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Jung, spirituell, online – Sinnsuche auf Social Media

Ob Tarotkarten legen, Meditation, Yoga oder Tipps für mehr Selfcare – spirituelle Angebote sind gefragt auf Social Media. Was suchen junge Leute darin?

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Von Autor/in Sofie Czilwik

Achtsamkeit per Mausklick: Spiritualität boomt im Internet-Zeitalter

Wer spirituell lebt, sucht Sinn in dem, was weder rational erklärbar ist noch physisch belegt werden kann. Dabei ist Spiritualität nicht gleichzusetzen mit Religiosität. Das erklärt Oliver Krüger, Religionswissenschaftler an der Universität Fribourg in der Schweiz. So gibt es ihm zufolge Menschen, die sich zwar als spirituell bezeichnen, aber zu keiner Religion bekennen.

Spiritualität ist kein neues Phänomen. Insbesondere in der sogenannten New-Age-Bewegung der 1970er und 1980er kamen spirituelle Themen wie Achtsamkeit, Nachhaltigkeit und Persönlichkeitsentwicklung mehr und mehr in Mode. Alles Werte, die heute insbesondere in der jüngeren Generation einen hohen Stellenwert haben.

Dank Algorithmen: Moderne Gurus können als Influencer viel Geld verdienen

Neu ist nun aber, dass Spiritualität zunehmend auf Social Media praktiziert wird. Das meint Pascale Siegers. Er forscht am Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften zu religiösem Wandel. Auf YouTube, Instagram oder TikTok verbreiten zahlreiche Accounts Inhalte zu spirituellen Themen und scharen mal einige Hundert, mal Hunderttausende hinter sich, die ihnen digital folgen.

Natur und Mensch im Einklang - das lässt sich unheimlich gut in die Social Media-Welt einspeisen. So beschreibt es Pascale Siegers, vom Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. Auch dieser junger Blogger scheint das verstanden zu haben. Im Abendlicht kommt er besonders gut zur Geltung.
Natur und Mensch im Einklang - das lässt sich unheimlich gut in die Social Media-Welt einspeisen. So beschreibt es Pascale Siegers vom Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. Auch dieser junger Blogger scheint das verstanden zu haben. Im Abendlicht kommt er besonders gut zur Geltung.

Früher bezeichnete man sie wohl als charismatische Guru-Persönlichkeiten, in den sozialen Medien spricht man vom Influencer-Prinzip: Durch bestimmte Algorithmen wird die Internetpräsenz einzelner Accounts hervorgehoben.

Das machen sich insbesondere Unternehmen zunutze, indem sie Influencerinnen und Influencer mit ihren Produkten ausstatten, die dann gesponserte Kleidungsstücke, Schminkartikel oder Ernährungsprodukte in Posts und Kommentare gekonnt in Szene setzen. Für viele Internet-Celebrities sind diese Markenkooperationen ein bedeutendes finanzielles Standbein.

Social Media und Spiritualität, das harmoniert – warum?

Spirituelle Inhalte sind auf sozialen Netzwerken für alle leicht zugänglich. Meditationen, Yoga-Workouts oder Achtsamkeitsübungen sind nur einen Mausklick entfernt. Außerdem bieten Internetplattformen gute Vernetzungsmöglichkeiten, sodass man sich mit Gleichgesinnten über die eigene spirituelle Praxis austauschen kann.

Ganz entspannt in den eigenen vier Wänden: Spirituelle Online-Praktiken sind auch deshalb so beliebt, weil sie fast überall durchführbar sind. Yoga-Matte ausrollen, Laptop anschalten und schon kann es losgehen.
Ganz entspannt in den eigenen vier Wänden: Spirituelle Online-Praktiken sind auch deshalb so beliebt, weil sie fast überall durchführbar sind. Yoga-Matte ausrollen, Laptop anschalten und schon kann es losgehen.

Wegen dieser Eigenschaften nahm insbesondere in der Corona-Pandemie die Bedeutung von Spiritualität im Internet stark zu. Vor allem junge Menschen erlebten spirituelle Praktiken und die Vernetzung mit anderen als einen Weg, besser mit Zukunftsängsten und Einsamkeit während des Lockdowns klarzukommen.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Sofie Czilwik
Sofie Czilwik
Onlinefassung
Justina Bretzel
Candy Sauer