,,Jungs sind logisch und analytisch begabt, Mädchen eher sprachlich und empathisch.'' So lautet nur eines vieler geschlechtsbezogener Stereotype im Bildungssystem – mit Folgen für die Matheleistungen von Schülerinnen.
Unterschied zwischen Mädchen und Jungs in Mathe betrifft alle Gesellschaftsgruppen
Die jüngste Studie hat die Mathe–Leistungen von fast drei Millionen Kindern erfasst, die zwischen 2018 und 2021 ihr erstes Schuljahr in Frankreich begonnen haben.
Das Ergebnis: Bereits vier Monate nach der Einschulung zeigte sich eine Leistungsdifferenz zwischen Mädchen und Jungs in Mathe. Der Unterschied zieht sich durch alle sozioökonomischen Gruppen und ist in allen Regionen Frankreichs und auch in allen Schulformen vertreten– egal ob privat oder öffentlich.
Verständnis–Lücke in Mathe entsteht beim Start der Schule
Das Überraschende: Zu Beginn des ersten Schuljahres – wenn die Kinder fünf oder sechs Jahre alt sind – gibt es im Durchschnitt keine Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen in den mathematischen Fähigkeiten. Sie zeigen ein ähnliches Verständnis von Zahlen und Logik. Aber nach nur vier Monaten haben die Jungs die Nase vorn. Und diese Lücke wird im Laufe des Jahres größer.
Jungs fühlen sich wohler in Mathe als Mädchen
Die PISA–Ergebnisse aus 2022 offenbarten: Jungs haben eine höhere mathematische Selbstwirksamkeit. Im Schnitt trauen sie sich mehr zu und fühlen sich sicherer in Mathe. Außerdem zeigen sie allgemein eine positivere Einstellung zum Fach Mathe als Mädchen und geben deutlich häufiger Mathe als ihr Lieblingsfach an.
Die Unterschiede im Interesse oder den mathematischen Fähigkeiten sind also nicht angeboren, so die Forschenden. Es liegt daran, wie Kinder nach dem Schuleintritt Mathematik erleben. Wer früh lernt, dass er oder sie kompetent genug ist, Aufgaben in einem bestimmten Fach zu lösen, entwickelt ein höheres Selbstvertrauen in die eigenen Kompetenzen – und erzielt folglich bessere Leistungen.
Geschlechter–Unterschied in Mathe: Wir müssen Mädchen mehr ermutigen
Deshalb sollte man sich in Zukunft verstärkt auf die frühen Erfahrungen von Mädchen in der Schule und zu Hause konzentrieren, um sie in Mathe nicht abzuhängen. Dazu machen die Autoren der Studie einige Vorschläge: wir sollten Mädchen zum Beispiel mehr unterstützen, sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst zu werden, um so die Angst vor Mathematik zu reduzieren. Dazu gehört auch, die Mädchen stärker zu ermutigen, sich am Unterricht genauso oft zu beteiligen wie Jungs – beispielsweise durch die Förderung von Neugier und Problemlösung.