Der Fuchs: das Wappentier von REPORT MAINZ

Als einziges Politikmagazin hat REPORT MAINZ ein Wappentier – den Fuchs. Wie es dazu kam, wofür er steht und warum Füchse im Fernsehstudio ein Problem sein können.

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Stand

Zum ersten Mal pirschte der Fuchs 1997 durch den REPORT MAINZ-Vorspann – und damit über die Fernsehschirme von Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern. Premiere für das Wappentier des Politikmagazins, das bald zum Erkennungszeichen wurde. Seit rund 30 Jahren wird REPORT MAINZ mit dem Fuchs identifiziert. Anfang der 2000er Jahre war der Fuchs so bekannt, dass Harald Schmidt in seiner Late Night Show sagte: „Report – das sind doch die mit dem schlauen Fuchs…“

 

Fuchs1997

Der langjährige REPORT MAINZ-Moderator und SWR-Chefredakteur Fritz Frey erinnert sich noch, wie REPORT MAINZ auf den Fuchs kam. Als das Erscheinungsbild der Sendung überarbeitet werden sollte, kam eine Kollegin aus der Grafik auf Fritz Frey, damals Chef vom Dienst (CvD), zu: „Ich hab da was Verrücktes, kann ich Ihnen das mal zeigen?“, fragte ihn Claudia Aymar, damals federführend verantwortlich für das Erscheinungsbild des SWF. Und sie zeigte dem überraschten CvD einen Fuchs, der über den Bildschirm tigert – sollte das der Vorspann eines seriösen, renommierten Politikmagazins werden? Er wurde es – und ist seitdem nicht mehr wegzudenken. REPORT MAINZ siedelte 1998 aus Baden-Baden um nach Mainz – und mit der Sendung und ihren Machern natürlich auch der Fuchs.

Seitdem hat er sein Revier – das REPORT MAINZ-Studio und den Vorspann – nicht mehr verlassen. Im Laufe der Jahre hat der Fuchs allerdings verschiedene Erscheinungsformen angenommen: Vom echten Fuchs über einen digitalisierten Fuchs aus Bits und Bytes bis hin zum Banksy-Graffiti-Fuchs und zu einem computeranimiert-gezeichneten Fuchs.

 Schwierige Dreharbeiten mit Fuchs „Benny“

Dass der Trend zum computeranimierten Fuchs ging, hatte auch ganz praktische Gründe. Hannes Kramer, lange Jahre Grafiker im SWR, erinnert sich: Für einen Relaunch der Sendung sollte er zusammen mit seiner Kollegin Denise Wasserburger einen neuen Fuchs drehen. „Keine Routinesache, da wir bislang noch nie mit einem Tier gearbeitet hatten“, erzählt Kramer. Sie mussten jedoch schnell erfahren, dass man Füchse nicht wirklich dressieren kann – das einzige, was man ihnen offenbar beibringen kann, ist, von links nach rechts zu laufen.

 

Der Fuchs von REPORT

Über eine Agentur fanden sie einen garantiert zahmen, kameratauglichen Fuchs. „Es war Benny aus Österreich, ein ziemlich verschüchtertes junges Tier, das vor Aufregung erstmal das Studio markieren musste.“ Trotz vielfältiger Animationsversuche konnte Benny sein verhuschtes und schüchternes Wesen nicht verleugnen. Er war eher auf der Flucht vor der Kamera, keine Spur von Selbstbehauptungswille und Cleverness.

Das Ergebnis eines langen Arbeitstages: „Wir hatten am Ende des Tages zirka vier Stunden Material, um daraus 15 Sekunden zu destillieren. Aber selbst diese ausgewählten Szenen hinterließen nicht unbedingt den Eindruck eines aufmerksamen und mutigen Tieres. Erst in Kombination mit anderen Szenen, entsprechender Musik und der Einbindung ins Design konnte ein Ergebnis erzielt werden, das man als 'tough' bezeichnen könnte“, erzählt Kramer.

Fuchsdame „Fritzi“ erwies sich als bewegungsfaul

Einige Jahre später, beim nächsten Relaunch, unternahmen die Kollegen noch einmal den Versuch, den Fuchs als selbstbewusstes Wappentier von REPORT MAINZ zu etablieren. „Diesmal war es ‚Fritzi‘ aus Luxemburg, eine schon etwas ältliche, sehr verschmuste Fuchsdame. Wir haben nicht so viel Material gedreht wie bei Benny, was auch daran lag, dass Fritzi etwas bewegungsfaul war. Das machte zwar die Sichtung des Materials wesentlich einfacher, erforderte jedoch mehr Aufwand bei der Nachbearbeitung, um den Fuchs spannend ins Bild zu setzen.“ Für Hannes Kramer war spätestens dann klar: Tiere fühlen sich im Studio nicht wohl, beim nächsten Mal sollte es ein computergenerierter Fuchs werden.

 

Fuchs 2006

Brehms Tierleben sieht den Fuchs als „Sinnbild der List“

Doch warum überhaupt ein Fuchs? In seiner Rede zum 40-jährigen Bestehen von REPORT MAINZ hat der damalige SWR-Intendant Peter Voß sich darauf einen Reim gemacht. Er zitierte aus „Brehms Tierleben“, zweite Auflage 1893: „Unter den in unserem Vaterlande wild lebenden Säugetieren steht der Fuchs unzweifelhaft obenan. Kaum ein anderes Tier (..) genießt einen so hohen Ruhm und erfreut sich einer so großen Bekanntheit wie Freund Reineke, das Sinnbild der List, Verschłagenheit, Tücke, Frevelhaftigkeit und, wie ich sagen möchte, gemeinen Ritterlichkeit.“

 

Fuchs 2006

Beim Nachschlagen habe er sich gefragt, ob diese Attribute auch zur REPORT-Truppe passen. „Ruhm und Bekanntheit - zweifellos. List - die braucht ein Reporter bisweilen. Aber Verschlagenheit, Tücke und Frevelhaftigkeit? Doch wohl kaum beim journalistischen Handwerk! Ist der Fuchs also überhaupt das richtige Wappentier für das Magazin, dessen runden Geburtstag wir heute feiern - oder müssen wir ihn ausmustern?“, fragte Intendant Voß in seiner Rede.

 „Keine Schnupper-Recherche, kein Häppchen-Journalismus“

Doch es gebe Gemeinsamkeiten, so Voß: Wie der Fuchs steckten Journalisten ihre Nase bekanntlich in alles - das sei ihre Aufgabe. Viele Rechercheure in der freien Wildbahn täten es ihnen gleich, allerdings beließen sie es dabei: Kurz mal schnuppern, dann weiter, nächstes Thema. Der Fuchs sei da anders. Das habe schon Shakespeare gewusst, wandte Voß ein und zitierte aus Henry VI, Teil III: „But when the fox hath once got in his nose, He’ll soon find means to make the body follow.” Er schlussfolgerte: „Wenn der Fuchs erst einmal seine Nase irgendwo reingesteckt hat, dann steckt er bald auch ganz drin. Schnupper-Recherche, Häppchen-Journalismus - das reicht ihm eben nicht. Er gehört zu denjenigen Jägern, die man mit einem Modewort als ‚nachhaltig‘ bezeichnet.“

Die Ausdauer sei eine der Kardinaltugenden des Fuchses. Eine andere sei die Fairness. Und das müsse übrigens auch Alfred Brehm zugestehen. Er habe das Jagdverhalten des Fuchses untersucht und festgestellt: „Seine Jagd gilt allem Getier von dem jungen Reh an bis zum Käfer hinab. Er schont weder jung noch alt.“ Wenn man diese Beobachtung ins journalistische Revier übertrage, heiße das: Vor dem REPORT-Fuchs dürfe sich keiner sicher fühlen.

Fuchs 2016

Es habe eine Zeit gegeben, so Voß, da seien politische oder zeitkritische Magazine in Deutschland Gesinnungsfernsehen gewesen. „Das mag auch Vorteile haben: Schon bevor man einschaltet, weiß man, was einen erwartet - jedenfalls keine unangenehmen Überraschungen. Aber solches Fernsehen verengt den Blick des Zuschauers, und vor allem schmeckt es irgendwann, ziemlich schnell sogar, fad. Das ist nichts für den Fuchs. Er liebt abwechslungsreiche Kost.“

 „Ein so zähes Tier hat eine Zukunft“

Das Leben in der Wildnis sei rau und manchmal entbehrungsreich. Im Fernsehen sei es nicht viel anders, sagte Voß. REPORT sei aber - allen Wechselfällen zum Trotz - immer noch da und vital wie nie. „Die Gründe: Ein sicheres Gespür für Themen, Hartnäckigkeit, zuverlässige Recherche, Unberechenbarkeit im besten Sinne. Das sind die Markenzeichen der Sendung“, betonte Voß.

Alfred Brehm habe in Brehms Tierleben schließlich auch festgestellt, dass der Fuchs überall anzutreffen sei. Sein Charakter lasse ihn „allerorten passende Wohnplätze finden, wo andere Raubtiere, aus Mangel an solchen, sich nicht aufhalten können, und seine List, Schlauheit und Gewandtheit befähigen ihn, diese Wohnsitze mit einer Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit zu behaupten, welche geradezu ohne Beispiel dasteht." Intendant Voß beendete seine Rede mit dem Fazit: „Da ist was dran, und wenn man Wohnplätze durch Sendeplätze ersetzt, dann weiß man, warum der Fuchs stets seine Beute und REPORT sein Publikum findet. (…) Ein so zähes Tier, da dürfen wir gewiss sein, hat jedenfalls eine Zukunft.“

Mainstage Fuchs
Erstmals publiziert am
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Autor/in
SWR