Wenn man die Hühner anschaut, dann wird man innerlich ruhiger.
Vor fünf Jahren hat Rüdiger noch bei einer Bank gearbeitet. Festanstellung, gutes Image, das ganze Paket. Aber ihm fehlt was. Und seine Gesundheit leidet unter der Schreibtischarbeit. „Wenn man den ganzen Tag, acht Stunden in den Computer schaut, dann kann es sein, dass man Kopfschmerzen bekommt, Haltungsschäden, Rückenprobleme. Ich habe früher viel Sport gemacht und kannte das eigentlich nicht. Und dann habe ich irgendwann gesagt: Ich muss da raus.“
Weg vom Schreibtischjob – hin zur Natur
Seine Familie hält schon Hühner und Rüdiger merkt: Es tut gut, bei den Tieren zu sein. Ruhiger. Ausgeglichener. Er beschließt, dieses Gefühl mit anderen teilen zu teilen. Er kündigt also in der Bank und eröffnet eine Hühnervermietung.
Einrichtungen und Privatpersonen können für etwa zwei Wochen ein paar Hühner bei ihm leihen. „Die Mädels“, wie Rüdiger sie auf seiner Website nennt, werden in kleinen Gruppen in den Gärten der „Mieter” untergebracht und von ihnen versorgt – natürlich nach einer Einweisung von Rüdiger.
Hühner im eigenen Garten
Die Kundschaft ist bunt gemischt. Leute, die sich Hühner anschaffen und vorher probieren wollen, wie das Leben mit den Tieren ist. Oder eben Schulen, Einrichtungen für Kinder mit Behinderung und Kitas.
Rüdiger ist klar: Nur vom Hühnervermieten kann er nicht leben. Nebenbei arbeitet er deshalb bei einem Gesundheitszentrum und gibt Wirbelsäulenkurse. Das hat er vor der Karriere in der Bank schon gemacht und das macht ihm auch jetzt noch Freude. Aber auf Platz eins sind: seine Hühner.
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46 Jahre im gleichen Job: Hufschmied Hans-Peter
Das Problem ist, wie im Handwerk allgemein: Es will keiner mehr dreckig werden, es will keiner mehr bei Wind und Wetter draußen sein.
Hans-Peter, 70, Hufschmied aus Aichwald
Eigentlich ist Hans-Peter schon längst im Rentenalter, aber aufhören will der Hufschmied noch nicht so richtig. „So zweimal in der Woche, 2-4 Pferde, mehr will ich nicht. Und mehr lässt auch meine Frau nicht mehr zu“, sagt er lachend. Was ihn an seinem Beruf glücklich macht, hat er uns erzählt: „Man hat mit Lebewesen zu tun. Man hat eine Verantwortung gegenüber den Lebewesen.“
Nachwuchsmangel im Handwerk
Neben seiner Liebe zu seinem Handwerk gibt es aber noch eine zweite Sache, die ihn weiterarbeiten lässt: Der Nachwuchsmangel. Der 70-Jährige beobachtet: „Die Eltern wollen für ihre Kinder immer, dass es ihnen besser geht als ihnen selbst. Die sollen nichts mehr arbeiten, die sollen nur noch am Computer sitzen im Warmen und die Tasten drücken und das funktioniert bei uns nicht.“
Ohne Pferde geht es nicht
Für ihn käme das nicht in Frage – die Arbeit mit den Pferden, auch der Umgang mit seinen Kunden – Hans-Peter liebt seinen Beruf. „Ich mache das eigentlich nicht wegen dem Geldverdienen, das ist eine Passion. Ich kann nicht ohne.“