In einem sechsmonatigen Fellowship wurden kreative und praxisnahe Ideen gefördert, um journalistische Herausforderungen im Umgang mit sozialen Plattformen zu adressieren. Mithilfe des Fediverse und des ActivityPub-Protokolls entstanden sechs Prototypen, die zeigen, wie zukunftsfähiger, dezentraler und verantwortungsvoller Journalismus im digitalen Raum aussehen kann.
Challenge 1: Onboarding leicht gemacht.
Wie können Social-Media-Plattformen wie Mastodon den Einstieg so gestalten, dass neue Nutzer*innen sich sofort orientieren, wohlfühlen und bleiben? Das Projekt untersucht, wie das Fediverse für Einsteiger*innen zugänglicher, intuitiver und attraktiver werden kann, insbesondere durch klare UI/UX-Ansätze, die Einstiegshürden abbauen und den Weg ins dezentrale Netz vereinfachen.
Ein „One-Click-Start“-Prototyp zeigt, wie sich der Einstieg ins Fediverse spielerisch und personalisiert gestalten lässt. Neu hier? Mit einem Klick werden Nutzer*innen über 5–6 Interessen-Slides und rund 50 kuratierte Accounts nahtlos ins Netzwerk geführt. Ergänzt wird das Konzept durch die Vision offen teilbarer, personalisierter Algorithmen und einen intelligenten Onboarding-Prozess, der individuell passende Accounts und Inhalte empfiehlt.
Challenge 2: Massentaugliches Fediverse für die nächste Generation
Wie kann das Fediverse so gestaltet werden, dass es für eine breite Öffentlichkeit, insbesondere für junge Menschen attraktiv wird? Ziel ist es, eine dezentrale, unabhängige Social-Media-Erfahrung zu schaffen, die kreative Entfaltung, Vertrauen und Selbstbestimmung fördert, jenseits von Kommerz und Algorithmuszwang.
Der Prototyp zeigt, wie journalistische Inhalte, Community-Elemente und Fediverse-Strukturen zu einem offenen, öffentlich-rechtlichen Netzwerk zusammenwachsen können – einem Ort, der Vielfalt sichtbar macht, Transparenz lebt und Nutzer*innen einlädt, digitale Räume aktiv mitzugestalten.
Im Research wurde deutlich: Junge Menschen wünschen sich sichere, spielerische und inspirierende Räume, in denen sie Neues entdecken, kreativ lernen und Teil einer digitalen Gemeinschaft werden können. Feeds, die sich an ihren Bedürfnissen orientieren, Lernmomente zur Stärkung der Medienkompetenz und eine Brücke zwischen Shortform-Snack und hochwertigem Langform-Content bilden dabei den Kern des Konzepts.
Hier geht’s zum Prototypen:
Reinvent Social Platforms • infodesignerin Daniela Vey
Challenge 3: Öffentlich-rechtliche Präsenz im Fediverse stärken
Das Fediverse massentauglich(er) machen und eine demokratische, digital-souveräne Social-Media-Renaissance anstoßen, innerhalb der ARD und darüber hinaus.
Wie können Plattformen wie Mastodon im öffentlich-rechtlichen Kontext attraktiver und nutzbarer werden? Welche Formate und Prototypen zeigen, wie ein massentaugliches Angebot aussehen könnte? Und wie lässt sich die Reichweite und Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlicher Akteur*innen nutzen, um das Fediverse sichtbarer, relevanter und gemeinwohlorientierter zu gestalten?
Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines interaktiven Toolkits mit How-tos, Nutzendenprofilen und Best Practices, das öffentlich-rechtliche Institutionen zur Präsenz im Fediverse motiviert und neue Zielgruppen anspricht. Ergänzend dazu vertieft das Projekt Wissen und Sichtbarkeit rund um föderierte Plattformen: durch Research, Publikationen, Austausch und Kooperationen mit Akteur*innen aus der Medienwelt. Dabei werden Chancen und Herausforderungen des Fediverse dokumentiert – von Kommunikation und Onboarding bis zur User Experience – um langfristig ein nutzerfreundliches, demokratisches und gemeinwohlorientiertes digitales Ökosystem zu fördern.
Hier geht’s zum Toolkit:
Challenge 4: Demokratische, transparente Algorithmen im Journalismus
Wie lässt sich algorithmische Sortierung im Journalismus so gestalten, dass sie demokratische Werte, redaktionelle Hoheit und Transparenz stärkt? Gefordert sind Alternativen zu intransparenten Empfehlungslogiken und neue Wege, um das Potenzial des Fediverse für faire, nachvollziehbare und vielfältige Informationsverteilung zu nutzen, nach dem Prinzip: nicht Inhalte für Algorithmen, sondern Algorithmen für Inhalte.
Im Mittelpunkt steht der technische Prototyp FediForYou, eine Mastodon-Instanz mit einem algorithmischen Feed, die Diversität, Transparenz und Informationsqualität priorisiert. Entwickelt und getestet wird eine Fediverse-Instanz mit Bots und redaktionell steuerbaren Feeds auf Basis eines modularen Baukastenprinzips, um journalistisch kontrollierte, nachvollziehbare Algorithmen zu fördern. So entsteht ein Modell kuratierter und vertrauenswürdiger Informationsvermittlung im dezentralen Social Web.
Hier geht’s zu den Recherche-Ergebnissen:
Challenge 5: Longreads fürs Social Web
Wie können Plattformen wie Mastodon journalistische Formate jenseits des Microbloggings unterstützen? Das Projekt untersucht, wie Longreads im Fediverse publiziert, gefunden und gelesen werden können und wie föderierte Technologien dazu beitragen, Qualität, Sichtbarkeit und Vielfalt journalistischer Inhalte zu stärken.
Entwickelt wird ein technischer Prototyp für bessere Lesbarkeit und Verbreitung von Longform-Inhalten im Fediverse. Eine zentrale Komponente ist ein lesefreundlicher Vollbild-Reader, der ganze Artikel in ansprechendem Layout darstellt und journalistische Inhalte auch in föderierten Umgebungen hochwertig erfahrbar macht. Ergänzend werden Schnittstellen und Mechanismen erprobt, um Longreads im Social Web sichtbarer und leichter zugänglich zu machen.
Hier geht's zum Research:
Challenge 6: Demokratische Moderation im Fediverse
Wie kann Moderation in dezentralen Netzwerken so gestaltet werden, dass sie demokratische Prinzipien stärkt und dennoch wirksam gegen Desinformation, Hassrede und Manipulation vorgeht? Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die Transparenz, Teilhabe und Fairness fördern und Moderation als gemeinschaftliche Aufgabe zwischen Nutzer*innen, Instanzen und redaktionellen Akteur*innen zu verstehen
Entwickelt wurde ein Whitepaper zur demokratischen Moderation im Fediverse, das Leitlinien, Entscheidungsprozesse und technische Ansätze für faire und transparente Moderation beschreibt. Ergänzend dazu werden Modelle gemeinschaftlich definierter Standards und partizipativer Moderationstools untersucht, um neue Wege für vertrauenswürdige, demokratisch legitimierte Moderationspraktiken im dezentralen Social Web aufzuzeigen.