Mit dem bevorstehenden Ende der Internationalen Raumstation ISS rückt ein neues Großprojekt der Raumfahrt in den Fokus: Das Lunar Gateway. Bei einer exklusiven Präsentation in Turin stellte die Europäische Raumfahrtagentur ESA am Donnerstag den 20. Februar 2025 die fertiggestellten europäischen Beiträge vor - das HALO-Modul und das Wohnmodul. Diese Module sollen in drei Jahren ins All starten und Teil einer dauerhaften Basis im Mondorbit werden.
Das Gateway wird dabei als eine Art vergrößerte Version der historischen Apollo-Kapseln fungieren. Was genau hinter den präsentierten Modulen steckt, erklärt unser Raumfahrtexperte Uwe Gradwohl, der bei der Präsentation vor Ort dabei war im Gespräch.
Module für die Mond Raumstation
Stefan Troendle, SWR: Was sind das für Module, die da gezeigt wurden?
Uwe Gradwohl: Das ist so, dass beide Module zusammen den Wohn-, Schlaf- und Küchenraum von diesem Lunar Gateway bilden werden, also der Raumstation, die dann künftig um den Mond kreisen soll, nicht um die Erde wie die ISS.
Es wird so eine Art Mini ISS, und man muss dazu sagen: Solche Module für Raumstationen, die können weltweit gar nicht an so vielen Orten gebaut werden - Turin ist einer davon.
Das Unternehmen Thales Alenia ist hier beheimatet und da ist es so, dass genau hier eben diese technischen Möglichkeiten sind, um solche Module zu bauen, in denen dann nachher Luft und Atmosphäre drin ist, dass auch Menschen darin überleben können. Die sollen da bis zu 90 Tage an Bord in der Mondumlaufbahn verbringen können - zu viert kann man sich da unterbringen.
Trumps Präsidentschaft hat möglicherweise Auswirkungen auf die NASA-ESA-Kooperation
SWR: Wie groß wird die Station? Und wann ist sie fertig, gibt es da schon Aussagen?
Gradwohl: Naja, von Jahr zu Jahr soll sie so ein bisschen weiter gebaut werden. Baubeginn wäre mit diesem ersten Modul von der NASA, das auch heute gezeigt wurde, im Jahr 2027.
2028 würde das europäische Modul folgen. Dann kommen weitere Bauteile, die man dann mit jährlichen Flügen zum Mond nach und nach dort hinbringen könnte. So unter der Hand sagen aber natürlich auch alle Vertreter hier, sowohl vom Unternehmen als auch von den Raumfahrtbehörden, dass man natürlich jetzt auch mal schauen muss, wie sich die amerikanische Raumfahrtpolitik unter Trump weiterentwickelt und ob dieses Team Trump/Musk nicht auch einschneidende Änderungen in seiner Strategie vornimmt.
Das Lunar Gateway, diese Raumstation um den Mond, die braucht es nämlich nicht für den ersten Flug zum Mond. Der zweite, dritte, vierte Flug zum Mond, da braucht man das Gateway dann so als Basis, als Sprungbrett - für den ersten Flug aber nicht.
Und wenn jetzt Musk und Trump entscheiden, dass sie eigentlich nur einmal zum Mond fliegen wollen und dann vielleicht direkt den Mars in Angriff nehmen, würde das für dieses Gateway und für die europäische Kooperation mit der NASA einen schweren Rückschlag bis hin zum Ende der Kooperation bedeuten.
Internationale Partner am Lunar Gateway-Projekt
SWR: Aber ein Flug zum Mars würde auch vom Mond ausgehen, oder?
Gradwohl: Ja, das ist richtig, also man könnte sich da immer noch eine Funktion für das Gateway vorstellen. Aber es wäre natürlich nicht mehr der ursprüngliche Plan, mit den vielen Flügen zum Mond und auch den entsprechenden Möglichkeiten, europäische Astronauten und Astronautinnen mal auf die Mondoberfläche zu bekommen.
SWR: Du hast gerade Trump erwähnt – bei der ISS waren ja die Russen mit dabei. Wie sieht es denn beim Lunar Gateway aus? Also welche Länder machen da mit?
Gradwohl: Russland ist da nicht dabei. Klar, die politische Situation gibt es im Moment nicht her, sondern Russland ist ja mit den Chinesen in einem gemeinsamen Projekt, um eine Mondstation zu bauen. Das Lunar Gateway wird gebaut von den Europäern und von der NASA. Dann kommen noch Bauteile dazu, die aus Japan kommen, aus Kanada und auch die Vereinigten Arabischen Emirate bauen eine Luftschleuse oder eine Andockschleuse für Raumschiffe für dieses Gateway.
Der Weg zur Mondoberfläche: Ähnlich wie bei Apollo
SWR: Noch einmal ganz grundsätzlich zur Station: Also eine Basis im All, die spart Sprit bei Mondflügen, klar. Aber wie soll denn dann der Transfer von und zum Mond funktionieren?
Gradwohl: Das Gateway hat eine ganz raffinierte Umlaufbahn um den Mond herum – das ist eine starke elliptische Umlaufbahn. Es ist also zeitweise 70.000 Kilometer vom Mond weg und dann wieder 7000 Kilometer nah dran.
Das hat Vorteile eben für diesen Flug von der Erde zum Mond. Wenn man nämlich weit weg ist mit dem Gateway vom Mond, dann kann man Raumschiffe, die von der Erde kommen, relativ spritsparend einfangen. Dann kann man dort andocken, ins Gateway umsteigen. Dann verbringt man dort drei, vier Tage, und dann ist man in Mondnähe und kann dann eine ans Gateway angedockte Mondlandefähre nutzen, um dann auf den Mond abzusteigen und dort wieder ein paar Tage zu verbringen, bis das Gateway in Mondnähe wieder vorbeikommt und man wieder zum Gateway aufsteigen kann.
SWR: Also so ein bisschen wie die Apollo-Astronauten früher?
Gradwohl: Das ist so ein bisschen mit diesem Sturz runter auf die Mondoberfläche von einem Raumschiff, das sich in der Mondumlaufbahn befindet, ähnlich wie bei den Apollo-Missionen, richtig.
Zentrale für den Abstieg zum Mond und Roboter-Missionen
SWR: Was sind die Hauptaufgaben des Gateways?
Gradwohl: Ja das Gateway ist vor allem ein Aufenthaltsort, um sich eben auf diesen Abstieg zur Mondoberfläche vorzubereiten. Aber es ist auch eine Plattform, von der aus man robotische Missionen auf dem Mond steuern kann.
Also das bringt auch enorme technische Kommunikationsmöglichkeiten mit sich, sodass man vom Gateway Roboter auf der gesamten Mondoberfläche anleiten und steuern kann.
Das Gateway ist auf einer polaren Umlaufbahn, das heißt es fliegt über die Mondpole hinweg und überquert zu in relativ kurzer Zeit die gesamte Mondoberfläche. Man kann also dort Vorgänge auf der gesamten Mondoberfläche vom Gateway aus steuern.