Altötting hat eine über 1.200 Jahre alte Geschichte als frühes Herrschaftszentrum und der Stadt Altötting als wichtigster Marienwallfahrtsort in Bayern. Ihre Geschichte reicht vom karolingischen Königshof ab dem späten 8. Jahrhundert über die Wunderlegenden des späten Mittelalters bis zur „Marianisierung“ Bayerns durch Kurfürst Maximilian I. im 17. Jahrhundert. Er erklärte Maria zur Schutzpatronin des Landes (Patrona Bavariae) und machte Altötting zum geistlichen Zentrum eines katholisch geprägten Bayern.
Geschichte, Wunder und Votivtafeln
Mehr als 2.000 Votivtafeln danken für „erhörte Gebete“ – von überstandenen Krankheiten über Kriegserfahrungen bis hin zur Rettung vor Naturkatastrophen. Wallfahrtsrektor Klaus Metzel schildert, wie jedes Jahr 20 bis 30 neue Tafeln hinzukommen und alte ersetzt werden. Für ihn ist das ein Zeichen:
Dass Altötting kein Museum ist, sondern ein lebendiger Wallfahrtsort
Papstbesuch unter hohem Sicherheitsdruck
Papstbesuch Benedikts XVI. besuchte den Wallfahrtsort am 11. September 2006. Der damalige Polizeibeamte und heutige Stadtführer Hannes Schneider berichtet von den intensiven Vorbereitungen, vom Sicherheitsdruck und von der Atmosphäre, als Zehntausende Menschen auf den Papst warteten. Benedikt, selbst in der Region aufgewachsen, hatte eine besondere Beziehung zu Altötting und verstärkte mit seinem Besuch die Verbindung „Altötting – Bayern – katholisch – Maria“.
Es ist ein bisschen so, wie Papst Benedikt gesagt hat, als er vor 20 Jahren, 2006, hier in Altötting war: Bei der Mutter sind wir daheim
Königsherzen, Tod und Reliquien
Altötting ist in ein europäisches Netzwerk von Marienheiligtümern eingebunden ist – von Lourdes über Fátima bis Czestochowa („Shrines of Europe“). In der Gnadenkapelle sind in silbernen Urnen die Herzen bayerischer Kurfürsten, Könige und eines Kaisers beigesetzt – darunter auch das Herz König Ludwigs II. Ein sensenschwingendes Todesskelett aus dem 17. Jahrhundert, das heute von einem Scheibenwischermotor angetrieben wird, erinnert an die Macht des „Memento Mori“: „Bedenke, dass Du sterben musst“. Und im Kapuzinerkloster wird dem heiligen Bruder Konrad von Parzham gedacht.
Die Schwarze Madonna im Zentrum
Im Zentrum von Altötting steht die Schwarze Madonna aus Lindenholz – kaum 65 Zentimeter groß und doch geistlicher Mittelpunkt des Ortes. Die Herkunft der Schwarzen Madonnen, ihre dunkle Färbung – ob durch Kerzenruß oder bewusst gewählte Materialien – bleibt historisch nicht vollständig geklärt und macht die Figur gerade durch ihre Rätselhaftigkeit erfahrbar.
Teil 3: Kiez und Kult - Das Hamburger Heiligengeistfeld, Sonntag, 9. August 2026, 12.04 Uhr