Haustiere

Deshalb schlafen Katzen auf der linken Seite

Eine neue Studie zeigt: Zwei Drittel aller Katzen schlafen auf der linken Seite. Warum machen sie das und was hat das mit der rechten Gehirnhälfte zu tun?

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Von Autor/in Birte Burkart

Wir Menschen schlafen bekanntlich in sehr unterschiedlichen Positionen: Mal auf dem Rücken, mal auf dem Bauch, dann wieder auf der Seite. Katzen hingegen bevorzugen eine ganz bestimmte Schlafposition.

Das hat ein internationales Forschungsteam jetzt herausgefunden. Hirnforscher Onur Güntürkün war an der Studie beteiligt. Er ist Professor für Biopsychologie am Institut für Kognitive Neurowissenschaften der Ruhr-Universität Bochum und erklärt das Vorgehen:

"Wir sind durchs Internet gegangen und haben weit über 400 Katzenvideos gesammelt. Dabei haben wir geschaut: Liegt die Katze auf ihrer linken oder rechten Schulter?“

Katze schläft auf der linken Seite
Katzen schlafen bevorzugt auf der linken Körperseite. Das hat evolutionäre Gründe. IMAGO / Thales Antonio

Schlafhaltung bei Katzen: Die Aktivität der Gehirnhälften könnte ursächlich sein

Das Ergebnis: in 65 Prozent der Fälle schliefen die Katzen auf der linken Seite. Allerdings nicht so wie wir, denn wenn wir links liegen, dann schaut unser linkes Auge zur Matratze hin. So sehen wir relativ wenig.

Katzen hingegen liegen so, dass ihr Kopf erhöht, leicht angewinkelt und auf dem linken Vorderbein aufgestützt ist. So sieht ihr linkes Auge, was vor ihnen passiert. Als Grund für diese Liegeposition vermuten die Forschenden, dass die Gehirnhälften, auch Hemisphären genannt, eine Rolle spielen.

Güntürkün erklärt, dass in diesem Fall die rechte Hirn-Hemisphäre die linke Körperhälfte steuert. Denn die rechte Hirn-Hälfte ist "spezialisiert auf so etwas wie Vermeiden von anderen Tieren, die angreifen und auch das Aufsuchen von Nahrung."

Katzen schlafen auch bevorzugt erhöht

Wie beim Menschen ist die linke Körperseite der Katze mit der gegenüberliegenden Hirnseite, der rechten Hemisphäre, verbunden. Sie ist darauf programmiert, beim Öffnen der Augen jede Situation sofort zu erfassen.

Das heißt, die Katze kann bedrohungsbezogene Reize wie zum Beispiel Raubtiere, die sich ihnen von links nähern, schneller sehen und besser reagieren, wenn sie auf der linken Seite liegen. So können sie, wenn sie beim Schlafen leicht die Augen öffnen, der Situation entsprechend entweder höher klettern und sich in Sicherheit bringen, oder nach unten und hoffentlich auf ihre Nahrung draufspringen.

Dabei geht es vor allem um Situationen, die gefährlich für die Katze sein können oder eine hohe emotionale Bedeutung haben, zum Beispiel im Zusammenhang mit Nahrung. Dadurch kann eine Katze, die deswegen meist auf einer erhöhten Oberfläche, wie zum Beispiel einem Sofa schläft, gleich reagieren.

Diese schnelle Reaktionszeit ist wichtig für die Katzen, denn sie verbringen täglich 12-16 Stunden damit, zu schlafen. Obwohl sie in Seitenlage wohl besonders tief schlummern, ist ihr Sinn für Bedrohungen in dieser Entspannungsphase hoch.

Onur Güntürkün betont, dass für Katzen alle möglichen Raubtiere, die größer als sie sind, eine Bedrohung sein können. Zum Beispiel würden Wildkatzen - enge Verwandte der Hauskatze - auch von Kojoten gejagt. So könnten Katzen, laut Güntürkün, diese und ähnliche Ängste von ihren Vorfahren geerbt haben.

Katze schläft neben einer Frau auf der linken Seite.
Dass Katzen lieber auf der linken Körperseite schlafen, könnte der Forschung helfen, mehr über den Menschen zu erfahren. IMAGO / Zoonar

Viele Fragen zum Schlafverhalten von Katzen sind noch unbeantwortet

Die meisten der rund 16 Millionen Hauskatzen in Deutschland müssen sich darum wohl keinen Sorgen machen. Es zeigt jedoch, dass diese Reaktion evolutionär verwurzelt sein könnte - und damit auch die Präferenz, auf der linken Seite zu schlafen.

Ob Katzen, die rechts schlafen, sich in ihrer Umgebung sicherer fühlen, ist noch unklar. Genauso wie die Frage, ob das Geschlecht oder die Pfotenpräferenz, also die Lieblingspfote des Tieres, Einfluss auf die Liegeposition hat.

Doch die Forschung an Katzen könnte möglicherweise dabei helfen, mehr über uns Menschen zu erfahren, meint Hirnforscher Onur Güntürkün: "Wir haben zum Beispiel eigentlich keine Ahnung, warum unsere rechte Hirnhälfte diese Spezialisierung, die bei den Katzen notwendig ist, gehabt hat. Es könnte sein, dass wir evolutionär ebenfalls durch entsprechende Prozesse durchgegangen sind."

Denn genauso wie Katzen sind auch wir Menschen Säugetiere. Ihre Entwicklung zu verstehen, könnte uns also auch bei Fragen zur menschlichen Entwicklung helfen.

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Autor/in
Birte Burkart
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Richard Kraft
Richard Kraft, Reporter für SWR Wissen Aktuell.