Neue Hörbücher, vorgestellt in SWR Kultur am Nachmittag: Autoren oder große Sprecher wie Christian Brückner lesen Klassiker der Weltliteratur, ausgezeichnete Bücher oder Romane der Stunde.
Hörbuch Bewegend: Walter Kreye liest „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ von Lisa Ridzén
Bo ist 89 und verbringt seine Tage auf der Küchenbank, seinen Hund Sixten neben sich. In der Küche ist es gemütlich mit dem Ofen, hier empfängt er den Pflegedienst und seinen Sohn Hans. Als dieser meint, Bo könne sich nicht mehr angemessen um Sixten kümmern, gerät Bos Welt endgültig aus den Fugen. Walter Kreye gelingt eine großartige, tief berührende Interpretation der Sicht eines alten Menschen auf sein Leben, das ihm immer mehr entgleitet.
Hörbuch Weiblich, sichtbar, angreifbar – „Wie kann sie nur“, gelesen von der Autorin Sophie Passmann
„Wenn ich Shaping-Unterwäsche ablehne, muss ich dann auch aufhören meine Strumpfhosen absichtlich immer eine Nummer zu klein zu kaufen, damit sie meinen Bauch plattdrücken? Ist Make-up, das Männern gefällt, automatisch ein schlechtes Zeichen?" Fragen, die die Autorin Sophie Passmann in ihrem neuen Buch „Wie kann sie nur“ zu beantworten versucht. Es geht um den alltäglichen Wahnsinn, als Frau im Netz präsent zu sein und dabei ständig bewertet zu werden. Ein Erfahrungsbericht zwischen Selbstinszenierung und Selbstbestimmung, vorgetragen von der Autorin selbst, was ihn umso authentischer macht.
Hörbuch „Liebe“ - Thomas Hettche
Max und Anna sind beide Anfang sechzig, als sie sich kennenlernen. Max rechnet schon gar nicht mehr mit der Liebe, Anna ist verheiratet und zufrieden, wie sie sagt. Die Liebe trifft die beiden unerwartet und mit voller Wucht. Matthias Brandt und Martina Gedeck geben dem Text von Thomas Hettche durch ihre Interpretation eine enorme Tiefe, in der alles mitschwingt was die Liebe ausmachen kann.
Hörbuch Octavia E. Butlers Roman „Verbunden“: Eine Zeitreise in die Sklaverei
Eine Schwarze Frau aus den 1970ern wird plötzlich in die Zeit der Sklaverei katapultiert. Octavia E. Butlers Roman „Verbunden“ gilt heute als Klassiker der afroamerikanischen Literatur. Jetzt ist der Roman als ungekürzte Hörbuchfassung erschienen, gelesen von Dela Dabulamanzi. Das Hörbuch erzählt nicht nur von historischer Gewalt, sondern auch davon, wie sich Geschichte in Körper und Sprache einschreibt und wie gegenwärtig sie bis heute geblieben ist.
Hörbuch Ehrlich und berührend - Inka Löwendorf liest Lena Goreliks „Alle meine Mütter“
In ihrem Roman „Alle meine Mütter“ erkundet Lena Gorelik die vielfältigen Facetten der Mutterschaft. Sie collagiert Geschichten von Müttern und Nicht-Müttern und zeigt Frauen, die in ihrer Rolle glücklich, überfordert, wütend und traurig sind. Schauspielerin Inka Löwendorf interpretiert den Text mit viel Feingefühl, wechselt gekonnt zwischen distanzierter Beobachtung und Empathie.
Hörbuch Abgründig: Judith Hermann liest „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“
Judith Hermann reist auf den Spuren ihres Großvaters nach Polen. Ein Foto führt sie nach Radom, wo er stolz auf einem SS-Motorrad posiert. Viel ist es nicht, was sie herausfindet, aber allein ihren Gedanken, ihrem Ringen um Worte, Gefühle und Geschichten zuhören zu können, macht dieses Hörbuch sehr eindrücklich. Was bleibt, wenn wir gehen und womit müssen unsere Nachfahren zurechtkommen?
Hörbuch Nostalgisch: „Lovely Rita” - Frank Goosen
Das „Haus Himmelreich“ ist eine Kneipe und das Zuhause der Wirtin Rita, die dort praktisch aufgewachsen ist. Nun soll die Kneipe geschlossen werden – höchste Zeit für einen Abgesang, auch auf die vielen Menschen, die hier am Tresen ihre Weisheiten verbreitet haben. Frank Goosen erzählt mit großer Warmherzigkeit und einer guten Portion Nostalgie – und er ist dabei wie immer sehr unterhaltsam.
Hörbuch Vielschichtig: Lisa Hrdina liest „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt“ von Dita Zipfel
Eva und Felix, Linn und Matze – die beiden Paare machen gemeinsam Urlaub. Eva und Felix haben ihre beiden kleinen Kinder dabei. Linn und Matze sind mit ihrem Kinderwunsch beschäftigt. Die ungleiche Konstellation gerät im Laufe weniger Tage ins Trudeln, um sich dann, vielleicht, wahrscheinlich, neu zu formieren. Dita Zipfel erzählt vor allem aus der Sicht der beiden Frauen eine komplexe Geschichte, von Lisa Hrdina mit souveräner Ruhe und Einfühlsamkeit umgesetzt.
Hörbuch Überzeugend: Eva Rottmann liest „Kurz vor dem Rand“
Ari ist siebzehn, macht eine Lehre zur Malerin und skatet. Jeden Tag trifft sie sich mit ihren Freunden im Park. Doch dann tauchen plötzlich zwei Menschen auf, die das ganze Gefüge ins Rutschen bringen: Tom, der besser skatet als alle anderen und ihr Mutter, die bislang in Aris Leben überhaupt keine Rolle gespielt hatte. Eva Rottmann liest ihren Roman, für den sie den Deutschen Jugendliteraturpreis bekommen hat, mit jugendlicher Hingabe: Schnodderig, abgeklärt und gleichzeitig verwundert über alles, was das Leben so zu bieten hat.