Seltenes Himmelsphänomen

Sonnensturm trifft Erde: Gab es Polarlichter im Südwesten?

Ein Sonnensturm hat in der Nacht des 1. Septembers die Erde erreicht. Die Chance dadurch Polarlichter zu sehen, blieb im Südwesten allerdings gering. 

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Stand

Von Autor/in Emily Burkhart

Am 1. September 2025 traf ein sogenannter Sonnensturm die Erde. Solche Stürme entstehen durch einen sogenannten Koronalen Massenauswurf (CME). Dabei stößt die Sonne riesige Mengen an Plasma also elektrisch geladene Teilchen ins All. Trifft so eine Teilchenwolke auf die Erde, kann sie das Magnetfeld unseres Planeten durcheinanderbringen, aber so auch Polarlichter entstehen lassen. 

Die Teilchenwolke traf laut dem Weltraumwetterprognosezentrum der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) am 01. September gegen 23:00 Uhr MESZ auf der Erde ein. Messungen zeigten dabei einen geomagnetischen Sturm der Stärke G2 an. Damit blieben ursprüngliche Warnungen vor einem möglichen G3 oder G4-Sturm aus.   

Ein G2-Sturm gilt auf der Messskala als moderat: Für den Alltag bringt er also in der Regel kaum Probleme, allenfalls leichte Störungen in Strom- und Funknetzen oder beim GPS. Gleichzeitig erhöht sich bei einem solchen Sturm die Chance, dass Nordlichter viel weiter südlich als üblich sichtbar werden. 

Was ist ein Sonnensturm überhaupt? 

Die Sonne sendet ständig Strahlung und geladene Teilchen in den Weltraum. Diesen stetigen Teilchenstrom bezeichnet man als Sonnenwind. Wenn dieser Strom für kurze Zeit und in einem begrenzten Gebiet deutlich stärker ist als sonst, spricht man von einer Sonneneruption. Dabei wird eine Wolke aus Plasma und geladenen Teilchen ins All geschleudert, die auch die Erde erreichen kann. Dies bezeichnet man als Koronalen Massenauswurf, kurz CME. 

Das Erdmagnetfeld reagiert auf das Eintreffen der CME. Es wird verzerrt, wodurch Störungen entstehen können. Die bei uns dann in Gang gesetzten Folgephänomene nennt man dann Sonnensturm. Außerdem können so Polarlichter entstehen, indem energiereiche geladene Teilchen der Sonne auf das Magnetfeld und die Atmosphäre der Erde treffen. 

Da die Sonne etwa 200-mal so groß ist wie die Erde und der Abstand zwischen beiden Körpern mit 150 Millionen Kilometern beträchtlich ist, füllt die Erde jedoch aus Sicht der Sonne nur einen recht kleinen Raumwinkel aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Sonneneruption starke Auswirkungen auf die Erde hat, ist daher laut Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung nicht sehr groß. 

Die Nordlichter, auch bekannt als die Aurora Borealis, leuchten über den Bempton Cliffs, Flamborough, Vereinigtes Königreich am 2. September 2025. Dieses Spektakel verdanken wir dem Sonnensturm, der am 01. September die Erde traf.
In Großbritannien hatte man scheinbar mehr Glück mit den Nordlichtern: Hier leuchten sie am 2. September 2025 über den Bempton Cliffs in Flamborough.

Gab es Polarlichter im Südwesten? 

In der Nacht zum 2. September standen die Chancen auf Nordlichter in Deutschland gar nicht schlecht, allerdings vor allem im Norden. Auch in der Nacht zum 3. September bestanden theoretisch noch Chancen die Polarlichter zu sehen.

Je weiter im Süden man sich jedoch befand, umso geringer wurden die theoretischen Chancen. Für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg galt daher: Theoretisch waren zwar Polarlichter möglich, aber nur mit viel Glück. Wären tatsächlich Polarlichter zu sehen gewesen, dann hätte man hierfür in dunklen Gegenden wie der Eifel, im Hunsrück, im Pfälzerwald oder auf den Höhen von Schwarzwald und Schwäbischer Alb in den Himmel schauen müssen.  

Und selbst an einem möglichst dunklen Punkt hätte dann noch das Wetter mitspielen müssen: Vielerorts versperrten in den letzten Nächten nämlich Wolken die Sicht. 

Die Nordlichter waren am 01. September auch durch die Wolken über Saltburn-by-the-Sea in North Yorkshire, Großbritannien sichtbar. Am Dienstag könnten die Polarlichter nach dem starken Sonnensturm wieder erscheinen.
Auch über Saltburn-by-the-Sea in North Yorkshire, Großbritannienn waren die Nordlichter am 01. September durch die Wolken sichtbar.

Welche Auswirkungen und Gefahren hat so ein Sonnensturm? 

Sonnenstürme sind für Menschen ungefährlich, da die Erde durch ihr Magnetfeld und die Atmosphäre gut geschützt ist. In großen Höhen und an den Polen ist dieser Schutz allerdings schwächer, weshalb dort die Auswirkungen deutlicher spürbar sind. Sichtbare Folge sind die Polarlichter, die bei besonders starken Stürmen sogar bis nach Mitteleuropa reichen können. 

Technisch kann ein Sonnensturm allerdings Probleme bereiten. Funk- und GPS-Signale können gestört werden, weil die oberen Schichten der Atmosphäre stärker aufgeladen werden als sonst. Flugzeuge meiden bei starken Stürmen manchmal Polarrouten, um Navigationsprobleme und erhöhte Strahlung zu vermeiden. Handynetze sind dagegen in der Regel kaum betroffen. 

Auch Stromnetze können empfindlich reagieren. Durch die Verformung des Erdmagnetfeldes entstehen elektrische Ströme, die sich in langen Leitungen aufbauen und Transformatoren belasten können. Solche Probleme sind vor allem in nördlichen Regionen bekannt. Für den Alltag in Deutschland besteht aber in der Regel kein Grund zur Sorge.  

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