Es war Liebe auf den ersten Blick: Nach einer Führung durch Magdeburgs Sehenswürdigkeit, die Grüne Zitadelle von Hundertwasser, wusste Christina: Hier will ich wohnen! 2024 zieht sie von Wiesbaden nach Magdeburg in den von Friedensreich Hundertwasser entworfenen Neubau an Magdeburgs zentraler Straße, dem Breiten Weg.
Wohnen mit Hundertwasser mitten in Magdeburg
Ihre Dreizimmer-Wohnung mit Küche, Bad und Gästetoilette im dritten Stock des rosa Hauses fühlte sich gleich wie ein Zuhause an. Hier ist nichts normal oder Standard: die Ecken rund, jeder Fenster- oder Türgriff unterschiedlich, jede Flurlampe ein Einzelstück.
Auch in Christinas Küche steckt Hundertwasser. Der Fliesenspiegel ist schräg und bunt. Ein Kunstwerk, das einzigartig und einmalig ist, aber auch nicht verändert werden darf. Gerade Linien – sagt Hundertwasser – seien gottlos. Das ist ganz nach Christinas Geschmack. Sie fühlt sich von ihrem neuen Zuhause inspiriert. Gerne umgibt sie sich mit lustigem „Schischi“, auch das ist im Sinn des kosmopolitischen Künstlers.
Baummieter in der grünen Zitadelle
Entsprechend fröhlich wohnt auf Christinas Sims vor ihrem Küchenfenster Blauschaf Henriette. Aber auch der Baummieter des Nachbarn. Baummieter gibt es nur bei Hundertwasser.
Sie gehören zu manchen Wohnungen der Grünen Zitadelle. Die Mieter sind verpflichtet, sich um ihren grünen Mitbewohner zu kümmern. Hundertwasser räumt Bäumen auch in seinen Bauwerken einen großen Stellenwert als "Partner des Menschen" ein.
Gestalten wie Hundertwasser in der eigenen Wohnung
Im Flur wohnen viele bunte Sneaker, die die 52-jährige Juristin gerne zum Anzug trägt. In ihrem Hobby- und Arbeitszimmer hat sie ihre Akten und Rechtsbücher, aber auch ihre Kreativecke. Heute wird sie hier ihr "Fensterrecht", auch das eine Hundertwasser-Einzigartigkeit, umsetzen. Soweit ihr Arm aus dem Fenster reicht, darf Christina die Fassade dekorieren. Sie kann einen individuellen Touch geben und damit sagen: Hier wohne ich.
Ihren Entwurf darf Christina allerdings nicht einfach ans Haus pinseln. Er muss eingereicht und vom Hauseigentümer und der Hundertwasser Stiftung genehmigt werden. Ihr Motiv, ein fünfblättriges Blatt, symbolisiert die fünf Türme der Zitadelle. Ihr "Fingerabdruck" am Haus ist erst der dritte, der die Grüne Zitadelle ziert.
Auch im Bad dominiert der einzigartige, bunte Fliesenspiegel. Sogar ein lustiges Gesicht kann man beim Schaumbad entdecken. Wasser war auch Hundertwassers liebstes Element. Als Friedrich Stowasser geboren, nannte er sich später um. "Sto" heißt in slawischen Sprachen "hundert". Aus Friedrich machte er Friedensreich und gab sich noch die Vornamen Regentag und Dunkelbunt.
Bewaldete Dachterrasse statt Balkon
Einen Balkon hat Christinas Wohnung nicht. Dafür kann sie eine der bewaldeten Dachterrassen nutzen. Schon der Gang durch das Treppenhaus entspannt und macht sie froh. Die Hausflure erinnern an Gassen einer Kleinstadt – geschwungen und gebogen. Auch hier vermisst Christina die geraden Linien nicht. Jede Lampe ist anders und jede Wohnungstür hat ihre eigene Farbigkeit.
Von der Terrasse haben die Bewohner einen einzigartigen Blick zum Magdeburger Dom. Hierher zieht sie sich bei schönem Wetter gerne mit ihrer Liege und einem Buch zurück. Eine grüne Idylle mitten in der Stadt.
Der Herbst bringt noch mehr Farbe durch die bunten Blätter. Über 170 Bäume wachsen auf dem Haus, dazu Gehölze verschiedenster Art. Auch Tiere leben hier. Es wurde sogar schon einmal ein Fuchs gesichtet.
Hundertwassers Grüne Zitadelle: Sehenswürdigkeit und Zuhause
Und wenn sie nicht arbeiten müsste, bräuchte Christina das Haus gar nicht verlassen. Die Grüne Zitadelle ist größer als das Hundertwasserhaus in Wien, hat zwei Innenhöfe und verschiedene Geschäfte und Restaurants.
Wer sich selbst einmal in der Grünen Zitadelle umschauen möchte, kann an einer der täglichen Führungen teilnehmen. Das Haus, anfangs als "rosa Herrentorte" verschrien, ist inzwischen eine der bekanntesten Attraktionen Magdeburgs und der Stolz der Stadt und seiner glücklichen Mieterin!