Santorini-Beben: Region von "etwa einem Kubik-Kilometer Schmelze" bedroht

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Auf der griechischen Insel Santorini hat es in der Nacht auf Mittwoch viele Erdbeben gegeben - teilweise im Minutentakt. Inzwischen hat rund ein Drittel der rund 16.000 Bewohner die Insel verlassen, dazu Feriengäste und Saisonarbeitskräfte.

Santorini wird von einer ganzen Erdbebenserie erschüttert. Die schwerste Erschütterung gab es am Dienstag mit einem Wert von 5 auf der Richter-Skala. Diese Eruption war auch im knapp 250 Kilometer entfernten Athen zu spüren.

Gefahr ist real

Viele Menschen haben die Insel bereits verlassen. Der Leiter des Forschungsbereichs Seismologie am geophysikalischen Institut des KIT in Karlsruhe, Joachim Ritter, kann das gut nachvollziehen, "weil wir nicht wissen, wie sich diese Situation jetzt weiterentwickelt". Vor Ort auf der Insel sind Rettungskräfte und Militär im Einsatz. Das Auswärtige Amt hat inzwischen auch Reisehinweise für Santorini herausgegeben.

Seismisch aktive Region

Insgesamt sei das östliche Mittelmeer schon von schweren Katastrophen betroffen gewesen und seismisch sehr aktiv, betont KIT-Professor Ritter. Die aktuellen Beben seien tektonischer Natur und hätten mit den Vulkanen in der Gegend nichts zu tun. Ritter schaut aber mit gewisser Sorge auf den so genannten "Kolumbus-Vulkan", ein Santorini benachbarter Untersee-Vulkan.

Von dem wissen wir, dass er im Moment große Schmelzmengen beinhaltet. Man geht von etwa einem Kubik-Kilometer Schmelze aus.

Dieser Vulkan sei 1650 ausgebrochen und habe eine vermutlich ungefähr 20 Meter hohe Tsunami-Welle ausgelöst. Ob nun auf die tektonischen Beben ein Vulkanausbruch folge, sei aktuell nicht abzusehen. Da unklar sei, was in der Magma-Kammer geschehe, müsse nun über Monate hinweg die Region und ihr Untergrund beobachtet werden, so die Einschätzung des Leiters des Forschungsbereichs Seismologie am geophysikalischen Institut des KIT.