Kampf gegen Ausbeutung
Auf ihrem Weg vom afrikanischen Kontinent nach Europa bleiben viele Geflüchtete auf den Plantagen Süditaliens hängen und ernten Obst und Gemüse für Deutschland und ganz Europa. Die Niedrig-Preise werden von den großen Supermarktketten diktiert, was die legale Beschäftigung vor Ort erschwert. Um der Ausbeutung zu bekämpfen, hat der Verein "Mediterranean Hope", getragen vom "Bund der Evangelischen Kirchen in Italien", Projekte ins Leben gerufen, die auf fairer Bezahlung, aber auch auf Integration der Saisonarbeiter abzielen.
Nachdem ich fünf Jahre in Lampedusa gelebt habe und von der Mole aus verfolgt habe, wie die Flüchtlingsboote ankamen, weiß ich, wie wichtig es ist, die Menschen nach ihrer Flucht auch weiterhin zu betreuen. Denn ihre Odyssee in Europa geht nach ihrer Ankunft in Italien natürlich weiter.
Über 1000 Geflüchtete wurden in den letzten 10 Jahren aufgenommen und ausgebildet
Mitten im Ortskern, an der Via Giulia, liegt ein stattliches Steinhaus. Vor hundert Jahren wohnte dort der Apotheker. Heute ist hier das Büro der Kooperative „Jungi Mundu“ untergebracht: „Jungi Mundu“, „die Welten verbinden“ im kalabresischen Dialekt. So nennt sich das erfolgreiche Projekt, das Dorfentwicklung mit der Integration Geflüchteter verbindet. Das Projekt verbindet zwei Ziele: Einmal das drohende Aussterben des Dorfes zu verhindern. Gleichzeitig sollen Geflüchtete eine Ausbildung erhalten und so integriert werden, dass sie nicht, wie die Mehrheit, als Arbeitssklaven auf den Gemüseplantagen stranden.
Dorf stand vor dem drohenden Problem der Entvölkerung und Vereinsamung
Als einziges Dorf in Kalabrien verzeichnet es Bevölkerungszuwachs. Camini stand vor dem Problem der drohenden Entvölkerung, die in vielen Gebieten Europas droht: In Teilen Spaniens genauso wie in der Provence, in der Eifel oder vielen Gegenden Ostdeutschlands.
In Camini leben viele Kulturen friedlich miteinander
Manchmal sage ich mir, wie gut es wäre, wenn ich, meine Kinder, wir alle, die gleiche Aufnahme in einem anderen Land finden würden und genauso menschlich behandelt würden, auch wenn ich hoffe, dass es nie passiert. Daher ist es wichtig, solche Geschichten zu hören. Denn wenn man zuhört und etwas annimmt, dann nimmt das Herz auch die Botschaft auf.
Hier in Camini leben viele Kulturen miteinander,. In diesem kleinen Dorf! Im Sommer hört man auf der Piazza französisch, arabisch, deutsch. Es gibt Christen, Muslime, alle leben friedlich zusammen. Über 1000 Geflüchtete wurden in den letzten zehn Jahren in Camini aufgenommen und ausgebildet. Manche sind weitergezogen, viele geblieben, da sie im Dorf Arbeit fanden.