Zukunft der Raumfahrt

New Space: Wie SpaceX und Co. die Raumfahrt verändern

New Space bringt neue Ideen in die Raumfahrt – aber auch Kritik. Warum Firmen wie SpaceX den Ton angeben und der Staat eine neue Rolle einnimmt.

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Von Autor/in David Beck

NASA, ESA, DLR, Roskosmos – Raumfahrt war lange eine staatliche Angelegenheit. Private Unternehmen, die Raketen bauten oder Technik lieferten, waren immer schon an der Raumfahrt beteiligt. Doch die Impulse kamen vom Staat, ebenso wie das Geld. Das ist nicht mehr so. Bestes Beispiel: SpaceX. Ein privates Unternehmen nimmt privates Kapital in die Hand und baut eine komplette Raumfahrtinfrastruktur auf.

New Space - so wird die neue Art der Raumfahrt genannt, die modern und jung wirkt – im Gegensatz zu verstaubten staatlichen Raumfahrtagenturen wie ESA oder NASA

New Space in der Raumfahrt: Die SpaceX Rakete landet erfolgreich im Ozean.
Vorreiter des New Space SpaceX landet ein Super-Heavy-Modul ihrer Starship-Rakete erfolgreich auf der Erde. Sie soll den Kurswechsel in der Raumfahrt weiter beflügeln.

SpaceX als Vorreiter einer neuen Raumfahrtinfrastruktur

SpaceX und andere Unternehmen sorgen für eine neue Begeisterung für Raumfahrt. Menschen jubeln, als hätten sie im Lotto gewonnen, wenn sie die erste Stufe des gigantischen Starships von SpaceX landen sehen, genannt: Super Heavy. Etwa 70 Meter hoch und ohne Treibstoff immerhin noch 275 Tonnen schwer wird der Booster einige Minuten nach dem Start des Starships von Fangarmen an der Startrampe wieder aufgefangen.

So ein Jubel ist bezeichnend für New-Space-Vertreter wie SpaceX. Aber nur ein neues, hippes Start-up zu gründen und mit neuen Technologien zu begeistern, macht aus Old Space noch nicht gleich New Space.

„Das ist es auch, aber nicht nur.“ Ludwig Möller ist Direktor des European Space Policy Institutes in Wien, kurz ESPI – einem Thinktank, der sich mit Weltraumpolitik beschäftigt.

Im New Space würde der Staat mehr und mehr vom Impulsgeber und Entwickler zum sogenannten Ankerkunden, so Möller. Der Staat könne sowas wie Leistungsverträge abschließen und es der Industrie überlassen, Systeme zu entwickeln und Dienste anzubieten.

Rückkehrfähige Trägerraketen

Ein Beispiel: Statt nach dem Ende des Space-Shuttle-Programms eine eigene Kapsel für astronautische Raumfahrt zu entwickeln, bestellte die NASA bei SpaceX und Boeing Raumschiffe für astronautische Flüge zur ISS sozusagen schlüsselfertig.

Die New-Space-Unternehmen verfolgen auch eine andere Entwicklungsphilosophie als staatliche Organisationen. „Fail fast“, schnell scheitern – das bedeutet: So schnell wie möglich wird ein Prototyp entwickelt und gestartet.

Ein komplett erfolgreicher Flug wird gar nicht erwartet – eher, dass sich Schwachstellen auftun, die dann bei den nächsten Prototypen ausgebessert werden. Eine explodierende Rakete ist dann kein Fehlschlag, sondern ein Grund zum Jubeln.

New Space – Auf das Spaceshuttle folgte SpaceX und damit New Space.
Das Space-Shuttle bei einem Start 1983. Die ikonische Weltraum-Kapsel wurde durch eingekaufte Kapseln bei SpaceX und Boeing abgelöst. Mit dem New Space vollzieht sich gerade ein Kurswechsel in der Raumfahrt.

Staat wird Ankerkunde: Das Geschäftsmodell hinter New Space

Für Unternehmen ist in der Branche immer mehr zu holen. Weltweit liegt der Umsatz der Raumfahrt bei etwa 500 Milliarden Euro und könnte sich Vorhersagen zufolge in den nächsten zehn Jahren mehr als verdreifachen.

Laut Ludwig Möller betrifft das aber „nur den Space-Bereich selbst. Was viel interessanter ist – und New Space kann da eine Rolle spielen – ist in Bereichen wie Automobil und Digital im Allgemeinen. Das heißt, da multipliziert man in die Gesamtwirtschaft hinein. Das kann man vergleichen mit Halbleiterchips, die auch heute überall verwendet werden.“ Die Wichtigkeit der Halbleiterindustrie lasse sich nämlich nicht an der Größe der Halbleiterindustrie selbst messen, so Möller, sondern am Mehrwert in die Gesamtwirtschaft. Ohne Halbleiter, also Mikrochips, würden viele andere Branchen heute nicht mehr funktionieren.

Entwicklungsprinzip „Fail fast“ in der Raketentechnologie

Noch ist aber nicht klar, wie viele private Unternehmen Platz auf dem Markt finden. SpaceX schafft sich derzeit mit seiner Telekommunikationssparte immer noch selbst den Markt für die Raketensparte: Etwa zwei Drittel der knapp 150 Falcon-9-Starts 2024 brachten eigene Starlink-Satelliten ins All.

Und in Europa ist noch keins der Raketen-Start-ups so weit, dass sie kommerzielle Starts anbieten können. In Deutschland arbeiten drei Unternehmen an Trägerraketen – ob die sich alle halten können, wird sich zeigen.

Und bei aller Kritik an staatlichen Organisationen: Geld für Grundlagenforschung – und das ist wissenschaftliche Raumfahrt oft – kommt praktisch nie aus dem privaten Sektor. Soll es also auch in Zukunft Wissenschaft im All geben, dann braucht es neben New Space auch immer noch ein Stück Old Space.

Kritik an New Space: Arbeitsbedingungen und Verantwortung

Und schließlich gibt es auch an New Space genug Kritik zu üben. Elon Musk ist Berichten zufolge bei SpaceX – wie in seinen anderen Unternehmen – als extrem cholerischer Chef bekannt, der aus dem Nichts ausrastet und Mitarbeitende entlässt. Auch in anderen Unternehmen, wie Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos, wird über schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnde Sicherheitsstandards geklagt.

Dass die Raumfahrt aber immer wichtiger wird und New-Space-Unternehmen eine immer größere Rolle spielen werden, da ist sich Ludwig Möller sicher: „Und den Vergleich, den ich gerne ziehe, ist: Wir sind heute am Beginn eines Internetzeitalters der Raumfahrt. Das, was wir am Boden vor 30 Jahren erlebt haben und damals nicht erahnten, wie umfassend es uns betreffen würde – das ist etwas, was wir jetzt in der Raumfahrt erleben werden.“

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