Vom Sub-Phänomen zum Milliardenmarkt

Warum wir an Animes nicht vorbeikommen

Dragon Ball Z, Naruto oder Studio Ghibli – für viele bedeuten diese Titel Nostalgie pur. Bei anderen hinterlassen sie eventuelle Fragezeichen. Doch Anime ist längst kein Nischenphänomen mehr: Unsere neue SWR X Lab Recherche „Generation Anime“ erklärt, warum Anime heute Popkultur, Community und Milliardenmarkt zugleich ist. 

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Von Autor/in Dani Woytewicz , Natalie Driever

Anime – mehr als nur Zeichentrick

Wer im Westen den Begriff „Anime" hört, hat meist sofort Bilder vor Augen: Riesige Augen, bunte Haare, japanische Schriftzeichen im Abspann. Doch das Bild greift zu kurz. 

In Japan selbst ist „Anime" schlicht das Wort für Animation – abgeleitet vom englischen animēshon. Ob Disney, Pixar oder Studio Ghibli: Aus japanischer Perspektive fällt alles darunter. Die Unterscheidung, die der Westen so selbstverständlich macht, existiert dort gar nicht. 

Was Anime tatsächlich auszeichnet, ist keine Herkunft und kein Look – sondern eine Produktionsweise. Eigene visuelle Codes, erzählerische Komplexität, vielschichtige Figuren und Themen, die sich bewusst auch an Erwachsene richten: Das unterscheidet Anime von dem, was viele schlicht als „Zeichentrick" abtun. 

Anime ist kein Genre. Anime ist ein ganzes Erzähluniversum – mit eigenen Regeln, eigener Geschichte und einer globalen Fangemeinde, die das längst verstanden hat. 

Achtung Plot-Twist: Wir alle haben schon Animes geschaut 

In den 80ern konnte ganz Deutschland sie bei ihren Abenteuern begleiten: Heidi, Wickie und Biene Maja. Die ZDF-Co-Produktionen gehörten zum Alltag vieler Kinder und Eltern, doch nur wenige wussten: Das ist Anime. Zwar basieren die Serienklassiker auf europäischen Kinderbüchern, animiert wurden sie aber in Japan. In den 90ern feierte Anime den DurchbruchSailor Moon, Dragon Ball Z oder Pokémon (RTL II, Nachmittagsprogramm) prägten den popkulturellen Alltag einer ganzen Generation. Heute hat Streaming das Genre endgültig entgrenzt. Anime ist, wo du bist. Immer. Überall. 

Der Anime-Boom – und wieso er Generationen verbindet

Die Anime-Szene wächst stetig weiter: 22 – 36 % der Menschen in Europa (inklusive Deutschland) mögen Anime – mit einem Wachstum von bis zu +9 % seit 2020.  

Besonders stark vertreten

  • Gen Z (42 %)  
  • Millennials (25 %)  

Anime ist also längst kein NerdCorner mehr. Es ist Popkultur. Und ein Gemeinschaftsgefühl ganzer Generationen. Viele Geschichten setzen auf Themen wie Freundschaft, Loyalität oder Durchhaltevermögen. Charaktere werden zu Vorbildern, mit denen sich viele Zuschauer*innen identifizieren können. Werte, die Fans weltweit in aktiven Communities verbinden.  

Kein Wunder, dass Deutschlands größte AnimeConvention, die DoKomi, 2025 rund 215.000 Besucher*innen erreichte — ein Rekord, der zeigt, wie groß und aktiv diese Zielgruppe ist. 

Wo Anime heute stattfindet 

Anime prägt den Alltag vieler Menschen – online sowie offline: Auf TikTok entstehen sogenannte „Kawaii-Edits“, Fans posten Cosplays und FanartAnime-Songs gehen viral und Gaming-Crossovers entstehen. Große Streamingplattformen wie Crunchyroll sorgen dafür, dass die Szene global wächst:  

  • rund 45.000 Episoden  
  • etwa 17 Mio. zahlende Abos  
  • Awards, Expos, Gamescom-Auftritte, Events 

Dazu kommen Netflix, Prime Video und kleinere Nischenplattformen. Auch offline wird Anime gelebt: Interaktive Community-Events, Manga-Days oder Cosplay-Wettbewerbe. Anime ist überall, vor allem dort, wo Community passiert.  

Manga – kurz erklärt 

Szenen aus einem Schwarz-Weiß-Manga

Anime übernimmt den Markt – und wir sollten hinschauen

Anime ist nicht nur Fankultur, sondern auch globales Business: ~100 Mio. € Umsatz in Deutschland, weltweit milliardenschwer. Das zeigt sich in zahlreichen Bereichen: Merch, Event-Kino, Themen-Konzerte, Mode-Kooperationen, Musik-Charts (z. B. „J-Pop“, „Anisong“), Festivals und Conventions. Anime-Fans sind eine loyale und begeisterungsfähige Zielgruppe mit großer Bereitschaft, in Zusatzangebote zu investieren. Anime ist damit kultureller Trend und wirtschaftlicher Faktor zugleich. 

Was bedeutet das für Medienmarken?  

Menschen schauen nicht nur Anime – sie erleben es. Damit wird uns Zugang zu einer Generation geboten, die Kreativität und inhaltliche Tiefe feiert sowie Community aktiv lebt. Erste Beispiele wie das ZDF-Format Tanoshii zeigen bereits, wie sich Anime-Kultur medial aufgreifen lässt. Es bietet Potenziale für: 

  • Themen für Storytelling & Reportagen  
  • Musik- und Event-Kooperationen  
  • Content auf Social Media (TikTok, Insta, YouTube) 
  • Möglichkeiten für Podcast & Shortform  
  • Bridges in Gaming, KI und Popkulturjournalismus  

Kurz: Anime ist ein Zukunftsfeld, das Vielfalt, Innovation und Relevanz miteinander verbindet.  

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick:  

Die komplette Recherche zum Thema könnt ihr hier herunterladen:

Ansprechpartnerin des Projekts

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Dani Woytewicz
Natalie Driever
Onlinefassung
Kathrin Fuchs