17.03.2026

Gold-Boom in Krisenzeiten – Zocken dubiose Anbieter ab?

Das Geschäft mit Gold boomt. Abzocke-Maschen werden immer professioneller. Im Internet werben Anbieter mit Gold zum Schnäppchenpreis. Verbraucherschützer raten zur Vorsicht.

Teilen

Stand

Von Autor/in Aleksandra van de Pol, Gottlob Schober, Finn Jakob Keilmann

Sendungsbeitrag in der ARD-Mediathek:

Manuskript des Beitrags:

Angefangen habe alles mit diesem Flyer: Werbung für ein Goldankauf-Geschäft im bayerischen Ansbach. Klara M. möchte unerkannt bleiben, aus Scham. Viel Geld habe Sie verloren. Weil der Goldpreis gerade so hoch sei, wollten sie und ihr Mann Familienerbstücke, Schmuck und Goldbarren verkaufen. Für den seniorengerechten Umbau ihres Hauses. Der Laden - mitten in der Stadt - habe auf den ersten Blick seriös gewirkt.

Wir haben den Kaufvertrag ausgefüllt. Es wurden auch die Ausweise von uns kontrolliert, die Bankdaten aufgenommen. Für uns waren das korrekte Geschäftsmänner. Also wir sind nicht auf die Idee gekommen, dass sich dahinter Betrüger verbergen können.”

An einer Hauptstraße mitten im Ort habe sich das ganze abgespielt. Anfang Februar. In dieses Ladengeschäft hatten Klara M. und ihr Mann die Familienerbstücke gebracht. Die Händler hätten 54.000 Euro dafür geboten. Zunächst aber das Gold auf Echtheit überprüfen wollen. Zur Sicherheit habe Klara M.  9.000 Euro in bar als Anzahlung erhalten. Der Rest sollte später überwiesen werden. Doch als das Geld nach drei Tagen noch immer nicht auf dem Konto gewesen sei, fuhr sie nochmal zum Laden. Doch der sei plötzlich leer gewesen, von den Verkäufern keine Spur. Ihr Gold im Wert von 45.000 Euro war einfach weg.

Wir waren völlig aufgelöst. Mein Mann ist gesundheitlich sehr angeschlagen. Man hat es bei ihm körperlich gemerkt. Ihm ging es sofort schlecht. Ich habe geweint. Wie kann man so kaltschnäuzig sein?”

Polizei warnt vor unseriösen Goldhändlern

Obwohl der Laden nur wenige Tage geöffnet war, ist nicht nur Klara M. betroffen. Die zuständige Staatsanwaltschaft teilt uns auf Nachfrage mit, dass hier in kürzester Zeit Gold in Höhe eines sechsstelligen Betrags erbeutet wurde. Sie ermittelt wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Die Polizei Ansbach warnt jetzt vor unseriösen Edelmetallhändlern.

Auch andere Gold-Abzock-Maschen haben Konjunktur. Thanachot Sae- Lao aus Herne in Nordrhein- Westfalen hat auf Ebay einen Goldbarren mit Seriennummer und Kaufbeleg erworben. Von einem Privathändler - der diesen Jahre zuvor bei einem Juwelier gekauft haben will. Der Barren habe auf den ersten Blick echt gewirkt - auch das Gold- Analysegerät habe das bestätigt. Doch erst, als er den Barren genauer überprüft und auf die Waage legt, habe er gemerkt, dass er mehr wiegt als er soll.

Thanachot Sae-Lao

„Ich bin daraufhin halt mit Gold zum Goldhändler gegangen, und habe einen Strichtest machen lassen. Und der Händler hat direkt gesagt das ist kein echtes Gold. Also ich war dann schockiert, dann habe ich gesagt, okay, das ist halt richtig gut gemacht, die Ware, wenn man nicht ausgepackt hätte. Und selbst wenn man halt dieser Goldanalyse vertrauen würde, ist das trotzdem nicht echt.”

Mehr Fake-Gold im Umlauf

Der Verkäufer sei nicht mehr auffindbar gewesen, erzählt Thanachot Sae-Lao. Der Kaufbeleg entpuppt sich unseren Recherchen zufolge als Fälschung. Er befürchtet, dass womöglich viel mehr solcher Fake-Goldbarren im Umlauf sind.

In der Münchener Innenstadt besuchen wir „Johann´s Goldstube“. Juwelier Johann Sabti erzählt uns, dass derzeit immer mehr Betrüger versuchen, mit Gold reich zu werden. In Kriegszeiten und Zeiten von hohen Goldkursen werde immer öfter falsches Gold angeboten.

Johann Sabti, Juwelier

„Also ich würde sagen, in der Woche vier oder fünfmal bestimmt wird bei uns versucht Fake-Gold zu verkaufen.”

„Und das ist mehr als früher?”

„Definitiv. Da der Goldpreis natürlich hoch ist, lohnt es sich für die Betrüger sag ich mal, das jetzt zu veräußern. Und die ganzen Strategien, die ganzen Maschen werden auch immer besser und schwieriger auch für uns.“

Goldfälschungen werden immer professioneller

Sabti kennt mittlerweile die Tricks professioneller Goldabzocker. Vor kurzem sei ein Kunde mit einer Münze in seinen Laden gekommen.  Er habe die kanadische Maple Leaf im Internet gekauft. Sie wird dort derzeit zu einem Bruchteil des aktuellen Wertes von 4.266 Euro angeboten.

„Sie kostet hier 298 Euro, also hätte man schon wissen müssen. Man sieht sofort auf den ersten Anblick mit Sonderangebot und 90 Prozent Rabatt. Das könnte nicht klappen. Das ist leider sehr häufig gerade.“

„Und die Fälschungen werden immer besser?”

„Die Fälschungen werden immer besser. Also es sind Fälschungen, die man sehr schwer erkennen kann.“

Diese Maple Leaf Münze, rechts im Bild, hat einmal genauso ausgesehen wie die linke. Das Gewicht habe gepasst. Auch beim Röntgen sei nichts aufgefallen. Nur die Rechnung habe dubios gewirkt. Um Klarheit zu bekommen, sei Johann Sabti nur noch ein Weg geblieben. Die Münze mit der Feile zu zerstören.
 

„Das war die beste Fälschung, die ich je gesehen habe. Also 20 Prozent war Gold drauf. Der Kern bestand aus Wolfram. Und 20 Prozent war außerhalb Gold. Also wirklich echtes pures Gold, was außerhalb auf der Wolfram Münze drauf war. Es hatte immer noch einen Wert von ungefähr 800-900 Euro.”

Und dennoch habe der Kunde mehrere tausend Euro Miese gemacht. Sabti empfiehlt allen Kunden, bei sogenannten Schnäppchen im Internet ganz genau hinzusehen.

Kauf von Goldbarren als Rabattmodel?

Das Geschäft boomt. Sogar Prominente wie Oliver Pocher werben für Gold zum Schnäppchenpreis. In einem Video spricht er die Emotionen vieler Menschen an. Er inszeniert sich als Goldinteressent, der sich von einem Rabattmodell der TGI AG mit Sitz in Liechtenstein überzeugen lässt. Hochkant gedreht für Social Media Plattformen.

„Wisst ihr eigentlich, was 50 Gramm Gold mittlerweile kosten? Ich sage es euch: 7.000 Euro. Circa. Helmut, was kosten die 50 Gramm denn bei dir?"

„Lieber Oliver, statt 7.000 Euro, circa 2.000 Euro."

Wie soll das möglich sein? Wir recherchieren. Neben dem klassischen Sofortkauf von Gold bietet die TGI AG Rabattmodelle von zwei bis vier Prozent pro Monat an. Damit wirbt das Unternehmen im Internet. Können so tausende Euro beim Goldkauf gespart werden? Auf REPORT MAINZ Nachfrage heißt es: 

„Die TGI AG verfügt über einen privilegierten Zugang zu Rohgoldquellen sowie über etablierte Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette [...].“

Den Finanzexperten der Verbraucherzentrale Bayern, Sascha Straub, überzeugt das nicht. Er hat noch viele Fragen: 

Sascha Straub, Verbraucherzentrale München

„Wo bleiben die Belege. Kann es der Anleger nachvollziehen? Was sind das für Rohstoffquellen? Welche rechtlichen Gegebenheiten liegen da vor? Sind die Eigentümer, haben sie besondere Zugriffsrechte? Wie stark sind diese Rechte? Was hat das dann für positive Auswirkungen auf die Konditionen? Alles Punkte, die der einzelne Anleger so gar nicht nachvollziehen oder verifizieren kann.“

Das Unternehmen schreibt uns:
„Die TGI AG ist bestrebt, ihren Kundinnen und Kunden einen möglichst vollständigen Überblick über die Produktion, Lieferketten und Produzenten zu vermitteln.”

Uns gegenüber verweist das Unternehmen auf Vertraulichkeit und übliche Geheimhaltungsvereinbarungen.

Kunden müssen der TGI AG erst einmal Vertrauen entgegenbringen. So können sie zum Beispiel Feingoldbarren zum Tagespreis erwerben. Sie sind damit Eigentümer, das Gold aber wird zunächst vom Unternehmen verwahrt. Das Versprechen der TGI AG: Kunden bekommen monatliche Rabatte, ihr Gold aber erst, wie bei diesem Angebot, nach 36 Monaten.

Ein großes Risiko, findet Renate Daum von der Stiftung Warentest.

Renate Daum, Stiftung Warentest 

„Wir haben die TGI AG auf unsere Warnliste Geldanlage gesetzt, weil ein Goldkauf mit verzögerter Lieferung immer ein Risiko für die Kunden bedeutet. In drei Jahren kann viel passieren. Der Goldpreis kann stark schwanken, aber auch die Kosten für die Produktion können stark schwanken. Und dass die Rechnung für das Modell dann aufgeht, ist mitnichten sicher. Es ist nicht zwangsläufig sicher, dass man diese Rabatte auch wirklich darstellen kann.“

Die TGI AG räumt ein, dass bei Geschäften mit zeitversetzter Lieferung und Auslandsbezug typische Risiken bestünden, die den Kunden bekannt seien.

Und Oliver Pocher? Im Video inszeniert er sich locker, aber seriös. Es scheint so, als priese er die Goldrabatte mit voller Überzeugung an.

„Für mich hört es sich gut an. Für euch auch?”

Auf Nachfrage lässt er uns mitteilen:
„Herr Pocher ist weder Gesellschafter noch operativ in das Unternehmen TGI eingebunden. Eine Investition liegt nicht vor“.

Er selbst also hat das Rabatt-Gold gar nicht gekauft.

„Gerade in Krisenzeiten und bei einem hohen Goldpreis ist Achtsamkeit im Kauf und Verkauf auf jeden Fall geboten. Man ist da auf die Expertise anderer angewiesen, deswegen sollte man sich hier durchaus auf zertifizierte, langjährig tätige Geschäfte, Händler einlassen.”

Thanachot Sae-Lao hat nach einer Beschwerde sein Geld von der Internet-Plattform zurückbekommen. Gegen den Verkäufer hat er Strafanzeige erstattet. Doch Klara M. wird ihr Gold vermutlich nie wieder sehen.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Aleksandra van de Pol
Autorin Aleksandra van de Pol
Gottlob Schober
Gottlob Schober
Finn Jakob Keilmann
Finn Jakob Keilmann