Filmnachwuchs trifft SWR

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Hendrike Brenninkmeyer (HB): „Wir machen eine ganz kleinen Fragerunde und starten mit den Jubilaren: Das ist mit 40 Jahren das „Debüt im Dritten“, was für viele nach dem Studium der Einstieg in die Filmwelt ist.

Johannes Naber, dass das bei dir gelingen würde, der Einstieg in die Filmwelt nach dem Studium, das war nicht von vornherein klar, oder?“

Johannes Naber: „Nee, gar nicht, ich bin ja hier aus der Schule mit einem Dokumentarfilmdiplom rausgegangen, und habe das dann auch eine Weile probiert. Das war eher Hobby, weil ich damals da nicht wirklich davon leben konnte und war dann nur Oberbeleuchter und dachte auch das bleibe ich. Aber ich habe dann nebenher Drehbücher geschrieben, weil ich doch die Idee hatte, dass ich weiter Geschichten erzählen will. Zehn Jahre nach meinem Diplom war es dann Stefanie Groß, die das gesehen hat, nachdem viele es nicht gesehen hatten. Dann ging es seinen Gang – ich hatte ja keine Inszenierungserfahrung und dann gab es 2007 von euch den Auftrag einen Kurzfilm zu drehen für damals 5.000 Euro. Dann habe ich den Kurzfilm gedreht, um meine Inszenierungsqualitäten unter Beweis zu stellen. Daraufhin durfte es los gehen und ich habe 2009 meinen Debütfilm gedreht, nachdem ich 1999 mein Diplom gemacht hatte. Es hat also eine Weile gedauert und ich kann das hier glaube ich sagen: Ohne diese Debüt-Reihe wäre ich jetzt noch Oberbeleuchter, was auch nicht schlecht war.“

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„Ohne Debüt wäre ich noch Oberbeleuchter”: Johannes Naber (,2. v. li.). Patricia Neligan

„Wie erkennt man denn Talente?“

Stefanie Groß (Debüt im Dritten): „Wir suchen gesellschaftlich relevante Stoffe und auch emotional relevante Stoffe, im besten Fall ist beides kombiniert. Ich könnte auch einiges an Kriterien aufzählen, die wahrscheinlich auch für andere Sendeplätze gelten – spannende, bunte, vielschichtige, schillernde Figuren, ein guter Handlungsaufbau, Figurentiefe, Geschmack. Spezifische Kriterien für das Debüt: Originalität. Nicht den 27. Aufguss einer Geschichte, die schon x-Mal erzählt wurde, oder wenn, dann ein Thema aus einer neuen Perspektive, wo wir eine eigene Handschrift erkennen können, was genau diesen Film speziell macht. Ein Kriterium, das immer wichtiger wird: eine porentiefe Recherche. Der Kosmos, der erzählt wird, ist nicht oberflächlich recherchiert, sondern wirklich erlebt. Vielleicht gibt es deshalb so viele Coming-of-Ages gibt, so das erste Erlebnis im Leben eines Menschen, das prägend war und für diesen Regisseur vielleicht zum Thema wird. Aber auch so das Thema der ersten Backstory-Wound. Vielleicht kennt sich eine kreative Person mit nichts so gut aus wie mit dieser Backstory-Mood-Erfahrung. Deswegen haben wir viele solcher Filme, die sehr berühren und in die Tiefe gehen, wie beispielsweise „Die beste aller Welten“ oder beim Film „Elana“ von Milena Aboyan: Sie kennt diesen Kosmos wirklich porentief. Sie kennt das Geschlechterverhältnis, die Machtstrukturen in den Familien, sie kennt die Bedürfnisse ihrer Heldin. Alles, aus dem eigenen Erleben heraus. Dann hat es nicht diesen oberflächlichen Geschmack von etwas, das recherchiert wurde und dann erzählt wird und sich dann so papiermäßig anfühlt. Sondern man spürt es sozusagen dann bis in den letzten Winkel.“

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„Porentiefe Recherche wird immer wichtiger.” Stefanie Groß („Debüt im Dritten“, 2. v. li.) im Talk mit SWR Moderatorin Hendrike Brenninkmeyer. Patricia Neligan

„Lena, du hast den Dokumentarfilm „Hundesoldaten“ gemacht: Wer hat dir die Türen geöffnet oder musstest du erst mal feste dagegen rennen?“

Lena Leonhardt (Regisseurin, Doku „Hundesoldaten“): „Es war erst mal nicht auf Gegenliebe gestoßen, erst mal das mit den Hunden, dann die Bundeswehr, soll man denen eine Plattform geben, wie schwer wird es an die Soldaten ranzukommen, weil es viele Filme bei der Bundeswehr gezeigt haben, dass es schwierig ist, diese Türen überhaupt zu öffnen. Aber genau das war ja meine Idee, durch die Hunde irgendwie ranzukommen und eine gewisse Emotionalität zu erzeugen. Das war erst mal schwierig rüberzubringen – deshalb: Pitching-Training ist sehr wichtig.“

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„Die Türen bei der Bundeswehr zu öffnen war schwierig”, erzählte Lena Leonhardt (Regisseurin, 2. Bildmitte) Patricia Neligan

„Ist es auch eine Stärke des SWR vielleicht auch für Themen, die auf den ersten Blick in diesem Genre nicht so sexy erscheinen da zu sein und da einen unkonventionellen Blick drauf zu haben?“

Marcus Vetter (Junger Dokumentarfilm): „Wir haben beim jungen Dokumentarfilm den riesigen Vorteil, dass wir nicht unbedingt auf den Erfolg aus sein müssen, sondern dass wir auch Themen akzeptieren, wo man mutig sein muss und noch nicht den oder die Celebrity drin hat. Ich bekomme es beispielsweise bei Netflix mit, dass sie sich gar nicht mehr auf Produktionen einlassen, die einen offenen Ausgang haben. Bei offenen Ausgängen entstehen aber oft die besten Filme. So ist das Leben und so spielen die Geschichten.“

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„Bei offenen Ausgängen entstehen oft die besten Filme”, so Marcus Vetter („Junger Dokumentarfilm“, li.) im Talk mit SWR Moderatorin Hendrike Brenninkmeyer. Patricia Neligan

„Apropos mutig sein, Lotta. Du bist junge Produzentin, hast den Kurzfilm „Maseltov Cocktail“ mitproduziert und Babystar war dein Abschlussprojekt, das hast du dann auch gleich selbst produziert. Das hat mich jetzt erstaunt: Sowas als Studentin zu gründen, ist das so easy?“

Lotta Schmelzer (Produzentin/LiseLotte Film): „Ich habe während des Studiums mit Lisa Purtscher zusammen die Produktionsfirma LiseLotteFilms gegründet. ‚Babystar‘ war unser Abschlussprojekt und kurz danach kam der Junge Dokumentarfilm vom SWR wo wir „There you go“ gepitcht haben, mit Kim Hess als Regisseurin. Und wir freuen uns total, weil das das erste Projekt außerhalb der Filmhochschule ist. Nächstes Jahr machen wir auch unseren ersten Spielfilm mit dem SWR. Es ist natürlich alles sehr schön, aber auch nicht alles total easy. Wenn man aber eine gute Partnerin hat in der Produktion und in der Regie, sich hier an der Filmakademie kennengelernt und ein gutes Netzwerk hat, das einen in vielen Situationen auch auffangen kann, dann kriegt man das hin.“

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Lotta Schmelzer (Produzentin, 2. v. re.) im Talk mit SWR Moderatorin Hendrike Brenninkmeyer: „Der erste Spielfilm ist schön, aber auch nicht easy.” Patricia Neligan

„Gerrit, wenn man googelt denkt man, du bist ein erfolgreicher, prämierter Schauspieler – wenn man dann aber weiter schaut, dann merkt man, ah – er ist auch ein prämierter Produzent. Demnächst auch Tatort-Produzent. Konntest du dir das als Student auch schon vorstellen?“

Gerrit Klein (Produzent/Giganten Film): „Das war auf jeden Fall das Ziel, auch schon als Student. Beim Bewerbungsgespräch hier bei Christian Ode war auch eine Frage „Wer hat den letzten Tatort gesehen?“ Da konnte ich – wie wahrscheinlich die meisten anderen in der Zeit – nicht ja sagen. Dann hat man sich natürlich damit auseinandergesetzt, was man da eigentlich studiert. Filme machen, das heißt nicht nur Kinofilme, sondern Fernsehen, Serien und da ist den meisten, zumindest in meinem Jahrgang klar geworden: Fernsehfilme.“

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„Filme machen heißt nicht nur Kinofilme, sondern auch Fernsehen und Serien”, so Gerrit Klein (Produzent/Regisseur, re.) Patricia Neligan

„Und dann stand am Ende der Tatort – das sind ja dann auch schon ganz andere Publikumszahlen, mit denen man dann konfrontiert ist.“

„Dazwischen sind jetzt mittlerweile 13 Jahre vergangen, das ist also schon ein langer Weg vom Bewerbungsgespräch hier an der Filmakademie zum Tatort-Pitch. In 13 Jahren passiert dann auch ganz viel, wir durften auf dem Weg dahin vieles produzieren. Es gibt einen runden Tisch vom SWR bei der MFG ich war dann viele Male Zuhörer und es wurde oft davon geredet, wie schade es ist aus Produzentensicht, dass der Tatort vom SWR eigenproduziert wird. Dass er zukünftig ausgegeben wird, ist glaube ich eine große Chance. Und wir freuen uns über diese Chance.“

„Du arbeitest zurzeit auch an einer Serie – wie es der Zufall so will – zusammen mit Katharina Dufner. Abteilungsleiterin Serie beim SWR, und in der Arbeitsgruppe plattformpromotende Produktionen. Katharina – Welche Inhalte werden denn gerade promotet?“

Katharina Dufner (Mediathek-Serie): „Wir versuchen ja mit den Mediathek-Serien Menschen zu erreichen, die wir in den letzten Jahren vernachlässigt haben. Wir versuchen da nach anderen Kriterien Serien zu entwickeln, die – wir nennen das Modern Mainstream sind. Also mit der übergeordneten Frage: Würde sich Netflix für diese Serie interessieren? Und wenn wir diese Frage mit ja beantworten, dann wollen wir uns gerne damit beschäftigen. Wir machen als gesamte ARD jährlich sieben davon. Die Genres: Es geht um Suspense – wir hatten vorhin die Mystery-Serie „Haus of Yang“ genannt, es geht auch um Comedy, um Romance und wir versuchen damit nochmal einen neuen Schwerpunkt zu legen. Mit Geschichten, die populär sind, Geschichten für Menschen, die uns entweder nicht mehr kucken oder vielleicht noch nie gekuckt haben. „Testo“ und „Asbest“ sind zwei Serien in der ARD Mediathek, bei denen man gemerkt hat, dass Menschen sich da plötzlich zu uns bewegen, die sich davor eigentlich nicht für uns interessiert haben. Diese Arbeitsgruppe ist eine ARD-weite AG, in der wir euch insgesamt sieben „Best of“ pro Jahr in der Mediathek anbieten wollen.“

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„Wir arbeiten an Serien, die Modern Mainstream sind”: Katharina Dufner (Mediathek-Serie). Patricia Neligan

„Gibt es Stoffe die sowohl im linearen Fernsehen als auch in der Mediathek funktionieren?“

„Ja, auch das wurde schon genannt: „Spuren“ war ein solcher Stoff. Das war die eierlegende Wollmilchsau. Wir versuchen zwei Mal im Jahr eine Premium-Serie zu machen, die ein linearer Erfolg werden und gleichzeitig in der Mediathek eine hohe Benchmark erreichen. Aber das ist wirklich schwierig, da wir ja von unterschiedlichen Zielgruppen ausgehen. Und auch diese Zielgruppen explizit bedienen wollen. Das ist vielleicht neu für die Mediathek-Serien haben wir auch nochmal einen großen Schwerpunkt auf Distribution gelegt. An unserem Stand nachher ist auch Simone Tann, die kann euch auch nochmal erzählen, was uns bei der Distribution so wichtig ist. Beim runden Tisch der MFG geht es ja auch immer wieder um die Frage, wie können wir Inhalte nicht einfach nur herstellen, sondern passgenau herstellen für Zielgruppen, mit denen wir uns vorher beschäftigen und wie können wir diese Inhalte dann zu den Zielgruppen bringen?“

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SWR