Späte Leidenschaft: Friedrich lernt mit über 80 Kochen und Backen

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Vor dem Tod meiner Frau habe ich nichts gebacken und nichts gekocht. Sie hat immer gesagt: ‚Du verhungerst noch, wenn ich mal nicht mehr da bin.‘ Wie sie dann gestorben war, musste ich etwas unternehmen.

Mehr als 60 Jahre war Friedrich mit seiner Irma verheiratet. Die beiden lernen sich bei der Weinlese kennen, bauen ein Haus im Hunsrück und bekommen zwei Kinder. Vor knapp drei Jahren stirbt Irma – und plötzlich ist Friedrich allein. „Das Vermissen ist schon hart. Ich musste was machen, wo mich nicht in das tiefe Loch runterzwingt“, erzählt der 85-Jährige. „Sonst fängt man an zu grübeln und dann greift man zur Flasche. Und das wollte ich nicht.“

Trost und Ablenkung findet er in der Küche, die immer das Reich seiner Frau war. „Ich wollte mich selbst ernähren. Das war das Wichtigste. Und es sollte auch schmackhaft sein.“ Mithilfe eines Kochbuchs, das ihm seine Enkelin zu Weihnachten schenkt, lernt Friedrich Kochen und Backen. Was notgedrungen beginnt, wird schon bald eine echte Leidenschaft.

Friedrich liebt alte Rezepte

Für den „Beereflare“, einen traditionellen Hunsrücker Birnenkuchen, steht Friedrich auch schon mal mehrere Tage in der Küche. „Ich bin Rentner und ich kann mir das doch erlauben, weil ich Zeit habe.“ Dem 85-Jährigen ist es ein großes Anliegen, dass solche alten Rezepte, die oft nur noch mündlich überliefert sind, nicht vergessen werden: „Ich möchte einen kleinen Beitrag leisten und den jüngeren Leuten zeigen, was mal früher war.“

Sein spät entdecktes Hobby freut auch Friedrichs Familie: Regelmäßig kommen alle zum Kuchenessen und auch seine Weihnachtsplätzchen finden großen Anklang. „Das macht mir einfach Freude und das ist auch mein Lohn. Wenn ich sehe, dass das Angebot angenommen wird“, freut sich Friedrich. Sein Rezept fürs Alter hat er gefunden. Und noch einen ganz persönlichen Wunsch:

In dem Zustand, in dem ich jetzt bin, 100 zu werden.

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