Auf ihrem Waldgrundstück in Neißeaue, dem östlichsten Zipfel Deutschlands, haben sie ein verrücktes Haus gebaut, das bis in die Baumkronen wächst. Ihr eigentliches Wohnhaus ist der Heuboden eines mehr als 100 Jahre alten Bauernhauses. Den gestaltetet die Familie ganz nach ihren Vorstellungen – wie das Innere eines urigen Baumhauses. Auch das Außengelände mit seinen Stegen, Treppen und Brücken erinnert an einen Kletterpark oder Baumwipfelpfad.
Alter Mercedes-Bus mitten in den Bäumen dient als „Sommerkinderzimmer“
Baumhäuser prägen das Lebensgefühl der Familie. An mehreren Stellen öffneten sie das Dach des alten Heubodens, um direkten Zugang zu der alten Eiche zu schaffen. Vom Bad aus gelangt man mit wenigen Schritten über einen Steg zu einem alten Mercedes-Bus, der in acht Metern Höhe in der Baumkrone einer Kastanie steht. Hier hat sich Tochter Jolanda ihr Sommerkinderzimmer eingerichtet.
Kühe und Ziegen auf den Dächern
Zwei Meter weiter oben erfüllte sich Jürgen seinen eigenen Traum vom Baumhaus mit seinem Baumhausbüro. Von hier aus blickt er auch auf Kühe und Ziegen, die ebenfalls zwischen den Baumwipfeln auf dem Dach des benachbarten Gebäudes leben. Als Holzbildhauer und Holzgestalter entwickelt Jürgen in seinem Baumhausbüro seine außergewöhnlichen Ideen. Die Tiere gehören zu dem fantasievollen Freizeitpark, den Jürgen und Doreen nach der Wende aufgebaut haben – natürlich mit mehreren Baumhäusern.
Man guckt durch die Blätter wie durch einen Vorhang in eine verrückte Welt.
Auf dem Dach ihres Wohnhauses befindet sich außerdem eine außergewöhnliche Freiluft-Toilette: Ein ausgehöhlter Pappelstamm umschließt ein WC samt Handwaschbecken. Auch ihre Baumlaube ist nur über das Stegsystem erreichbar. Sie thront auf einer sogenannten Tanzlinde, die so erzogen wurde, dass sich ihre Krone öffnet, um eine Plattform zu tragen, über der die Äste der Linde dann wieder zusammenwachsen und ein grünes Blätterdach bilden.
Labyrinth aus Stegen, Leitern und Treppen führt in verschiedene Wohnräume
Herzstück des alten Heubodens, ihrem eigentlichen Wohnhaus, ist die offene Küche. Eine schmale Treppe verbindet sie mit dem Wohnraum, der eine halbe Etage höher liegt. Von dort führen weitere Treppen ins Bad, ins Schlafzimmer und ins Zimmer des Sohnes, während eine andere Treppe zum hauseigenen Kino und zum Zimmer der Tochter führt. Treppensteigen und Leiterklettern gehören hier ganz selbstverständlich zum Alltag.
Möbel aus Baumstämmen
Auch im Inneren des alten Hauses erinnert alles eher an ein Baumhaus. Mit der Kettensäge bearbeitete Baumstämme in ihrer natürlichen Wuchsform verleihen den Wohnräumen eine rustikale und naturnahe Atmosphäre. Auch das Mobiliar besteht größtenteils aus Holz: Ein großer Pappeltisch lädt Familie und Gäste unter einem Himmel aus Glöckchen und Mitbringseln aus aller Welt zum gemeinsamen Essen ein. Die Küchenschränke sind ebenso kunstvoll-rustikal gestaltet. Im Bad fällt sofort die riesige Badewanne aus einem einzigen Pappelstamm ins Auge, die mit Kupferblechen verlötet wurde. Dass auch die Toilette von Holz umgeben ist, überrascht an dieser Stelle kaum noch.
Jürgens und Doreens Baumhauswelt ist einzigartig. Mit Kreativität, handwerklichem Können und außergewöhnlichen Ideen verschieben sie die Grenzen der Vorstellungskraft – und wachsen mit ihrem Wohntraum bis in die Baumkronen.