Wie fühlt sich REPORT MAINZ-Moderatorin Nadia Kailouli, wenn sie live auf Sendung geht, was ist für Chefin vom Dienst Swantje Hirsch der spannendste Moment einer Sendung und wie sieht für Redaktionsleiter Achim Reinhardt die Zukunft von REPORT MAINZ aus? Drei Fragen an die Macherinnen und Macher der Sendung.
Drei Fragen an REPORT MAINZ-Moderatorin Nadia Kailouli
Nadia Kailouli moderiert seit 2024 das ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ.
1) Ein REPORT-Dienstag, 21:45 Uhr, Du stehst im Studio vor der Kamera, das Rotlicht geht an - live im Ersten. Wie fühlt sich das an?
Aufregend fühlt sich das an. Zu wissen, da sitzen jetzt Millionen Menschen vor dem Fernseher und jetzt geht es darum: Bleiben sie dran, sind sie interessiert, sich die Sendung jetzt anzuschauen, fühlen sie sich eingeladen und angesprochen, dran zu bleiben?
... Und ich bin immer noch nervös.
2) Was ist Dir wichtig bei Deinen Moderationen?
Mir ist wichtig, dass die Menschen erkennen „Oh wow, das ist interessant, da möchte ich jetzt aber mehr erfahren." Auch wenn es sie bei manchen Themen persönlich nicht direkt betrifft, am Ende der Sendung zu verstehen: Das waren wichtige gesellschaftspolitische Themen, und ich habe durch die Sendung sogar Hintergründe besser verstanden.
3) Du bist als Journalistin selbst mit der Kamera unterwegs, lehrst Journalismus an einer Hochschule. Was ist für Dich der Reiz und die Herausforderung, REPORT MAINZ zu moderieren?
Ich empfinde eine Verantwortung. Den Menschen und auch meinen Studierenden zu vermitteln: Hey da draußen passiert so viel, vieles, was vielleicht unentdeckt bleiben soll, oder was ungerecht ist. Wir als Journalistinnen und Journalisten haben das große Privileg und die Herausforderung, diese Themen sichtbar und verständlich zu machen. Ich finde, das gelingt uns mit REPORT MAINZ sehr gut.
Drei Fragen an REPORT MAINZ-Redaktionsleiter Achim Reinhardt
Achim Reinhardt ist Redaktionsleiter von REPORT MAINZ, außerdem leitet er die Abteilung Investigation und Recherche im SWR.
1) REPORT MAINZ wird 60 Jahre – was bedeutet das? Das Zeichen, bald in Rente zu gehen?
Das zeigt vor allem: Uns geht die Puste noch lange nicht aus. Denn wir haben das, was investigative Journalisten und Langstreckenläufer unbedingt brauchen: einen langen Atem. Den beweisen wir mit unserer Sendung und vor allem auch mit unseren Recherchen. Wir geben uns nicht vorschnell mit Antworten zufrieden, surfen nicht auf der Oberfläche, sondern bohren tiefer, haken nach und bleiben an Themen dran, auch gegen Widerstände.
60 Jahre REPORT MAINZ bedeuten: Enorm viel Erfahrung mit brisanten Recherchen, eine starke Redaktion mit hervorragenden Journalistinnen und Journalisten, eine tolle Moderatorin und ein bewährtes Teamplay mit unserem Justitiariat und der Produktion. 60 Jahre REPORT MAINZ verdeutlichen aber auch unsere Innovationskraft und Wandlungsfähigkeit – in Bildsprache, Themenauswahl und Storytelling haben wir uns immer wieder upgedatet. Und 60 Jahre REPORT MAINZ zeigen schließlich, dass hochwertiger investigativer Journalismus zwar anstrengend und unbequem sein kann, aber seit Jahrzehnten volle Rückendeckung genießt: in der ARD, bei uns im SWR, von den Programmverantwortlichen und den Gremien. Dafür sind wir dankbar – denn das garantiert kontinuierlich hohe journalistische Qualität.
2) Haben sich Politikmagazine wie REPORT MAINZ nicht allmählich überlebt?
Totgesagte leben länger. Der vermeintliche Niedergang der Politikmagazine wird schon beschworen, seit es die Magazine gibt. Doch hier gilt, was Mark Twain mal über einen verfrühten Nachruf gesagt haben soll: „Die Berichte über meinen Tod sind stark übertrieben.“ Kaum eine Sendung hat sich als so überlebensfähig und unverzichtbar erwiesen wie die Politikmagazine. Zum Glück sieht unser Publikum das genauso: Mehr als zwei Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer schalten uns regelmäßig ein, und auch auf Social Media und in der ARD-Mediathek erreichen unsere Recherchen ein Millionenpublikum.
Gerade aktuell werden investigative Recherchen mehr denn je gesucht und geschätzt. Kein Wunder: Wir leben in welt- und innenpolitisch herausfordernden Zeiten, erleben polarisierte Debatten und eine starke Politisierung der Gesellschaft. Angesichts von „Fake News“, Populismus, gezielter Desinformation und zunehmenden KI-Fälschungen stehen verlässliche Informationen hoch im Kurs. REPORT MAINZ setzt auf gründliche Recherchen, ist unvoreingenommen, unabhängig und kritisch nach allen Seiten. In den vergangenen 60 Jahren haben wir uns große Glaubwürdigkeit erarbeitet – das ist unser höchstes Gut.
3) Wie sieht die Zukunft von REPORT MAINZ aus?
Die Zukunft von REPORT MAINZ hat schon angefangen: Wir arbeiten längst an der digitalen Transformation und haben neue Ausspielwege für investigative Recherchen gefunden. Regelmäßig produzieren wir Filmbeiträge „online first“, also für nonlineare Ausspielwege und für ein jüngeres Publikum. So haben wir Recherchen zu dubiosen Subunternehmern von "Uber" & Co., zu Kinderarmut oder zu Komplikationen bei Kaiserschnitten als längere Reportagen für YouTube konzipiert und in unserer Sendung als Kurzfilm ausgespielt.
Zusammen mit den anderen Politikmagazinen haben wir „ARD team.recherche“ als junge digitale Marke auf TikTok, Instagram, Facebook und YouTube erfolgreich gemacht. Außerdem produzieren wir als „ARD team.recherche“ investigative Dokus für ein streamingaffines jüngeres Publikum in der ARD-Mediathek. Auch diese Storys spielen wir bei REPORT MAINZ aus – damit erweitern wir unser Themenspektrum und verjüngen unser Storytelling.
Drei Fragen an Swantje Hirsch, Chefin vom Dienst von REPORT MAINZ
Swantje Hirsch ist Chefin vom Dienst von REPORT MAINZ, sie plant die Sendungen und Filmbeiträge zusammen mit den Autorinnen und Autoren.
1) Worin liegt die besondere Herausforderung, eine Sendung wie REPORT MAINZ zu planen?
Es ist auch nach mehreren Jahren gar nicht so einfach zu antizipieren, was unsere Zuschauerinnen und Zuschauer in drei Wochen interessieren könnte. Nach jeder Sendung diskutieren wir in der Redaktion darüber aufs Neue. Da muss die Mischung stimmen: von eigens gesetzten investigativen Recherchen über Hintergründe zu aktuellen Themen bis zu aufwendigen Langzeit-Recherchen. Gerade im Bereich der politischen Berichterstattung ist es wichtig, dass die Beiträge von der Machart zwar unterschiedlich sein können, aber für alle Zuschauerinnen und Zuschauer verständlich sind.
2) Was ist für eine CvD der spannendste Moment rund um die Sendung? Der Blick auf die Quoten am Tag danach? Wenn es losgeht in der Regie?
Ein toller Moment ist natürlich, wenn in der Regie die letzten zehn Sekunden bis zum Beginn der Sendung runtergezählt werden. REPORT MAINZ ist jedes Mal „live on air“. Da kann bis zum Beginn noch einiges passieren. Zum Beispiel technische Probleme plötzlich auftauchen oder aber ein Anwaltsschreiben spontan reinkommen. Insofern atme ich immer auf, wenn Nadia am Ende der Sendung sagt: „Tschüss, machen Sie es gut“. Und wenn dann am nächsten Morgen auch noch die Quote stimmt und uns die Zuschauerinnen und Zuschauer damit bestätigen, dass wir eine gute und interessante Arbeit abgeliefert haben, sind wir sehr zufrieden.
3) 30 Minuten live in der ARD alle 3 Wochen - die Zuschauer sehen, was am Ende über den Bildschirm geht oder in der Mediathek gestreamt wird. Mal ein Blick in den Maschinenraum: Wie kommt Ihr eigentlich auf Eure Themen?
Es steckt viel Teamwork dahinter. Im Kreis mit den Autorinnen und Autoren sind wir so gut wie jeden Tag am Sondieren und Diskutieren. Immer auf der Suche nach Recherche-Ideen und eigenen Ansätzen zu aktuellen Themen. Wir freuen uns auch über viel Input von Zuschauerinnen und Zuschauern. Insbesondere nach einer Sendung erhalten wir per Mail oder auch weiterhin per handgeschriebenen Briefen viele Anregungen, Lob und Tadel. Außerdem spitzen wir überall die Ohren, wenn es politisch wird: ob im Bekanntenkreis, auf dem Wochenmarkt, im Zug etc. Wir sind immer auf der Suche nach Themen, die gesellschaftspolitisch relevant und exklusiv sind.