märchen aber überzeichnet.

Märchen sind Krisengeschichten

Märchen sind im Grunde genommen Geschichten von überstandenen Krisen. Jedes Kind erlebe auch seine Krise und höre im Märchen eine völlig überzogene Krise, folge dieser Geschichte gespannt und finde eine Lösung. Das sei es, "was wir am Ende eines Märchens immer so erleichternd empfinden."

Endlich ist diese schlimme Geschichte noch gut ausgegangen und ich bin dabei gewesen.

Sind Märchen zu brutal?

Märchen sind immer wieder in der Diskussion, wenn es um die Frage geht, ob sie zu brutal für Kinder sind. "Märchen erzählen schwarz-weiß. Sie überspitzen das Schwarze bis zum Rabenschwarzen", so Hirsch.

Deshalb ist das Böse eben besonders drastisch und die Strafen sind auch besonders drastisch.

Ein Buch mit dem Titel «Grimms Märchen», aufgenommen am 21.09.2014 im Antiquariat Lorang in Bamberg (Bayern)
Ein Buch mit dem Titel «Grimms Märchen», aufgenommen am 21.09.2014 im Antiquariat Lorang in Bamberg (Bayern) picture alliance/dpa | David Ebener

"Wir haben den Grundimpuls, dass das Böse besiegt werden muss"

Kinder würden daran aber in der Regel überhaupt keinen Anstoß nehmen. Nach ihrer Ansicht haben schon kleine Kinder die Grunderfahrung, dass in der Welt immer mal wieder etwas in Unordnung gerät. "Beim Bösen haben wir alle immer diesen Grundimpuls, dass es besiegt werden muss. Und die Märchen machen Mut, dass das auch geschehen kann", meint Hirsch.

"Und wenn sie nicht gestorben sind, ..."

Übrigens, die Formel: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute" gibt es laut der Präsidentin der Europäischen Märchengesellschaft nur in einem einzigen der Grimm-Märchen. Sie hat sich aber so verselbständigt, dass viele denken, dass sie in jedem zweiten Märchen vorkommt. Sie ist aber ein Zeichen, dass ein Märchen immer gut ausgeht.

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Erstmals publiziert am
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Das Interview führte
Ulrike Alex
Porträtfoto von Ulrike Alex
Onlinefassung
Michael Paufler