Der Südwestrundfunk (SWR) befindet sich derzeit in einem umfassenden Transformationsprozess, um den sich rasant verändernden Rahmenbedingungen gerecht zu werden: Die Menschen nutzen Medien ganz anders als früher, die Konkurrenz durch (internationale) Plattformen und Streaming-Anbieter wächst und dadurch auch die Erwartungen an den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk.
Auf diese Anforderungen reagiert der SWR neben Veränderungen im Programm und Angebot auch strukturell mit dem SWR Struktur-Update. Durch diesen Prozess wird eine neue, zukunftsorientierte Organisationsstruktur geschaffen, die ab dem 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Ziel ist es, den SWR effizienter, flexibler und besser vernetzt aufzustellen, um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu bewältigen.
Hintergrund des Struktur-Updates
Ausgangspunkt für diese tiefgreifende Reform ist der neue SWR-Staatsvertrag, der am 1. September 2025 in Kraft getreten ist. Er sieht unter anderem die Auflösung der bisherigen Landessenderdirektionen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vor. Im Zuge dieser Veränderung soll die Struktur des SWR vereinfacht und die Zusammenarbeit innerhalb des Hauses noch weiter gestärkt werden.
Am 21. November 2025 hat der Verwaltungsrat des SWR einer aktualisierten Organisationsverfügung zugestimmt. In der Organisationsverfügung ist die interne Struktur des SWR festgeschrieben, zum Beispiel wie viele Direktionen es gibt und wie Aufgaben auf die verschiedenen Direktionen mit ihren Hauptabteilungen verteilt werden. Die aktualisierte Organisationsverfügung tritt am 1. Januar 2027 in Kraft tritt. Damit wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht, der den Weg für eine moderne, leistungsfähige und regionale Ausrichtung des SWR ebnet.
Die neue Direktionsstruktur
Die zukünftige Struktur des SWR basiert auf sechs Direktionen, die sich in drei Programmdirektionen und drei Direktionen für übergreifende Aufgaben aufteilen:
Programmdirektionen:
Programmdirektion Kultur, Junge Angebote und Portfolio-Management (Standort: Baden-Baden)
Programmdirektion Information, Unterhaltung und Baden-Württemberg (Standort: Stuttgart)
Programmdirektion Wissen, Gesellschaft und Rheinland-Pfalz (Standort: Mainz)
Übergreifende Direktionen:
Justitiariat (Standort: Mainz)
Direktion Technik und Produktion (Standort: Baden-Baden)
Direktion Organisation, Administration und Audience: Diese übernimmt Verwaltungs-, Service- und Transformationsaufgaben für den gesamten SWR (Standort: Stuttgart).
Die Zahl der Programmdirektionen wird also von vier auf drei reduziert. Alle Direktionen übernehmen noch stärker als bisher standortübergreifende Verantwortung.
Regionalität als Kern der SWR-Identität
Auch in der neuen Struktur bleibt Regionalität ein zentraler Bestandteil der SWR-Identität und wird durch die neue Struktur weiter gestärkt. Die Programmdirektionen in Mainz und Stuttgart tragen weiterhin in besonderem Maße die Verantwortung für die jeweiligen Landesinhalte und -wellen sowie die Regionalstudios in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Gleichzeitig übernehmen sie standortübergreifend Verantwortung für das gesamte Aktualitätsangebot des SWR und weitere überregionale Bereiche. Regionalität wird darüber hinaus durch die neue Struktur als Querschnittsaufgabe aller Programmdirektionen gestärkt. Die enge Verbindung zu den Menschen im Südwesten und die Berichterstattung über die Regionen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind und bleiben ein Markenzeichen des SWR.
Nächste Schritte im Prozess
Mit der beschlossenen Organisationsverfügung ist der Grundstein für die neue Struktur gelegt, doch der Transformationsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Im Jahr 2026 werden die Details der neuen Organisation auf den Ebenen unterhalb der Direktionen und Hauptabteilungen in verschiedenen Projekten ausgearbeitet. Diese Projekte beschäftigen sich insbesondere mit der konkreten Ausgestaltung neuer Aufgabenbereiche, der Verantwortungsverteilung und mit Fragen der Zusammenarbeit.
Zudem laufen bereits seit Anfang dieses Jahres die Haushaltsplanungen für die Umsetzung der neuen Struktur. Ziel ist es, dass alle Vorbereitungen bis zum 1. Januar 2027 abgeschlossen sind, damit der Übergang in die neue Organisation reibungslos gelingt.
Der SWR im Wandel
Mit dem Struktur-Update stellt sich der SWR den Herausforderungen einer sich wandelnden Medienlandschaft. Die neue Struktur ermöglicht es, noch flexibler und zielgerichteter zu agieren, ohne dabei die regionale Verwurzelung und den öffentlich-rechtlichen Auftrag aus den Augen zu verlieren. Der Transformationsprozess ist eine Chance, den SWR zukunftssicher und effizient aufzustellen, um weiterhin ein verlässlicher Partner für die Menschen im Südwesten zu sein.
Berufungsverfahren der Direktorinnen und Direktoren beim SWR
Im Rahmen des laufenden SWR Struktur-Updates hat sich der Rundfunkrat des SWR am 27. März 2026 mit der Besetzung zweier neuer Direktionen befasst, der Verwaltungsrat wird sich damit am 17. April 2026 befassen. Konkret geht es um die Leitung der Programmdirektion Wissen, Gesellschaft und Rheinland-Pfalz sowie um die Leitung der Direktion Organisation, Administration und Audience. Intendant Kai Gniffke wird in diesen Sitzungen seine Vorschläge für die entsprechenden Positionen unterbreiten. Die Entscheidungen dieser Gremien stellen einen weiteren wichtigen Schritt in der Umsetzung der neuen Organisationsstruktur dar.
Ablauf des Berufungsverfahrens
Die Berufung der Direktorinnen und Direktoren des SWR erfolgt auf Grundlage eines klar definierten und transparenten Verfahrens, das im SWR-Staatsvertrag geregelt ist. Ziel ist es, die besten Kandidatinnen und Kandidaten für die Leitung der Direktionen auszuwählen und dabei den Grundsätzen der Fairness und Nachvollziehbarkeit zu folgen.
1. Öffentliche Ausschreibung
Der erste Schritt im Berufungsverfahren ist die öffentliche Ausschreibung der zu besetzenden Direktionsstelle. Dies gewährleistet, dass sich qualifizierte Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen bewerben können. In der Ausschreibung werden die genauen Anforderungen an die Position sowie die Auswahlkriterien transparent dargelegt.
2. Bewerbungsgespräche und Auswahlprozess
Nach Eingang der Bewerbungen folgt ein strukturierter Auswahlprozess, in dem die Kandidatinnen und Kandidaten auf ihre fachliche und persönliche Eignung geprüft werden. Hierbei werden die notwendigen Qualifikationen und Kompetenzen der Bewerberinnen und Bewerber anhand der festgelegten Auswahlkriterien bewertet.
3. Vorschlag durch den Intendanten
Auf Basis der Ergebnisse des Auswahlprozesses schlägt der Intendant eine geeignete Person für die zu besetzende Direktionsstelle vor.
4. Zustimmung durch Rundfunkrat und Verwaltungsrat
Der Vorschlag des Intendanten wird anschließend dem Rundfunkrat und dem Verwaltungsrat zur Abstimmung vorgelegt. Beide Gremien prüfen die vorgeschlagene Person und entscheiden mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen über die Berufung. Sollte die erforderliche Mehrheit nicht erreicht werden, findet eine erneute Abstimmung statt.
5. Amtszeit und erneute Berufung
Die Direktorinnen und Direktoren werden für eine Amtszeit von fünf Jahren berufen. Eine erneute Berufung ist möglich und erfolgt ebenfalls auf Vorschlag des Intendanten mit Zustimmung der Gremien.
Das transparente Berufungsverfahren unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen Auswahl von Führungspersönlichkeiten, die den SWR in die Zukunft führen und den öffentlich-rechtlichen Auftrag in einer sich stetig verändernden Medienlandschaft erfolgreich umsetzen können.