Manuskript des Beitrags:
Fritz Frey in seiner alten Wirkungsstätte. Das Studio D des SWR, beim Dreh ohne Sendebetrieb. 20 Jahre hat er REPORT MAINZ moderiert.
„Das war meine Kamera.“
Heute kehrt für uns nochmal zurück aus dem Ruhestand. Die berühmte Weste hat er natürlich auch dabei. Ein bisschen staubig vielleicht. Aber bis heute ein Unikat.
„Also ich habe selber mehrere Westen, aber in der Sendung hatte ich all die Jahre nur die eine.“
Tatsächlich. Die Weste in Live-Aktion. 271 Mal stand Fritz Frey so oder so ähnlich vor der Kamera. Und erinnert sich noch genau an sein erstes Mal im Jahr 2003. Schon damals war REPORT MAINZ ein Stück Fernsehgeschichte.
Erste Sendung: 25. April 1966
„Das war eine Sendung mit einer Riesentradition. Einer der ersten Präsentatoren war Günther Gaus. Es war natürlich schon eine gewisse Last, die man da zu tragen hatte. Und die habe ich dann auch im Alltag hier und da zu spüren bekommen. “
Die lange Geschichte eines Fernsehformats. Alles archiviert und festgehalten in den Katakomben des Südwestrundfunks. Auf Bändern, Film, zum großen Teil natürlich schon digitalisiert. Wie zum Beispiel der erste Moment, am 25. April 1966.
„Meine Damen und Herren, Sie sehen nun vom Südwestfunk die Sendung REPORT.“
„Guten Abend, meine Damen und Herren.“
Alles noch in Schwarz-Weiß. REPORT kam damals noch aus Baden-Baden. Doch abgesehen davon erinnert vieles von damals an heute. 1966: Ein Wendejahr. Wirtschaftskrise. Nach Jahren des Aufschwungs. Und der Kanzler ruft die Bürger zum Arbeiten auf. Ganz in der Tradition seines heutigen Nachfolgers.
„Natürlich ist der Profit kein gesellschaftliches Leitbild. Aber ich möchte umgekehrt sagen: Die Sucht immer weniger arbeiten zu wollen ist auch kein gesellschaftliches Leitbild.“
Berichte über Folgen der Wirtschaftskrise
Bei seinem Publikum kommt er damit gut an. REPORT widmet sich den gesellschaftlichen Folgen der Krise.
„Augustine Hübenthal, 75 Jahre alt, 159 Mark Rente. Im Namen des Volkes verurteilt, ihre Wohnung zu räumen.“
Eine Folge der Liberalisierung des Mietrechts. Es geht auch um Familien, die deshalb kein Zuhause finden, unter engen Wohnverhältnissen leiden und Sorgen haben, sogar ihre kleine Wohnung zu verlieren.
„Was für ein Gefühl haben Sie?
„Angst, Angst, nur Angst.”
„Ich bin schon so fertig am Abend, dass ich froh bin, wenn es fünf Uhr ist und ich stecke meine Kinder schon rechtzeitig ins Bett.”
Ein Thema, das sich durch die Jahre zieht. Ein Beitrag von vor ein paar Wochen. Eine Familie, die auf 20 Quadratmetern leben muss. Die Gründe sind anders, die Lebenssituation gleich. Und REPORT schaut hin. Zugegeben, selten auch auf ganz andere Themen.
„Ein schnelles Spielzeug verunsichert unsere Straßen.“
Die Gefahr durch Skateboards. Eine Warnung im Jahr 1977.
Über 800 Sendungen in 60 Jahren
„Der Jürgen ist vor 10 Tagen beim Rollbrettfahren auf den linken Unterarm gestürzt und hat sich einen handgelenksnahen Bruch zugezogen.“
„Wer diese Bilder sieht, kann im Interesse der Kinder und der übrigen Verkehrsteilnehmer nur nach klareren Vorschriften verlangen.“
Nicht unbedingt unser wichtigster Beitrag und doch nur ein kleiner Teil von über 800 Sendungen, 60 Jahren REPORT. In seiner Geschichte präsentiert und geführt vor allem von Männern, 20 Jahre war Brigitta Weber Redaktionsleiterin.
Im Mittelpunkt stehen immer die Recherchen. Die manchmal große Wellen schlagen. Anfang der 80er Jahre gehen diese Bilder um die Welt, auf denen Männer mit offizieller Lizenz Jagd auf Robbenbabies machen. Die all dem wehrlos ausgeliefert sind. Doch es geht immer wieder auch um Politiker, den Vorwurf der Bestechlichkeit.
„Für was haben Sie denn das Geld bekommen?“
Große Recherchen, manchmal mit großer Wirkung.
„Das ist doch eine berechtigte Frage.“
Im März 1999 tritt der nordrhein-westfälische Justizminister eine Woche nach Amtsantritt zurück, nachdem REPORT über seine Arbeit als Aufsichtsrat in einem Energieunternehmen berichtet hatte.
Bundesminister geben selten Interviews
2021 berichtet REPORT exklusiv über den Handel mit gefälschten Impfpässen, die während der Pandemie im Internet angeboten und auf der Straße verkauft wurden.
Eine Sendung mit Haltung, meint Friedrich Küppersbusch. Ohne politisch einseitig zu sein.
„Ich habe Report bei mir nicht so verortet, als dass ich es nicht gucken müsste, weil ich eh schon weiß, was kommt. REPORT MAINZ war jetzt nie so verrechnet, dass ich wusste, okay, jetzt kommt dieses Parteibuch oder nur jenes Parteibuch. Und solange alle Seiten gleichzeitig schimpfen, hat man wahrscheinlich viel richtig gemacht”
Vielleicht ein Grund, warum uns Regierungsmitglieder REPORT MAINZ kaum noch Interviews geben. Beispiel diese Herren: Vor ihren Ämtern traten sie regelmäßig in der Sendung auf. Der Gesundheitsexperte Lauterbach sogar über 20 Mal. Eine Rekord-Serie, die abrupt endete, im Moment als er Minister wurde. Warum?
„Also ich bin offen, ich glaube, die meisten dieser Anfragen haben mich nicht erreicht. Die Pressestellen reagieren oft, glaube ich, reflexhaft, wenn es also um REPORT MAINZ geht."
„Und, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Ministerin oder ihren Minister schützen wollen, das ist auch nachvollziehbar. Vielleicht ist das auch eine Auszeichnung für REPORT MAINZ, dass es als scharfes Schwert des Journalismus gilt.“
Und so bleibt uns manchmal keine andere Wahl.
Früher kamen Minister ins Studio
„Eine Frage für REPORT MAINZ, eine Frage zu den Tagespauschalen.“
„Ich habe Ihnen das ausdrücklich gesagt.“
„Mich würde interessieren: Warum helfen Sie Heckler und Koch“
„Wollen Sie nicht ein kurzes Statement abgeben zu den Verträgen mit Toll Collect?"
„Sie haben ja auch Ihre Kinder und Ihre Frau beschäftigt.”
„Was ist denn daran schlimm und jetzt wird man an den Pranger gestellt?“
„Sie sind nicht jeden Tag da, oder? Weil bei uns gibt’s Regeln. Sie sind vom Westdeutschen, Südwestrundfunk. REPORT, oder sowas? Oder? Jaja.“
Früher war das anders. Die Minister kamen sogar ins REPORT-Studio, um den Beitrag ausgiebig zu kommentieren.
„Und Viertens!“
So ändern sich die Zeiten.
„Herzlich Willkommen zur Montags-Konferenz“
Ständige Veränderung
Und nicht nur das: Die Redaktion ist heute im Schnitt deutlich jünger.
Und viele der Recherchen sind nicht mehr exklusiv fürs Fernsehen, werden auch fürs Netz produziert. Veröffentlicht unter einem Dach mit anderen Politikmagazinen: Dem Label Team Recherche. Ganz im Sinne der ARD-Strategie.
„Weil ich gerne möchte, dass wir auch jüngere Menschen mit dem erreichen, was REPORT MAINZ ausmacht. Die Inhalte und der Grundansatz bleiben das Gleiche, aber die Frage, wie wir zu den Menschen kommen, die muss immer im Wandel bleiben und deswegen muss und ist REPORT MAINZ hier ein Motor.“
Auch im Fernsehen, wo seit zwei Jahren Nadia Kailouli vor der Kamera steht.
„Und das auf dem neusten Stand, auch nicht?“
Die mit dem Team bis zur letzten Minute an der Sendung feilt. So wie es sein muss. Bei einem Format mit 60 Jahren Tradition.
„Guten Abend zu EPORT Live aus Mainz.“