Matinee

Eine Frage der Haltung: Der Hahn

Sonntagsfeuilleton mit Stefanie Junker.

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Stand

Schon in der Antike war der Hahn ein allseits geschätztes Tier – sowohl bei den alten Griechen und den Römern als auch bei den Persern. Mit stolz geschwelltem Kamm wurde er in einem Zuge mit dem Löwen genannt. Doch die Hochzeit des Hahns ist längst vorbei: Heutzutage fristen Hähne ein Schattendasein. Im Kreise ihrer Hühnerschar sind sie zwar noch immer sprichwörtlich "Hahn im Korb", in der Gesellschaft jedoch werden sie weder gerne gesehen noch gehört. Mancher Hahn bringt mehr Dezibel hervor als ein Düsenflugzeug. Und das ruft dann auch schon den Nachbarn auf den Plan, der einen solchen "Caruso" nicht nebenan dulden möchte. – Weder auf dem platten Land noch im Wohngebiet. Der Hahn soll sich gefälligst an die Ruhezeiten halten, sprich: sein Kikeriki soll zur gesetzlichen Ruhezeit verstummen.

Wenige Tage vor dem Gründonnerstag, an dem der Hahn eine zentrale Rolle in der biblischen Erzählung spielt, fragen wir in der Matinee in SWR Kultur: Hat der Hahn ausgekräht? Einerseits haben Hähne im eigentlichen Sinn in unserem Leben keinen Platz mehr. Andererseits nehmen sie in unserer Gesellschaft immer mehr Raum ein – im übertragenen Sinn. Der eitle Gockel wird zum Staatsmann oder zum Entertainer, er regiert die Welt oder reüssiert auf dem roten Teppich.

Wir fragen, wie der Hahn auf den Kirchturm kam. Wir besuchen die "Initiative in Gengenbach", die sich um männliche Küken kümmert. Wir erklären, warum Hahnenkämpfe auf den Philippinen immer noch ein Ereignis sind, und warum der Hahn bei unseren französischen Nachbarn als der "gallische Hahn" Tradition hat.

Gesprächspartner der Sendung sind:
Nicole Gronemeyer, Besitzerin eines Hühnerstalls mit vier Hennen und Autorin des Buches "Hühner", erschienen bei Mattes & Seitz.
Anna Niem, katholische Theologin, Kirchenmusikerin und Teil von "Kirche im SWR" sowie Roland Borgards, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Goethe Universität Frankfurt und Experte für "Human Animal Studies".

Redaktion: Nicole Dantrimont
Musikredaktion: Julia Kesch

Musikliste:

Erste Stunde:

Charles Koechlin
Danse au soleil du matin dans la campagne für Flöte solo. Allegro (molto moderato)
Nari Hong (Flöte)
SWR-Eigenproduktion


Vincent Ho
Fuge Nr. 10: Rollicking rooster
Aus: The twelve Chinese zodiac animals, Heft 2. 1
Toni Yike Yang (Klavier)
Naxos 0747313996018
LC 05537


Thomas Bangalter
15. Satz: Arès
Aus: Mythologies. Ballettmusik für Orchester
Orchestre National Bordeaux Aquitaine
Romain Dumas (Dirigent)
Erato 5054197453847
LC 00200


Augustin Bardi
Mulo Francel (Arrangement)
Gallo Ciego
Quadro Nuevo (Ensemble)
Fine Music FM 196-2
LC 11188


Andrew Lloyd Webber
Wishing you were somehow here again
Diana Damrau (Sopran)
Royal Liverpool Philharmonic Orchestra
David Charles Abell (Dirigent)
Capitol 602666-2
LC 00148


Wolfgang Amadeus Mozart
3. Satz: Menuetto. Allegretto – Trio
Aus: Quartett für 2 Violinen, Viola und Violoncello
Quatuor Sine Nomine (Ensemble)
SWR-Eigenproduktion


Anton Bruckner
Scherzo. Sehr schnell (03)
Aus: Sinfonie Nr. 7 E-Dur. Originalfassung
Staatskapelle Berlin
Otmar Suitner (Dirigent)
Ars Vivendi 2100212
LC 07082


Zweite Stunde:


Modest Mussorgskij
Andreas N. Tarkmann (Bearbeitung)
Ballett der Küken in den Eierschalen
Aus: Bilder einer Ausstellung. Suite für Klavier, bearbeitet für 12 Bläser und Kontrabass
Mitglieder des SWR Symphonieorchesters
Michael Sanderling (Dirigent)
SWR-Eigenproduktion


Jean-Philippe Rameau
4. Satz: La poule
Aus: Suite für Cembalo G-Dur
Mahan Esfahani (Cembalo)
Hyperion CDA68071/2
LC 07533


Orlando di Lasso
Tre volte haveva. Madrigal, LV 1007
Aus: Lagrime di San Pietro. 20 Madrigale
Chor des Bayerischen Rundfunks
Max Hanft (Dirigent)
BRklassik 900535
LC 20232


Marie Jaëll
4. Satz: Vivace molto
Aus: Konzert für Violoncello und Orchester F-Dur
Raphaela Gromes (Violoncello)
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Anna Rakitina (Dirigentin)
Sony Classical 19802932902
LC 06868


John Powell / Harrison Gregson-Williams
Chicken run (Hennen Rennen) – Original motion picture soundtrack
Studio Orchester
Harrison Gregson-Williams (Dirigent)
Gavin Greenaway (Dirigent)
Nick Ingham (Dirigent)
RCA Records Label 663702-2
LC 00316


Hugo Wolf
Der Feuerreiter
Aus: Gedichte von Eduard Mörike. 53 Lieder für Singstimme und Klavier, HWW 119
Christian Immler (Bassbariton)
Anne Le Bozec (Klavier)
Oktav OKT011
LC 17337


Johann Strauß
Geschichten aus dem Wienerwald. Walzer für Orchester, op. 325
Wiener Philharmoniker
Riccardo Muti (Dirigent)
Sony Classical
LC 06868



Dritte Stunde

Efrem Zimbalist
Epilogue
Aus: Fantasie über Rimskij-Korsakows "Der goldene Hahn" für Violine und Klavier
Luka Faulisi (Violine)
Itamar Golan (Klavier)
Sony Classical 19658765272
LC 06868


Cecile Azarcon-Picazo
Ikaw ang lahat sa akin
Chordon bleu (Chor)
Volker Diel (Gesang und Dirigent)
Candoro EAN 4020796473983
LC 84896


Traditionell / Komponist unbekannt
Eden
Nigel Kennedy (Solist Violine)
Kroke (Ensemble)
Emi 557511-2
LC 00542


Manuel de Falla
Ritueller Feuertanz: Um die bösen Geister zu
Aus: El amor brujo
Chicago Symphony
Fritz Reiner (Dirigent)
RCA Records Label 88697-04607-2
LC 00316


Carl Nielsen
Hahnentanz. Tempo giusto
Aus: Maskerade Komische Oper in 3 Akten, FS 39
SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart
John Storgards (Dirigent)
SWR-Eigenproduktion


Willie Dixon
Little red rooster
The Rolling Stone
Decca 844462
LC 00171


Komponist unbekannt
Der Hahn ist tot
Aus Hoppel Hoppel Rhythm Club Vol. 2
Jazz für alle Kinder unter 100 zum Singen, Hören, Tanzen
Peter Lehel (Sax)
Mini Schulz (Bass)
Obi Jenne (Drums)
Peter Schindler (Klavier)
finetone FTM 8015
LC 10747

Joe Zawinul
Money in the pocket
Jazzxchange (Ensemble)
DLR Kultur-Eigenproduktion

Ein stolzer Hahn namens Heiner Nicole Gronemeyer und ihre Liebe zu Hühnern

Die Autorin Nicole Gronemeyer erzählt von Mythen rund um den Hahn: Was macht ihn so besonders? Wie kann ein Hahn gut leben? Und warum fasziniert er uns seit der Antike? Interview: Stefanie Junker.

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Wie der Hahn auf den Kirchturm kam Der Hahn als Symbol der Auferstehung

Die Theologin Anna Niem erzählt, wie der Hahn Petrus’ Reue weckte, was er mit Wachsamkeit zu tun hat und warum er als Symbol auf Kirchturmspitzen landete. Interview: Stefanie Junker.

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Tiere als Spiegel der Gesellschaft Der Hahnenkampf im übertragenen Sinn

Ist der Hahnenkampf mehr als Instinkt? Roland Borgards spricht über Tiere als Spiegel der Gesellschaft – von der Arena bis zur politischen Bühne. Interview: Stefanie Junker.

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Wenn der Hahn nebenan wohnt Ewiges Drama um das Kikeriki

Hahnenkrähen – nervig oder idyllisch? Stephan Beuting erzählt vom täglichen Streit ums Kikeriki. Vorsicht Triggerwarnung: Hähne können bis zu 140 Dezibel hervorbringen!

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Ethik trifft Landwirtschaft Bruderküken: Besuch bei der Initiative in Gengenbach

Stephanie Geißler zeigt, warum Bruderhähne leben dürfen, welche ethischen Fragen das aufwirft – und warum die Lösung alles andere als einfach ist.

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Fragwürdige Tradition auf den Philippinen Cockfighting – Kultur oder Tierquälerei?

Philipp Coronel züchtet Hähne für den Kampf. Thorsten Iffland beleuchtet, warum die blutige Tradition auf den Philippinen ungebrochen bleibt.

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Ausgekräht: Vom Hühnerhof zur Selfiekultur Der eitle Gockel ist nicht mehr – Glosse

Der "Gockel" als Sinnbild männlicher Eitelkeit? Doris Anselm hinterfragt das Bild und liefert tierisch aktuelle Alternativen – vom Kugelfisch bis zum Spiegel.

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Erstmals publiziert am
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Moderator/in
Stefanie Junker