World Ranger Day: Wie sieht die Arbeit als Rangerin aus?

Der „World Ranger Day“ ist jedes Jahr am 31. Juli – und wird überall dort gefeiert, wo es Ranger gibt: In den Nationalparks, von denen es 16 in Deutschland gibt. Im Südwesten sind das zum Beispiel der Nationalpark Schwarzwald oder der Nationalpark Hunsrück-Hochwald, der sich über weite Teile in Rheinland-Pfalz und das Saarland ausbreitet. Kenner und Hüter dieser Nationalparks sind die Ranger. Sie sind für den Schutz der Natur genauso verantwortlich sind wie für die Besucher. Über den Beruf und schönen und weniger schönen Seiten hat SWR-Aktuell-Moderatorin Petra Waldvogel mit Verena Sauerbrei gesprochen. Sie ist Rangerin im Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

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SWR Aktuell: World Ranger Day, was bedeutet Ihnen dieser Tag heute?

Verena Sauerbrei: Für uns ist das ein sehr, sehr wichtiger Tag, denn wir fühlen uns als weltweite Familie mit Ranger-Kollegen. Überall auf der Welt finden Veranstaltungen statt, um auf die Situation der Ranger in den Parks aufmerksam zu machen. Und da wir ein globales Netzwerk aufgebaut haben, über verschiedene Verbände, Dachverbände und Vereine, fühlt man sich den Kollegen überall verbunden. Und der World Ranger Day ist der Tag, an dem wir aufmerksam machen wollen auf die Situation der Ranger.

SWR Aktuell: Irgendwie stellt man sich den Beruf ja total romantisch vor: Immer in der Natur, Tiere sehen, die unsereins nie zu Gesicht kriegt. Klar, dass es so nicht immer und nur ist. Was macht denn ein Ranger so den ganzen Tag? Was sind ihre Aufgaben?

Sauerbrei:Das ist eine super Frage. Wir sind nämlich sehr, sehr breit aufgestellt. Sie können sich vorstellen, dass ein Ranger in dem jeweiligen Schutzgebiet natürlich Forschung unterstützt, aber auch das Monitoring – also schauen, wie die Entwicklung in den Gebieten ist. Wir sind aber natürlich auch diejenigen, die die Wege pflegen, Bänke, Schilder, Schutzhütten instandhalten. Ganz wichtig ist die Funktion als Ansprechpartner in der Fläche. Wir müssen Besucher informieren, beraten über Wanderwege, erzählen spannende Dinge über Sachen, die der Besucher vielleicht ohne uns gar nicht entdecken würde. Das ist ein so bunter Haufen an verschiedenen Sachen, die man da arbeitet, dass es einfach nie langweilig wird.

SWR Aktuell: Und immer im Wald oder nur ausnahmsweise oder müssen sie auch Bürokram erledigen?

Sauerbrei:Das ist wie in jedem Job: Wir haben auch Büroarbeit, und verwalten muss man die Dinge natürlich auch. Stellen Sie sich vor, Sie waren in der Nacht draußen, haben Eulen gezählt, kommen ins Büro. Das muss dokumentiert werden, das nutzt ja nichts, wenn Sie wissen, dass die Eulen da sind. Wir möchten ja auch in zehn Jahren wissen, sind die Eulen immer noch da, wann wurden die das erste Mal gesehen oder sind die vielleicht weniger geworden, oder mehr. Dokumentieren und aufarbeiten und Büroarbeit, ja, das muss dann auch schon sein.

SWR Aktuell: Aber in der Nacht allein im Wald, auch wenn die Eulen an sich harmlos sind, aber ist es nicht auch ein bisschen gruselig oder beängstigend?

Sauerbrei:Ich grusele mich tatsächlich nicht. Es ist natürlich schöner, wenn man zu zweit geht. Stellen Sie sich vor, wenn ich alleine gehe, dann melde ich mich aber auch immer telefonisch bei Kollegen ab, dass ich loslaufe und melde mich, wenn ich sicher wieder zurück bin, damit die mich suchen können, falls etwas wäre – aber Angst hatte ich noch nie.

SWR Aktuell: Der Beruf des Rangers oder der Rangerin ist sehr vielseitig. Gibt es eine eigene Ausbildung dafür oder kann man irgendwas gelernt haben, und den Rest muss man sich aneignen?

Sauerbrei:Das ist tatsächlich sogar deutschlandweit sehr unterschiedlich. Je nach Schutzgebiet werden halt Spezialisten gesucht. Für uns in Rheinland-Pfalz ist ein „grüner“ Beruf die Grundlage mit Berufserfahrung. Bei mir war das der Forstwirt, da habe ich eine Ausbildung gemacht. Und als Ranger wird man weiterqualifiziert zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger. Und dann sollte das Schutzgebiet Sie noch einstellen und dann können Sie sagen: „Ich bin Ranger.“

SWR Aktuell: Und das ist ein ganz toller Job, haben Sie schon gesagt. Was vor allem gefällt Ihnen daran am besten?

Sauerbrei: Die Vielfältigkeit macht es aus. Ich habe mich ein bisschen spezialisiert auf Umweltbildung. Ich bin sehr gerne mit Kindern in der Natur unterwegs, vorrangig mit unserer Junior-Ranger-Gruppe. Aber auch in diesen Wochen laufen Ferienangebote, wir betreuen Schulklassen. Überhaupt ist der Kontakt mit den Gästen oft so wertvoll und schön, die Begegnungen im Wald, die man da hat. Aber ich bin auch jemand, der dann saisonweise gerne mal früh im Wald ist, bei Sonnenaufgang, nach Spechten guckt, nach seltenen Pflanzen sucht. Und ich kann mich da immer wieder neu begeistern, egal welche Jahreszeit und egal welches Wetter.

SWR Aktuell: Ich glaube, das muss man auch, sonst kann man das gar nicht gut machen. Jetzt könnte ich mir aber auch vorstellen, dass der Umgang mit den Besuchern nicht immer einfach ist. Gibt es so ein paar Standardprobleme, die eigentlich am häufigsten vorkommen?

Sauerbrei:Das sind ganz, ganz klassische Probleme, mit denen wirklich alle Schutzgebiete kämpfen. Es ist hauptsächlich Müll. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie oft man da Dinge findet, die wirklich vom normalen Menschenverstand aus betrachtet nicht in die Natur gehören: Autoreifen…und wir haben sogar auch schon mal ein paar Ölkanister gefunden, aber auch oft Sperrmüll. Sie meinen nicht, wie viel Sofas wir schon gefunden haben.

SWR Aktuell: Das ist unfassbar, wie bringen die das da rein, bei Nacht und Nebel wahrscheinlich?

Sauerbrei:Natürlich. Und da finde ich, wenn man es schon im Auto hat, kann man es auch kostenlos irgendwo abgeben. Deswegen: Es erschließt sich niemandem von uns. Wir wissen immer nicht, was da dahintersteckt. Es wäre ganz interessant, die Leute mal zu fragen, warum sie das machen. Sie wollen sich doch an der Natur erfreuen. Sie wollen in einem Naturschutzgebiet wandern gehen. Und wenn dann um die Ecke Autoreifen kommen, das macht doch auch keine Freude. Und die Natur leidet.

SWR Aktuell: Das will man nicht, man sucht im Nationalpark wirklich Erholung, Naturnähe, vielleicht ein bisschen Safari-Feeling – und für all das sorgen Sie, indem Sie die Besucher an die Hand nehmen, oder?

Sauerbrei:Ja, sehr gerne! Man kann uns besuchen, spontan, selbstorganisiert. Sie können natürlich auch über die Touristinformationen sich Urlaube zusammenstellen lassen. Es gibt geführte Wanderungen, und Sie können sich einen Nationalparkführer buchen. Wir haben im Nationalpark Tore, da können Sie sehr gut starten. Die sind mittlerweile alle sehr gut an den ÖPNV angebunden. Und Sie können quasi den ganzen Nationalpark erleben. Und wenn Sie sich dann informieren wollen, weil es vielleicht mal regnet, kommen Sie in eine unserer Ausstellungen.

Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Petra Waldvogel
Petra Waldvogel steht im Gang eines SWR-Gebäudes.
Onlinefassung
Stefan Eich
Stefan Eich steht im Gang eines SWR-Gebäudes.