Geretteter Ochse Oreo hilft Tatjana bei der Trauerbewältigung

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Von Autor/in Katrin Mathes

Auch nachts habe ich bei ihm geschlafen, weil er das Trinken verweigert hat. Er war depressiv, das kann man so sagen. Das musste ich ihm wieder beibringen, da habe ich ganz lange drum gekämpft, dass er wieder Freude am Leben hat.

Tatjana rettet Oreo aus einem Milchviehbetrieb. Als sie ihn das erste Mal trifft, verweigert er bereits seit geraumer Zeit die Nahrung, will nicht mal mehr aufstehen. Tiere, die als nicht überlebensfähig gelten, werden in solchen Betrieben häufig sich selbst überlassen. „Dann lag er da in seinem Iglu, ich bin hin und hab gesagt: ‚Komm, Oreo, ich bring dich nach Hause.‘ Die haben mir gesagt, dass der vorher gar nicht mehr aufgestanden ist, sich schon aufgegeben hatte. Und dann ist der aufgestanden und mir in den Hänger gelaufen.“

So beginnt eine Zeit der Heilung – für Tatjana und Oreo. Tatjana trauert um den Tod ihres Vaters. Als dieser plötzlich verstirbt, bricht eine Welt für sie zusammen. Tatjanas Vater engagierte sich im Tierschutz und betrieb selbst einen Hof mit geretteten Tieren. „Da stand ich mit 70 Tieren in Groß Döbschitz hinter Bautzen. Mein erster Gedanke war: Ich muss sie alle vermitteln, alle unterbringen. Irgendwann habe ich dann gedacht, ich mache das weiter, ich übernehme sie. Ich bin mir sicher, dass er sich darüber sehr freuen würde.“

Das war der Startschuss für Tatis Farm, den Gnadenhof von Tatjana. Hier findet auch Oreo ein neues Zuhause, zusammen mit über 100 anderen Tieren. Doch der Weg in die neu entdeckte Freiheit verläuft am Anfang alles andere als rund. Zu Beginn kämpft Tatjana tagelang um das Leben des jungen Ochsen. Dabei verbringt sie die Nächte bei ihm und versucht, ihn mit der Flasche zu füttern. Dabei entsteht eine Bindung der besonderen Art. Die intensive Beziehung zu Oreo hilft ihr dabei, ihren eigenen Schmerz zu verarbeiten.

Heute ist Oreo knapp ein Jahr alt, gesund und hat wieder Freude am Leben. Zusammen mit den anderen Tieren auf Tatis Farm hält er nicht nur das Andenken an Tatjanas Vater lebendig, sondern hilft auch dabei, sein Herzensprojekt weiter voranzutreiben – den Tierschutz.