"Gold des Nordens", "Tränen der Sonne" oder "Harn der Götter" – es gibt viele Bezeichnungen für Bernstein, sie alle zeugen von hoher Wertschätzung und mythischem Gehalt. Schon seit der Steinzeit schätzen wir Menschen die hübschen, gelblich durchscheinenden fossilen Harz-Klumpen und bearbeiten sie für Kult- und Schmuckgegenstände.
Die größten Vorkommen weltweit sind im Baltikum, wo vor zig Millionen Jahren riesige Succinit-Wälder existiert haben müssen. Das fossile Harz dieser Nadelbäume ist nicht nur schön anzuschauen und leicht zu bearbeiten, in ihm eingeschlossen sind oft auch urzeitliche Tiere und Pflanzen – wie in einer durchscheinenden Zeitkapsel. Bis heute kann man an den Stränden der Ostsee Bernstein finden, besonders nach Stürmen. Entsprechend ist Schmuck aus Bernstein erschwinglich und weit verbreitet.
Die Matinee feiert den Bernstein als "Klunker für alle" und folgt den Spuren dieses schmucken und faszinierenden Materials. Wir besuchen einen Juwelier und fragen nach dem Wert eines Familienschmuckstücks. Wir sprechen über Geschichte und Kultur der gelblich-schimmernden Preziosen und ihre Bedeutung als schmucke, fossile Zeitkapseln. Und wir erfahren von einem der letzten Bernsteinschleifer, wie man das Material bearbeitet und erkennt. Spoiler: Zum Beispiel mit der Feuerprobe, denn Bernstein ist hitzeempfindlich, und unser deutscher Begriff leitet sich ab von brennen. Bernstein ist also ursprünglich "Brennstein".
Wir machen uns auf die Suche nach dem legendären Bernsteinzimmer, hören von der großen kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Bedeutung der Bernsteinstraße, die schon weit vor der Antike von der Ostsee bis ans Mittelmeer reichte. Und zu guter Letzt lassen wir uns die Geschichte des größten Bernsteins der Welt erzählen, der jahrzehntelang unerkannt als Türstopper genutzt wurde.
Gäste der Sendung sind Henning Schröder, Bernsteindrechslermeister und Geschäftsführer des Deutschen Bernsteinmuseums in Ribnitz und Stefan Groh, Archäologe am "Österreichischen Archäologischen Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften" in Wien.
Redaktion: Georg Brandl
Musikredaktion: Almut Ochsmann