Wir haben Rainer zufällig in seinem Antiquitätenladen in Koblenz getroffen und angesprochen. Früher war der Laden sein Beruf, heute ist er „mehr ein Begegnungszentrum, mein zweites Wohnzimmer, wo ich Freunde empfange und wo es mir Spaß macht, meine Dinge anzuschauen“, erzählt Rainer.
Wir setzen uns mit ihm an den Tisch und sprechen über sein Leben. Rainer wächst in der DDR auf und macht mit 16 Jahren zunächst eine Lehre als Kürschner, also das Handwerk der Pelzherstellung. Kurz darauf wechselt er zur Feinmechanik und übernimmt mit 26 Jahren eine Firma, die Gewichte herstellt. Nach der Wende verändert sich die Wirtschaftliche Lage: Wichtige Auftraggeber wie Zeiss Jena brechen weg. Rainer braucht einen neuen Plan. Zunächst verkauft er privat ein paar antike Gegenstände und merkt schnell, dass ihm das liegt. Er zieht in den Westen nach Koblenz und gründet 1993 seinen Laden, in dem wir gerade sitzen. Er sammelt, handelt und repariert. In einige seiner Schätze hat er sich so verliebt, dass sie nicht mehr zum Verkauf stehen.
Sein Rat an junge Menschen: Immer neugierig bleiben und etwas tun.
„Nichts zu tun, ist was Schreckliches“, findet Rainer. Trotzdem solle man auch den Mut haben, Dinge sein zu lassen, wenn man vor einer zu großen Wand stehe. Auf die Frage, ob er stolz auf sich sei, antwortet Rainer: „Stolz nicht. Ich hätte mehr lernen können. Ich könnte jetzt keine Reparaturen mit Gold machen, das hätte ich gerne noch gekonnt.“ Die Freude am Lernen hat sich Rainer sein ganzes Leben behalten und stellt sich auch heute noch laufend vor neue Aufgaben. In den letzten Jahren hat er zum Beispiel gelernt, Perlenketten zu knüpfen oder zerbrochene Gegenstände nach japanischem Kintsugi wieder zusammenzusetzen. „Jeder hat irgendein Talent“, findet Rainer – man müsse es nur finden.
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