Hannes Bader ist 20 Jahre alt und kam mit einem schweren Gendefekt zur Welt. Bisher besucht er ein sonderpädagogisches Internat, doch seine Schulzeit endet bald und damit auch die Betreuung. Seit fünf Jahren sucht Mutter Bianca Bader gemeinsam mit ihrem Mann nach einer Lösung, doch niemand konnte Hannes bisher aufnehmen:
Wir haben ungefähr acht bis zehn Einrichtungen angefragt. Wir haben von allen quasi Absagen bekommen. Gleich pauschal, dass das mit so einem hohen Hilfebedarf nicht geht.
Eltern sind erschöpft von der intensiven Betreuung
Hannes braucht rund um die Uhr Betreuung. Er muss gewickelt, gefüttert und gewaschen werden. Wenn er nicht eng betreut wird, sagt Bianca Bader, dann schlägt er häufig seinen Kopf an den Türrahmen, an die Wand oder Tischkante.
Einmal sogar bis zum Schädelhirntrauma, erzählen die Eltern. Bianca und Jochen Bader möchten ihren Sohn weiterhin begleiten, doch sie sind am Ende ihrer Kräfte und wünschen sich "einfach nur ein gutes Zuhause" für ihr Kind.
Die Zukunft ist ungewiss, das macht mir Sorgen. Es ist schwierig, wir werden älter, wir sind nicht mehr belastbar, körperlich wie seelisch.
Nicht jeder Landkreis hat genügend Plätze
Eigentlich habe der Landkreis genügend Wohnplätze, erklärt Liza-Annalena Scheck vom Landratsamt Sigmaringen, doch mehr als die Hälfte der Plätze seien nicht von Menschen aus der Region belegt, weil andere Landkreise weniger oder nicht die passenden Plätze hätten. Oft werden nur Plätze nur frei, wenn Menschen sterben.
Ein weiteres Problem beschreibt Ulrich von Zanthier, selbst Vater eines mehrfach behinderten Kindes, das bald 18 wird:
Die Einrichtungen können sich die Bewohner aussuchen. Das führt leider dazu, dass gerade oft die schwierigsten Behinderungen, die also viel Pflege erfordern, am ehesten abgelehnt werden. Das ist natürlich total ungerecht. Das ist ja das Gegenteil von Sozialstaat.
Alleine Wohnen oder in ein Heim?
Denn die intensive Pflege ist teuer für die Einrichtungen und es braucht entsprechend ausgebildetes Personal, was es oft zu wenig gibt.
Das Landratsamt Sigmaringen hat Hannes auf eine Warteliste einer Intensiv-Wohngruppe einer Einrichtung gesetzt, in der dann etwa zehn Menschen mit schwerer Behinderung von zwei Mitarbeitenden betreut werden. Ob und wann er da einen Platz bekommen wird, ist noch ungewiss.
Familie Bader wünscht sich für Hannes aber eher eine kleine Pflege-WG mit drei oder vier Mitbewohnern oder gar eine eigene Wohnung mit Eins-zu-eins- Betreuung, damit Hannes enger überwacht werden kann und sich nicht wieder selbst verletzt, wovor die Eltern viel Angst haben.
Grundsätzlich gilt die freie Wohnwahl
Diese Wünsche der Eltern müssen grundsätzlich berücksichtigt werden. Denn das sogenannte "Bundesteilhabegesetz" stärkt die freie Wohnwahl.
Liza-Annalena Scheck vom Landratsamt Sigmaringen muss am Ende aber auch auf die Kosten schauen:
Wenn es vergleichbare Leistungen gibt, dann ist natürlich auch zu schauen, was ist wirtschaftlich umsetzbar, was ja einfach wichtig ist, um alle Bedürftigen im Kreis gut versorgen zu können.
Man könne laut Landratsamt von Kosten von 30.000-40.000 Euro pro Monat ausgehen, falls Hannes künftig alleine in einer Wohnung betreut würde, was deutlich teurer wäre als in einem Heim. Familie Bader sagt, sie wären aber weiterhin als Familie bereit, zu helfen und zum Beispiel tageweise die Pflege am Wochenende zu übernehmen, um die Kosten geringer zu halten. Das gilt es jetzt zu klären. Wie und wo Hannes schlussendlich nächstes Jahr wohnen wird, ist also weiterhin offen.