Ob Sicherheitslücke oder Politik: Wieviel Updates brauchen wir?
„Es sind Updates verfügbar. Starten Sie den Computer neu, um die Updates zu installieren!“ Och Nöö! Echt jetzt, schon wieder? Das gefühlt zehnte Mal in diesem Monat. Und warum eigentlich immer kurz vor einer Video-Schalte oder wenn man wirklich arbeiten muss? „Ihr Rechner wird aktualisiert!“ Aktuell, schön! Um was geht’s diesmal? Schon wieder eine neue Bedrohung, ein fieser Hacker, eine gravierende Sicherheitslücke?
Der Untergang des Abendlandes passiert irgendwann deshalb, weil ein ungeduldiger Verwaltungsfachangestellter in Heidenheim an der Brenz einfach mal sein offenbar unumgängliches Update auf den nächsten Morgen verschiebt. „Ihr Computer wird mehrmals neu gestartet! Schalten Sie ihn nicht aus!“ Neustart ist immer gut, Digital und körperlich. Ich bräuchte ein Update zwischen Lendenwirbel 4 und 5 und im linken Auge ein kleines Dioptrin-Update. „Ihr Gerät ist auf dem neuesten Stand“.
Unabhängig vom Gerät war früher deutlich weniger Updateritis. Erst vor 30 Jahren wurde das Wort „Update“ in den Duden aufgenommen, vorher war das nur Fachjargon von Informatikern. Für Normalos reichte in Sachen „neuester Stand“ die Zahnreinigung alle sechs Monate und einmal zum TÜV alle zwei Jahre. Und heute? Heute ist man schon nicht mehr up to date, wenn man das Jugendwort des Jahres nicht kennt. Oder noch schlimmer, wenn man das aus dem vergangenen Jahr benutzt.
„Auf Ihrem Gerät fehlen wichtige Updates“ Wieviele Updates brauchen wir wirklich? Und wer entscheidet, wann wir ein Update brauchen? Im Zweifel die FDP! Deren neuer Motivationstrainer Wolfgang Kubicki fordert bekanntlich ein Deutschland-Update und schon robbt sich die Partei in Umfragen wieder an die Fünf-Prozent-Marke heran. „Verarbeitete Updates: 5 Prozent. Haben Sie noch etwas Geduld. Sie haben es fast geschafft!“
Andere verschätzen sich. Bundeskanzler Merz erlebt bei seinem Regierungs-Update gerade das, was jeder von uns kennt. Nämlich wenn beim Installieren der neuen Minister, äh der neuen Software, der Rechner bei der Marke 23 Prozent erst mal ein Stündchen Pause macht. „Schalten Sie den Computer nicht aus!“ Fakt ist, dass während eines Updates – und sei es auch noch so wichtig – alles andere blockiert ist. Wenn das Regierungs-Update nicht verarbeitet werden kann, fehlen z.B. Kapazitäten für das eigentlich wichtigere Renten-Update.
An dieser Stelle könnte man ins Nachdenken kommen. Denn wer etwas updaten, also auf einen neuen Stand bringen will, sollte als Grundlage einen eigenen festen Stand haben. Das gilt z.B. auch für den Chef eines handelsüblichen Fußballverbandes „Herr Infantino, die Updates konnten nicht verarbeitet werden. Das System muss neu konfiguriert werden und wird heruntergefahren."