Die Rente reicht nicht. Die Rente ist leider oft fürs Überleben und nicht fürs Leben.
Gerlinde ist seit 2016 Frührentnerin. Infolge einer schweren Depression muss sie ihre Arbeit als Bürokauffrau aufgeben. Davor hat sie 20 Jahre in einem Krankenhaus gearbeitet. Seit einem Klinikaufenthalt verläuft ihr Leben wieder in geregelten Bahnen. An die Wiederaufnahme einer Arbeit ist aber nicht zu denken. Gerlinde nimmt bis zum heutigen Tag Medikamente, die sie vor einem Rückfall bewahren.
Seit Gerlinde in Frührente ist, fällt es ihr zunehmend schwerer, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – vor allem seit die Lebenshaltungskosten wegen der vielen Krisen der letzten Jahre stark gestiegen sind. „Es trifft natürlich vor allem die Armen und die Kranken. Ich achte sowieso darauf, dass ich die Sonderangebote nutze. Und heutzutage ist es ja so, dass die Produkte immer teurer geworden sind. Wenn jetzt Angebote gemacht werden, kosten sie das Gleiche wie vor der Preiserhöhung.“
Ein Viertel der Tafel-Nutzer ist im Rentenalter
Für immer mehr Menschen ist die Lage dramatisch – und sie kommen oft erst zur Tafel, wenn sie keinen anderen Ausweg sehen. So auch Gerlinde. Fast ein Viertel aller Tafel-Nutzer sind laut dem Dachverband mittlerweile im Rentenalter. Seit 2022 ist die Zahl der Bedürftigen laut dem Tafel-Dachverband um 50 Prozent gestiegen. Der Gang zur Tafel ist für viele eine Möglichkeit, Kosten zu sparen, um überhaupt durch den Monat zu kommen. Rentenerhöhungen hätten daran laut dem Dachverband nichts verändert. Und die Tafeln bekommen teilweise selbst weniger Produkte, unter anderem weil Geschäfte ihre Lebensmittel oft fast bis zum Ablauf der Haltbarkeit verkaufen.
Für Gerlinde ist die Tafel ein Stück Freiheit. Das Geld, das sie hier spart, kann sie nutzen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Einen Kaffee mit einer Freundin trinken und dadurch ein bisschen hoffnungsvoller in die Zukunft schauen.
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