17.03.2026

Die Geldspur der Mullahs - Mangelhafte Kontrollen in Deutschland

Vom Stahlhandel bis hin zu Luxushotels: Das iranische Regime ist in Deutschland seit Jahren geschäftlich aktiv. Eine Spur führt sogar zum neuen Obersten Führer Modschtaba Chamenei.

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Von Autor/in Heiner Hoffmann, Daniel Hoh

Sendungsbeitrag in der ARD-Mediathek:

Manuskript des Beitrags:

Die Königsallee in Düsseldorf, bekannt für ihre Luxusläden. Zwischen Porsche und Prada ein unscheinbarer Hauseingang - der zu einer Investment-Holding führt, die dem iranischen Staat untersteht. Auf das Klingeln reagiert niemand.

Wenige Kilometer weiter: ebenfalls keine Reaktion. Hier sitzt ein Stahl- und Maschinenhändler, auch unter Kontrolle der iranischen Regierung.

Das brutale Mullah-Regime macht gerne Geschäfte in Deutschland - wie ist das möglich?

Seit Jahren ist bekannt, wie der Iran die eigene Bevölkerung unterdrückt: Protestierende werden ermordet, weltweit wird Terror finanziert.

Experte fordert effizientere Geldwäsche-Bekämpfung

Ulrich Göres hat früher die Anti-Geldwäsche-Abteilungen großer Banken geleitet, sich auch immer wieder mit dem Iran beschäftigt. Heute arbeitet er als unabhängiger Berater. Er kritisiert, dass es Deutschland international geächteten Regimen zu einfach mache.

Ulrich Göres, Experte für Finanzkriminalität

„Der Punkt ist, dass viele von denen ihr Geld in Deutschland anlegen, weil der Verfolgungsdruck in Deutschland, was Geldwäsche-Terrorismus-Finanzierung angeht, aus meiner Sicht wesentlich geringer ist als in anderen europäischen Staaten. Die Mechanismen, die es bräuchte, um hier effektiver zu handeln, sind bei weitem noch nicht da.”

Das Mullah-Regime hat in Deutschland über Jahrzehnte hinweg ein Firmengeflecht aufgebaut. Ein Beispiel: Die staatlich kontrollierte Investmentgesellschaft IFIC - die Firma von der Königsallee in Düsseldorf. Früher gehörten ihr knapp 8 Prozent von ThyssenKrupp. Die Bilanzsumme im Jahr 2024: fast 400 Millionen Euro.

Die US-Behörden haben die deutsche IFIC seit Jahren mit Sanktionen belegt. Auf diese Weise können sie Konten sperren, Vermögen beschlagnahmen und Handel untersagen.

Wir schauen nach in der Sanktionsliste der EU - Fehlanzeige. In Europa können zahlreiche iranische Firmen weiterhin Gelder für die Mullahs anlegen - ganz legal.

Journalist musste wegen Bedrohungen aus dem Iran fliehen

Fariborz Kalantari hat als Journalist bis 2019 in Teheran gearbeitet, zu korrupten Machenschaften führender Politiker recherchiert. Er wurde zu langen Haftstrafen und Peitschenhieben verurteilt, floh deshalb ins Ausland. Er lebt jetzt an einem geheimen Ort. Bis heute werde er bedroht, zuletzt habe er eine Nachricht aus dem Umfeld des Regimes erhalten.

Fariborz Kalantari, Journalist

„In dieser Sprachnachricht wurde mir gedroht, dass sie mich hier im Exil aufspüren werden, entführen wollen und an die Quds-Brigaden der Revolutionsgarde im Iran ausliefern werden.”

Kalantari hat sich in seinen Recherchen unter anderem mit ihm beschäftigt: Ali Aliakbar Ansari, ein bekannter Geschäftsmann aus Teheran, der auch in Deutschland sehr aktiv ist. Zu seinen Investments gehört unter anderem dieses Einkaufszentrum in Oberhausen. Laut Medienberichten ist er auch Eigentümer von zwei Hilton-Hotels im Raum Frankfurt.

Verbindung von Ali Ansari zum neuen Obersten Führer des Iran

Ansari wird eine große Nähe zu den Mullahs nachgesagt. Ein Mann soll ihm besonders nahestehen, sogar sein Geschäftspartner sein: der neu ernannte Oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei.

„Mir wurde immer wieder von schwarzen Mercedes mit Regierungskennzeichen und getönten Scheiben berichtet, die einmal pro Woche beim Büro von Ali Ansari vorgefahren seien. Ansari selbst hat in privaten Runden erzählt, das ist später zu Journalisten durchgedrungen, dass es Modschtaba Chamenei gewesen sei, der in einem dieser Mercedes Benz gesessen habe.” 

In Großbritannien steht Ansari auf der Sanktionsliste, wegen wirtschaftlicher Unterstützung der iranischen Revolutionsgarde.

Wir fragen nach bei Ali Ansari. Sein Anwalt teilt mit, man wolle gegen die Sanktionen vorgehen.

„Herr Ansari weist eine finanzielle Beziehung zur iranischen Revolutionsgarde oder zum neuen Obersten Führer vehement zurück.”

Auf der EU-Sanktionsliste sucht man Ansaris Namen vergeblich. Jahrelang hatte Europa im Vergleich zu den USA deutlich weniger Sanktionen gegen Personen oder Unternehmen aus dem Iran erlassen.

Kritik an lückenhafter Geldwäsche-Bekämpfung in der EU

Wir sprechen dazu mit Matthew Levitt vom Washington Institute. Er hat früher für die US-Regierung gearbeitet, Sanktionen mit vorbereitet. Heute forscht er unter anderem zu illegalen Geldströmen aus dem Iran.

Matthew Levitt, The Washington Institute

„Alle hätten viel mehr viel früher tun müssen. Keiner hätte daran zweifeln dürfen, um was für eine Art von Regime es sich da handelt. Quer durch Europa herrschte die Vorstellung, dass der Iran ein Land wie jedes andere sei. Das war, freundlich ausgedrückt, naiv.”

Erst seit September 2025 greift die EU wieder härter durch, hat mehr Sanktionen verhängt.

Wir treffen einen Mann, der aus Deutschland heraus jahrelang Geschäfte mit dem Iran abgewickelt hat. Er kennt die Strukturen - und die Schlupflöcher. Aus Angst vor Repressalien will er unerkannt bleiben. Die Deals liefen bis heute weiter, erzählt er.

„Deutschland ist für den Iran eine der wichtigsten Drehscheiben weltweit. Geschäfte über deutsche Firmen wirken seriös - genau das macht sie so wertvoll für das Regime. In Wahrheit geht es dabei oft nicht um legitime Deals, sondern um das Verschieben von Geldern im Sinne des Regimes. Und vieles davon bleibt bislang unter dem Radar der Behörden.“

Oppositionspolitiker fordert härteres Durchgreifen

Omid Nouripour sitzt für die Grünen im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags, stammt selbst aus dem Iran. Er fordert, dass Deutschland härter gegen illegale Finanznetzwerke vorgeht.

Omid Nouripour, B‘90Grüne, Bundestagsabgeordneter

„Hier werden Gelder generiert, mit denen Terror auch über uns gebracht wird. Das heißt, wir schneiden uns massiv selbst ins Fleisch, wenn wir sie einfach machen lassen. Ich hoffe sehr, dass die Bundesregierung jetzt dagegen was tut und diese Vermögen dieser Leute, die nur Unheil auf der Welt anrichten, mit ihrem Vermögen auch einfriert.”

Aus Regierungskreisen heißt es, dass man derzeit weitere Sanktionen gegen den Iran prüfe. Dafür seien aber sorgfältige Vorarbeiten auf mehreren EU-Ebenen erforderlich.

Dubiose Finanzagenturen statt regulärer Banken

Michael Tockuss von der Deutsch-Iranischen Handelskammer weiß: Während die EU sich noch abstimmt, suchen sich viele Unternehmen längst neue Wege. Inzwischen laufe der Zahlungsverkehr nicht mehr über reguläre Banken, sondern über dubiose Agenturen - Millionenbeträge, illegal und ohne Kontrolle.

Michael Tockuss, Deutsch-Iranische Handelskammer

„Dort können Sie Ihr Geld hinbringen und im Iran bekommen dann Ihre Partner, Einzelpersonen, bekommen das Geld dann dort ausbezahlt. Man kann die Quelle des Geldes nicht überprüfen und so gibt es dann einen Wildwuchs, der uns dann erhebliche Kopfschmerzen bereitet.”

Illegale Zahlungswege, fehlende Sanktionen, und Luxus-Hotels in den Händen von mutmaßlichen Unterstützern des Regimes. In Deutschland haben die Mullahs offenbar leichtes Spiel.

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Heiner Hoffmann
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Daniel Hoh
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