Wo genau der Haken ist, wenn ein neuer Stromanbieter 200 Euro Neukundenbonus oder ein nagelneues Tablet verspricht, wird zunächst kaum ersichtlich: "Im ersten Jahr kann man den Bonus oder das geschenkte Tablet einfach mit einrechnen", sagt Saidi Sulilatu vom Geldratgeber Finanztip in SWR Aktuell. Allerdings müsse man darauf achten, dass solche Tarife in der Regel nach dem ersten Jahr deutlich teuer werden - manchmal geschehe dies auch erst nach 24 Monaten, wenn man einen solchen Tarif über zwei Jahre abschließe.
Wenn ich in einem solchen Tarif bleibe, habe ich langfristig in vielen Fällen deutlich höhere Kosten als bei einem günstigen Tarif, der aber keinen Bonus verspricht.
Bonus-Hopping: Noch vor Ablauf des ersten Jahres kündigen
Beliebt ist die Taktik des Bonus-Hoppings, so der Finanzexperte: "Dann sollte man sich dringend einen Reminder im Kalender setzen, um typischerweise nach elf Monaten eine entsprechende Kündigung abzusetzen. Denn, ich bekomme den entsprechenden Bonus, wenn der Vertrag zwölf Monate gelaufen ist."
Danach kann man sich wieder einen neuen Stromanbieter suchen. Zumal der Stromanbieterwechsel nach Ansicht Sulilatus einer der leichtesten Wechsel ist: "Ich muss in der Regel keine Kündigungen schreiben - das übernimmt der neue Anbieter für mich." Man sollte nur die Kündigungsfrist nicht vergessen und etwas Zeit für die Suche nach einem neuen Anbieter investieren.
Finanztip warnt trotzdem - insbesondere vor Sachprämien
Dennoch rät der Chefredakteur beim Geld-Ratgeber Finanztip generell von Tarifen mit Sachprämien ab.
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Stromtarife, die Sachprämien bieten, besonders teuer sind. Letztendlich zahle ich die entsprechende Sachprämie, beispielsweise ein Tablet, über einen höheren Grundpreis ab. Das heißt, die Prämie lohnt sich schon mal grundsätzlich nicht. Und dann würde ich nach Ablauf der entsprechenden Vertragslaufzeit, sogar einen besonders teuren Tarif haben.
Wechselprämien - für Stromanbieter ein rentables Geschäft
Für die Stromanbieter lohnt sich das Geschäft mit den Wechselprämien jedenfalls: "Viele Leute lassen sich in einen vermeintlich günstigen Tarif hereinlocken und vergessen dann, ihn wieder zu wechseln. Sie bleiben dann jahrelang in dem Tarif oder wechseln gar nicht mehr." Über die höheren Grundgebühren und Preise finanzierten die Anbieter dann ihre Prämien.
Manchmal kommt es auch vor, dass man den Bonus oder die Prämie gar nicht bekommt, obwohl man ein Jahr dabei war. Wie oft das passiert und wie man sich dagegen wehren kann, sagt Saidi Sulilatu im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Petra Waldvogel.