Zimmermann rettet 400 Jahre altes Fachwerkhaus

Teilen

Stand

Von Autor/in Inès Plume

Altersfreigabe: ab 0 (verfügbar von 0 Uhr bis 24 Uhr)

Bettina und Gabriel haben sich erst ineinander verliebt und dann in ihr Haus: Das älteste in Sulz-Bergfelden, gebaut zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Jahr 1621. 400 Jahre später, nämlich am 1.6.21, hat Bettina ihren Gabriel geheiratet. Er ist Zimmermann aus Leidenschaft. Gemeinsam haben sie sich in dem historischen Fachwerkhaus ihren Altholztraum erschaffen.

Böse Überraschungen bei der Sanierung

Im Jahr 2020 haben sie das Fachwerkhaus gekauft. Damals hatte es bereits 17 Jahre lang leer gestanden. Das Haus war fast schon verfallen – und traf Bettina und Gabriel doch mitten ins Herz. Dass es eine Herausforderung sein würde, war beiden von Anfang an klar.

Allerdings entdeckten sie während der Restaurierung auch noch den echten Hausschwamm: Einen Pilz, der feuchtes Holz – Balken für Balken – immer mehr zersetzt. Doch sie haben es geschafft, aus dem Albtraum ihren persönlichen Wohntraum zu zimmern.

Zimmermann Gabriel saniert das Fachwerkhaus selbst

In Eigenregie haben Bettina und Gabriel das denkmalgeschützte Fachwerkhaus vier Jahre lang saniert. Dabei machten sie so viel wie möglich selbst. Außerdem versuchten sie, alte Baumaterialien unter ökologischen Gesichtspunkten behutsam wiederzuverwenden.

Schließlich ist Gabriel gelernter Zimmermann mit Erfahrung bei der Denkmalsanierung – und wenn er sich mit etwas auskennt, dann mit Holz. Und zwar mit Holz in allen Facetten, wie man auch am Haus sieht: Ob an der Fassade mit ihrem teils wilden Schindelverband und der imposanten 16 Meter langen Holzdachrinne.

Kreativer Innenausbau

Auch der Innenausbau überrascht mit kreativen Gestaltungsideen. Das Badezimmer ist von der Küche nur mit einer Wand abgetrennt und sonst völlig offen. Hier findet man einen Badezuber aus Holz statt einer Emaille-Duschwanne, Stückholz statt Fliesenspiegel oder gigantische, auf Holz aufgebockte Sandsteintröge als Waschbecken.

Altes wird im Fachwerkhaus neu verwendet

Das Paar fand alte landwirtschaftliche Werkzeuge auf dem Grundstück vor. Diese wurden so kombiniert, dass daraus ein einzigartiges Treppengeländer entstand. Im Wohnzimmer gibt es eine geschwungene Sofaecke aus Schamott – samt riesiger Baumwurzel als Couchtisch.

Behutsam haben Bettina und Gabriel auch das historische Fachwerk mit den Feld- und Flusssteinen wieder freigelegt. Manche haben sie mit Lehm ausgemauert. Viele der alten Fenster konnten sie retten. Die beiden haben die Laibungen dekorativ mit Aststücken ausgefüllt und mit Schafswolle gedämmt. Eine Salzsteinwand im Schlafzimmer soll außerdem für ein gesundes Raumklima sorgen.

Holzliebe überall sichtbar

Überall wird spürbar, wie holzverliebt das Paar ist, wie beide es genießen, individuell zu wohnen und alles ein bisschen anders zu bauen, als man es sonst so kennen mag. Das Fachwerkhaus ist ein Herzensprojekt, das Bettina und Gabriel mehr und mehr zusammengeschweißt hat.

Und wenn sie wollten, könnten sie sogar gemeinsam auf Toilette gehen: Denn als Hommage an die beiden Familien, die einst hier wohnten und sich eine Sickergrube teilten, haben sie anstelle der alten Plumpsklos zwei Toilettenschüsseln nebeneinander installiert.

Ein Zuhause für die ganze Familie

Auch Bettinas jüngste Tochter Salomé aus erster Ehe hat sich im Rahmen der Sanierung ihr Traumzimmer verwirklicht. Über den Altbau und das zunächst provisorische Wohnen inmitten der Baustelle hat sie ihr Herz fürs Handwerk entdeckt und selbst mitangepackt.

Dadurch fühlt sie sich inzwischen tief verbunden mit dem historischen Fachwerkhaus, das einen so ganz anderen Charme hat als der Neubau mit seinen glatten, weißen Wänden, in dem sie aufgewachsen ist.Genau das macht es auch für Bettina aus: In einem Haus zu leben, dessen Seele man bis heute irgendwie spürt und das einen ein bisschen auch in eine andere Zeit zurückversetzt.

Zusammen mit Gabriel hat sie hier ihren lang gehegten Wohntraum verwirklicht. Und an der Jahreszahl am Giebel kann man sie ablesen, ihre Fachwerkliebe: 1621 steht da geschrieben – das vermutete Baujahr des Hauses und gleichzeitig ihr Hochzeitsdatum.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Inès Plume
Ein Film von
Moritz Rebholz (Kamera), Linus Craes (Ton) und Marco Martin Büttner (Schnitt)