Nach den Schüssen in Stade: Suche nach Gründen für die Gewalttat

In einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade fielen zu Beginn dieser Woche Schüsse. Nun sind sechs Menschen aus dem Bereich Jugendhilfe/Jugendamt tot. SWR Aktuell-Moderatorin Marie Gediehn und Prof. Regina Rätz von der Alice-Salomon Hochschule in Berlin suchen im Gespräch nach Gründen für die Tat.

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Diese Woche begann damit, dass sechs Beschäftigte aus dem Sozialen Bereich während ihrer Dienstzeit erschossen worden sind. Mitarbeitende einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade, die sich mit Kollegen des Jugendamtes der Region Hannover getroffen hatten - zu einem Gespräch, bei dem es um das Sorgerecht gehen sollte für ein drei Monate altes Baby. In dieser Runde soll dann der Vater des Kindes eine Waffe gezogen und geschossen haben.

Sechs Menschen aus dem Bereich Jugendhilfe/Jugendamt sind seit Anfang der Woche tot. Und trotzdem sind tausende Kolleginnen und Kollegen in genau solchen Einrichtungen auch diese Woche weiter jeden Tag zur Arbeit gegangen. Wieviel Kraft kostet diese Arbeit, wie gefährlich oder zumindest belastend ist sie? Über dieses sensible Thema hat SWR Aktuell-Moderatorin Marie Gediehn mit Regina Rätz gesprochen, Professorin für Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe an der Alice-Salomon Hochschule in Berlin.

Diese Hochschule bietet Studiengänge in den Bereichen Soziale Arbeit an, und das Lehrpersonal und die Studierenden, sagt Prof. Rätz, seien erschüttert und fassungslos nach dieser Tat gewesen. Es gebe eine Million Familien in Deutschland, die solche Hilfen und solche vermittelnden Gespräche beanspruchen – etwa damit das Jugendamt eine Empfehlung an das urteilende Familiengericht aussprechen kann, mit Blick auf das Sorgerecht. Auf die Frage, was in der Kinder- und Jugendhilfe momentan am meisten fehle, sagte Prof. Rätz: „Es ist Zeit – denn diese Fälle sind hochkomplex. Und es braucht Zeit, diese mit den Beteiligten zu bearbeiten. Und wir wissen, dass Beteiligung und Verständnis für den Fall und Zeit deeskalierend wirken.“